Radsport

Marius Prünte will auf dem Lausitzring der schnellste Deutsche werden

Marius Prünte beim Training: Auch auf dem Lausitzring wird er im Windschatten eines Autos unterwegs sein, um den deutschen Rekord von 154,5 km/h in Angriff zu nehmen.
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Marius Prünte beim Training: Auch auf dem Lausitzring wird er im Windschatten eines Autos unterwegs sein, um den deutschen Rekord von 154,5 km/h in Angriff zu nehmen.

Normalerweise drehen auf dem großen Oval am Lausitzring PS-starke Sportwagen ihre Runden. Am Donnerstag ist aber Marius Prünte auf dem Fahrrad zu Gast.

Hamm - Die großen Autofirmen nutzen die Rundstrecke gerne, um ihre neusten Entwicklungen zu testen und auszuloten, wie schnell sie sind oder wie gut sie beschleunigen. Am Donnerstag wird sich auch Marius Prünte auf die Anlage im südlichen Teil der Niederlausitz im Ortsteil Klettwitz begeben und versuchen, einen neuen Rekord aufzustellen. Doch der 31 Jahre alte Hammer sitzt dabei auf seinem Fahrrad, setzt auf nichts anderes als pure Muskelkraft und will auf dem Hochgeschwindigkeitsoval die deutsche Bestmarke von 154,5 km/h überbieten. „Ich hoffe, dass danach der schnellste Radfahrer Deutschlands aus Hamm kommt”, sagt Prünte, der als Feuerwehrmann arbeitet und Inhaber des Fahrradgeschäfts Maprue am Langewanneweg ist.

Eigentlich hatte Prünte für dieses Jahr ganz andere Pläne. Er hatte von langer Hand geplant, den bestehenden Weltrekord der US-Amerikanerin Denise Mueller-Korenek von 296 km/h zu brechen und als erster Mensch der Welt über 300 km/h zu fahren (der WA berichtete mehrfach). Doch die Corona-Pandemie machte diesem Unterfangen einen dicken Strich durch die Rechnung. „Das Kernproblem war, dass wir wegen Covid-19 nicht in die USA einreisen konnten”, erklärt der Hammer, der daher sein Vorhaben änderte und sich dazu entschied, erst einmal den deutschen Rekord zu knacken.

Unterstützung durch die Dekra

Doch auch dies ist nicht so einfach zu bewerkstelligen. Denn Prünte benötigt dafür eine entsprechende Strecke. In den USA hatte er den Bonneville Salt Flats State Park in Utah mit dem Bonneville-Speedway-Gelände auserkoren, das aufgrund seiner Ebenheit und Länge oft für Weltrekordversuche und Geschwindigkeitsrekorde von Fahrzeugen aller Art genutzt wird. In Deutschland gibt es eine ähnliche Bahn nicht. „Wir haben dann in Deutschland geschaut, wo wir etwas für uns Passendes finden”, erklärt Prünte. Der Haken an der Sache: Meist rufen die Besitzer der Rennstrecken Preise von 20 000 bis 25 000 Euro für eine achtstündige Miete auf. Doch die Sachverständigenorganisation Dekra, seit 2017 Besitzer des Lausitzrings, war auf die verrückte Idee von Prünte aufmerksam geworden und nahm mit ihm Kontakt auf. „Die Dekra war von dem Projekt angetan und stellt uns nun die Strecke für den Tag zur Verfügung. Ansonsten wäre das für uns kaum zu stemmen gewesen”, freut sich der Hammer über die Unterstützung. Außerdem muss die Strecke über eine lange Gerade verfügen, auf der Prünte sein Rad auf die enorme Geschwindigkeit beschleunigt. Das fast fünf Kilometer lange Oval in der Lausitz verfügt darüber, die beiden Geraden sind jeweils mehr als zwei Kilometer lang

Marius Prünte will auf dem Lausitzring den deutschen Rekord knacken.

Am Mittwoch macht sich Prünte auf den Weg Richtung Ostdeutschland und wird am Donnerstag ab 8 Uhr zuerst einige Zeitungs- und Fernshinterviews geben, anschließend ein paar Testfahrten absolvieren, ehe er den Rekord ins Visier nimmt. „Ich will mich zuerst mit der Bahn ein wenig vertraut machen und natürlich auch schauen, wie meine Form ist”, sagt Prünte, der in den vergangenen Wochen extra ein Trainingslager bestritten hat, um für seinen Rekordversuch topfit zu sein.

Prünte sitzt auf einem umgebauten Tandem

Er wird dabei auf einem umgebauten Tandem sitzen, das über die entsprechende Übersetzung verfügt, so dass er eine Geschwindkeit von über 150 km/h fahren kann. Beim Rekordversuch in den USA, den er auf das kommende Jahr verschoben hat, wird er dann auf ein extra angefertigtes Spezialrad zurückgreifen. Dieses ist momentan aber noch nicht gefertigt. Und auch eine besondere Schutzausrüstung wird er auf dem Lausitzring nicht tragen. „Ich werde wohl normale Radrennkleidung anziehen. Ich hatte mal überlegt, auf Ledersachen zurückzugreifen, wie sie Motorradfahrer haben. Aber da ist die Bewegung zu sehr eingeschränkt”, erklärt er und betont, dass dies für ihn aber überhaupt kein Problem ist und er sich auch keine Gedanken darüber macht, was passieren würde, wenn er stürzt: „Davor habe ich überhaupt keine Angst. Denn wenn ich was kann, dann ist das Fahrradfahren.”

Das einzige Hilfsmittel, dessen er sich bedient, wird ein Auto sein, das am Heck einen Aufbau hat, so dass er im Windschatten fahren, dadurch vor Böen geschützt wird und Kräfte sparen kann. Für seinen Versuch, den deutschen Rekord zu brechen, steht ihm dabei ein VW-Caddy zur Verfügung.

Für sein Unterfangen, im kommenden Jahr, die Marke von 300 km/h zu knacken, benötigt er noch einen speziellen Sportwagen mit entsprechend viel PS. „Ich hoffe jetzt erst einmal, dass am Donnerstag alles funktioniert”, sagt er.

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