Testfahrt auf dem Weg zum Weltrekord:

Schrecksekunde für Marius Prünte - bei Tempo 110 bricht die Kettenführung

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Am Anfang lief noch alles reibungslos, als Marius Prünte hinter dem umgebauten VW Caddy in die Pedalen trat. Im dritten Durchgang hatte er dann viel Glück, dass er bei Tempo 110 nicht stürzte.

Dem Kameramann war der Schreck sichtlich in die Glieder gefahren. Als er aus dem umgebauten und nach hinten offenen VW-Caddy stieg, zitterten ihm heftigst die Beine. „Der war völlig fertig“, sagte Marius Prünte, der selbst völlig cool geblieben war...

Hamm – Dabei hätte es Prünte bei der dritten Testfahrt am Samstag auf dem Oval in Aldenhoven böse erwischen können. Der 30 Jahre alte Hammer, der im kommenden August auf dem Bonneville-Salzsee im US-amerikanischen Bundesstaat Utah der schnellste Radfahrer der Welt werden und den bestehenden Weltrekord der US-Amerikanerin Denise Mueller-Korenk von 296 km/h brechen will, hatte bei einer Geschwindigkeit von über 100 km/h nur mit viel Glück einen Sturz verhindert, nachdem ihm die Kettenführung vom Kettenblatt gebrochen war.

"Das war schon eine enge Kiste"

 „Das war schon eine enge Kiste und hätte schlimm ausgehen können. Denn wenn die Kette ins Laufrad geraten wäre oder das Hinterrad blockiert hätte, hätte ich mich wahrscheinlich überschlagen“, meinte Prünte. „Ich hatte da schon ein bisschen Glück. Und so etwas sollte nicht noch einmal passieren.“

Bedingungen eigentlich perfekt 

Dabei hatte der Tag auf der 2200 Meter langen KfZ-Teststrecke in der Nähe von Jülich optimal für den tempoverrückten Hammer begonnen. Die äußeren Bedingungen waren trotz des strammen Windes mit Sonnenschein und trockener Fahrbahn perfekt. Und auch die ersten beiden Durchgänge verliefen reibungslos. Zuerst hatte sich Prünte hinter dem Windschatten gebenden VW, der extra einen entsprechenden Aufbau verpasst bekommen hatte, mit rund 75 km/h an die unbekannte Bahn herangetastet. Denn dieses Mal trainierte er nicht wie Ende Juli in Bielefeld auf einer 333 Meter langen Bahnradstrecke mit Steilkurven, sondern auf einer viermal so langen Teststrecke für Autos.

120 bis 130 km/h sollten es werden

 „Auf den Radrennbahnen sind die Geraden zu kurz, um richtig Tempo aufzunehmen. Das ist auf einem so großen Oval wie in Aldenhoven anders“, erklärte Prünte, der auch bei seinem zweiten Testlauf problemlos in die Pedalen trat und fast an 100 km/h herankam. Für den dritten Durchgang hatte er sich dann vorgenommen, eine Geschwindigkeit von 120 bis 130 km/h zu erreichen. Doch das gesteckte Ziel erreichte er nicht, als bei Tempo 110 plötzlich die Kette riss und der Trainingstag früher beendet war als geplant.

Sturz dank langjähriger Erfahrung verhindert

 Letztlich verhindert er mit viel Glück, aber auch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Radprofi einen Sturz. „Ich wusste sofort, was hätte passieren können“, meinte er lapidar, nachdem das vor ihm fahrende Auto auf der Strecke gestoppt hatte und auch Prünte zum Halt gekommen war. Als großen Rückschlag für sein Projekt mit dem Namen „worldRECORD 300+“ sieht er die abgebrochene Testfahrt von Samstag allerdings nicht. „Das bringt mich nicht von meinem Vorhaben ab. Ich bin weiter sehr optimistisch und zuversichtlich, dass wir das Ding durchziehen und dass ich im August den Weltrekord knacken werden“, sagte er. 

Spezialrad wird weiter aufgebaut

Die kommenden Wochen, in denen er aufgrund von Feuchtigkeit und niedrigen Temperaturen wahrscheinlich keine weiteren Testfahrten bestreiten kann, will er nun nutzen, um sein Spezialrad weiter aufzubauen. Und wenn das dann im Frühjahr fertig ist, will er sich als nächstes der Marke von 200 km/h nähern – und hofft, dass ihn dann nicht erneut ein technischer Defekt aus dem Rhythmus bringt.

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