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Marko Rosic: Begehrtes Nachwuchstalent - nicht nur in Deutschland

Marko Rosic Basketball
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Marko Rosic wurde zur serbischen Nationalmannschaft eingeladen.

Zum Kader der deutschen U16-Basketball-Nationalmannschaft gehört Marko Rosic bereits. Jetzt hatte der gebürtige Hammer auch noch die Gelegenheit, sich für das Auswahlteam Serbiens zu empfehlen. Drei Tage verbrachte der 16-Jährige auf Einladung des dortigen Verbandes auf einem Lehrgang im Hotel Kovolino vor den Toren von Belgrad – ein Abenteuer.

Hamm – „Das war für mich eine richtig gute Erfahrung“, sagt der talentierte Point Guard. „Zu sehen, ob ich mit den besten 20 Spielern meiner Altersklasse in Serbien mithalten kann.“

Sein Urteil? Kann er. „Ich bin sehr zufrieden, wie ich dort performt habe“, sagt er selbstbewusst. „Ich habe mich gut gezeigt. Aber da sind alle Spieler richtig stark – jeder einzelne ist auf einem sehr hohem Niveau.“

Für den gebürtigen Hammer, der seit rund acht Monaten im Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten ratiopharm Ulm lebt und dort in der Jugend-Bundesliga (JBBL) spielt, war der Schnupperkurs nicht nur eine Her- ausforderung, sondern auch eine große Ehre. „Meine Eltern kommen ja beide aus Serbien“, sagt er. „Daher war diese Einladung für mich schon etwas Besonderes.“

Dass er überhaupt in den Fokus der Basketball-Nation Serbien geraten ist, liegt wohl an seinem guten Auftritt mit Ulm im Dezember beim „Adidas Next Generation Tournament“ im spanischen Valencia. Da belegte der Aufbauspieler mit seinem Team gegen europäische Spitzenteams den dritten Platz und landete als mit Ausrufezeichen versehene Erwähnung in den Notizbüchern der serbischen Scouts. Als dann die Einladung zum Lehrgang kam „war das aber schon sehr überraschend für mich“, gibt Rosic zu.

Seit seiner Rückkehr nach Ulm am Samstag sitzt er nun in Quarantäne. Trotz negativem PCR-Test muss er dort bis Donnerstag bleiben, ehe er wieder in das für Kaderspieler derzeit erlaubte Individual- und Krafttraining einsteigen darf. Bis dahin vertreibt er sich die Zeit mit Homeschooling am Vormittag und der Verarbeitung der Erinnerung an eine coole Zeit vor den Toren der serbischen Hauptstadt. Denn mit der Einladung der Serben wurde dem 16-Jährigen auch eine Aufgabe gestellt, für deren Lösung er nun bis zur A-Jugend Zeit hat: Für welches Land soll er sich entscheiden, wenn er dann tatsächlich noch die Wahl haben sollte?

„Das passt zu meinem Spielstil“

Bisher stand der Point Guard im Kader der deutschen U16-Nationalmannschaft, von deren Verantwortlichen er für das Abenteuer Südosteuropa freigestellt worden ist. „Mir hat es besser gefallen bei der serbischen Nationalmannschaft“, fasst Rosic seinen ersten Eindruck zusammen. „Das passt mehr zu meinem Spielstil, ich habe mich dort wohler gefühlt und schneller angepasst. Das Niveau ist auch viel höher – aber vor allem bin ich glücklich, dass ich die Chance hatte, bei beiden Nationalmannschaften reinzuschauen.“

Eine Entscheidung für seine Zukunft bedeutet dieser erste Eindruck noch nicht: „Nein, da werde ich erst mit meinen Eltern und ein paar anderen Leuten reden“, sagt das umworbene Basketball-Talent. Zudem ist es offen, ob er die serbischen Trainer von sich überzeugt hat. Das wird er erst im Juni wissen, wenn die Einladungen zur vierwöchigen Vorbereitung auf die Europameisterschaft verschickt werden, die vom 13. bis 21. August in Nordmazedonien stattfinden wird. 18 Spieler werden ausgewählt, am Ende fahren zwölf plus zwei Ersatzspieler mit zum Turnier. „Die Trainer haben jetzt alles nur beobachtet“, hat Rosic vor Ort nicht erfahren, ob die Verantwortlichen überhaupt weiter mit ihm planen werden. „Mit einem, der auch noch in Hamburg als Co-Trainer aktiv ist, hatte ich ein kurzes Gespräch. Er hat gesagt, es sind drei Jungs, die auf meiner Position in Frage kommen.“ Mehr war nicht zu erfahren.

Das Tagespensum im Hotel war genau durchgeplant: Frühstück, Training, essen, Training. „Abends haben sich alle getroffen und im Hotel geredet, Spaß gehabt“, schildert Rosic. „Das war wie eine Teambuilding-Maßnahme.“

Sollte es im August nicht mit der serbischen Nationalmannschaft klappen, wäre immer noch die Option, mit dem deutschen Nachwuchs bei der B-WM zu spielen, die zeitgleich im bulgarischen Sofia ausgetragen wird. „Für mich ist es das Wichtigste, mich mit den besten Jungs in ganz Europa zu messen“, deutet Rosic allerdings an, wo seine Prioritäten liegen würden, sollte er die Wahl haben.

Rosic will sich mit den Besten messen

Sich mit den Besten messen: Das will er schon, seit er denken kann. Denn Basketball bestimmt das Leben im Hause Rosic. Vater Ivan („Logisch wäre aus meiner Sicht, er würde sich für die deutsche Nationalmannschaft entscheiden, aber er muss sich wohl fühlen.“), aktuell Trainer der TuS 59 HammStars, die in der 1. Regionalliga spielen, hat den Filius von Beginn an mit in die Hallen genommen.

„Ich war immer dabei, schon als Baby, bin mit Basketball aufgewachsen“, sagt Marko Rosic. „Mein erstes Wort war Ball. Und den ersten Korb habe ich mit vier oder fünf geworfen. Da war die Freude groß – ein bisschen kann ich mich sogar noch daran erinnern.“

Dass er bis heute stets der kleinste in seinen Teams gewesen ist, hat ihn nie gestört. „Es gibt immer wieder Leute die sagen, dass ich zu klein bin – auch bei der deutschen Nationalmannschaft war das so“, sagt Rosic, der aktuell 1,75 m misst, selbstbewusst. „Aber ich habe bewiesen, dass ich ein guter Spieler bin. Meine Stärken liegen in meiner Schnelligkeit, dem Überblick und den passing skills.“

Über diese Stärken will er es eines Tages in die EuroLeague schaffen. „Das ist mein größtes Ziel“, betont er. „Die NBA ist für mich nicht so interessant. Ich finde, der europäische Basketball liegt mir besser, da wird mehr Teambasketball gespielt, während die NBA athletischer ist.“

Die Einladung zum serbischen U16-Lehrgang war eine Erfahrung, die Marko Rosic niemand mehr nehmen kann. „Ich bin dankbar, dass ich das mitmachen konnte. So eine Chance bekommt nicht jeder“, sagt er. „Und ich denke, ich hab sie ganz gut genutzt.“

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