Radsport

Marius Prünte startet mit 100 km/h in das Projekt Weltrekord

Auf der Radrennbahn in Bielefeld absolvierte Marius Prünte hinter einer Dernymaschine das erste Training.
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Auf der Radrennbahn in Bielefeld absolvierte Marius Prünte hinter einer Dernymaschine das erste Training.

Marius Prünte hat Großes vor. Er will im kommenden Jahr am 15. August 2021 der schnellste Radrennfahrer der Welt werden und den bestehenden Weltrekord der US-Amerikanerin Denise Mueller-Korenk von 296 km/h brechen.

Bielefeld - Doch der Auftakt zu dem verrückten Unternehmen verlief am Dienstagabend erst einmal alles andere als nach Wunsch für den 30 Jahre alten Hammer. „Das war zu Beginn Stress pur“, sagte Prünte.

Denn der zweimalige Olympiasieger der Feuerwehrmänner von 2018 im Zeit- und Mountainbike-Fahren war auf der Anreise nach Bielefeld, wo er eine erste Trainingsfahrt absolvieren wollte, auf der Autobahn liegen geblieben. Gerade erst war er in Rhynern auf die A2 eingebogen, da machte sein Gefährt in Uentrop bereits schlapp. Die Folge: Er rief ein Abschleppunternehmen an, musste nach Bielefeld gebracht werden und kam erst mit Verspätung auf der alt-ehrwürdigen Radrennbahn in Ostwestfalen an, wo es dann direkt auf die Piste ging. Dort war Andre Dippel, sein Schrittmacher für diese Stehertrainingseinheit, bereits fertig und wartete auf den Hammer, der in Bielefeld gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte.

Zum einen machte er Werbung für seinen Weltrekordversuch und möchte in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für sein Unterfangen mit dem Namen „worldRECORD 300+“ erhalten. „Ich will das Produkt breiter aufstellen und habe in Bielefeld gezeigt, was ich vorhabe“, erklärte er. Zum anderen will er sich auch langsam an die hohe Geschwindigkeit, die für die Bestmarke vonnöten ist, herantasten. Normalerweise ist er im Sprint mit maximal 70 km/h unterwegs, hinter dem Windschatten gebenden Motorradfahrer erreichte Prünte in Bielefeld 100 km/h. „Das war schon recht schnell und ein anderes Gefühl als sonst“, betonte er. „Mit 100 Stundenkilometern fliegt alles viel schneller an einem vorbei.“

Vor 150 Zuschauern durch das Oval

Dennoch fühlte er sich bei diesem Tempo wohl, genoss es, vor rund 150 Zuschauern durch das Oval zu flitzen. Noch nicht einmal die holprige Bahn störte ihn dabei. Sein Schrittmacher hatte da schon mehr Probleme. Er hatte nämlich, weil es so wackelte, Schwierigkeiten, die Geschwindigkeit exakt auf dem kleinen Tacho vor ihm abzulesen. Am Ende aber signalisierte er Prünte trotzdem, dass sie die 100-km/h-Marke erreicht hatten. „Ich habe mich sicher gefühlt, das war alles okay“, sagte Prünte, als er wenig später wieder von seinem Rad stieg.

Dabei hatte er noch nicht einmal das Spezial-Fahrrad benutzt, mit dem er im nächsten Jahr auf dem Bonneville-Salzsee in Utah den Weltrekord knacken will. Das ist nämlich noch nicht konstruiert. Vielmehr griff er auf ein übliches Steherrad mit einem kleinen 24-Zoll-Vorderrad und einer zurückgebogenen Gabel zurück, um damit besser Kontakt zu der kleinen Rolle hinter der Dernymaschine zu haben. Zudem benutzte er ein Kettenblatt mit 65 Zähnen und hatte keine Gangschaltung.

"Ich wusste, was ich da tue"

„Da braucht man schon eine Menge Kraft, um das Rad am Anfang in Schwung zu bringen. Aber wenn man dann irgendwann im Tritt ist, dann fliegt man nur so um die Bahn. Ich habe schon gemerkt, dass die Zuschauer schneller an mir vorbeifliegen als sonst. Aber ich wusste schon, was ich da tue“, schwärmte der Hammer, der schon an den Deutschen Meisterschaften der Steher teilgenommen hatte und sich daher mit dem Fahren hinter einem Motorrad bestens auskannte.

Der nächste Schritt auf seinem Weg zum Weltrekord wird dann aber auch für Prünte Neuland sein. Noch in diesem Jahr will er auf einem Flugplatz hinter einem Auto herfahren und dann mit 120 bis 150 km/h unterwegs sein. Weitere Strecken mit verschiedenen Fahrzeugen sollen noch folgen, um sich mehr und mehr an das enorme Tempo zu gewöhnen. Demnächst wird sein Spezialfahrrad fertig sein, „dann geht es unter Wettbewerbsbedingungen auf echt schnelle Strecken“, erklärt der Hammer, auf den bis August des kommenden Jahres noch zahlreiche Herausforderungen warten, ehe er dann auf dem Salzsee hinter einem Dragster die magische Marke von 300 km/h knacken will.

In den nächsten Tagen muss er aber erst einmal sein motorisiertes Gefährt wieder reparieren, damit er zur nächsten Trainingsfahrt nicht wieder zu spät kommt.

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