Frauenfußball

Maria Asnaimer ist Deutschlands zweitbeste Torjägerin

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Die Frau mit dem Torinstinkt: Maria Asnaimer kennt vor dem gegnerischen Gehäuse keine Gnade.

81 Treffer hat Maria Asnaimer in der vergangenen Saison für die Frauen-Fußball-Mannschaft der Hammer SpVg erzielt. Damit ist sie im Damenbereich laut einer Statistik von fussball.de Deutschlands zweitbeste Torjägerin.

Hamm - Wenn die gegnerischen Spielerinnen schon beim Warmlaufen auf Seiten der Hammer SpVg eine Spielerin mit einem Stirnband sehen, dann schwant ihnen meist nichts Gutes. Denn dieses Tuch, das sich Maria Asnaimer bei jeder Begegnung um den Kopf bindet, ist ihr Markenzeichen. „Früher habe ich das auch im Alltag getragen. Aber seit der Geburt meines Sohnes ziehe ich das nur noch beim Fußball über“, sagt die 24-Jährige, die in der vergangenen Saison Tore am Fließband erzielt hat und zum Schrecken der gegnerischen Abwehrspielerinnen geworden ist.

81 Treffer standen am Ende zu Buche – und das in lediglich 20 Partien, die Asnaimer für die HSV bestritten hat. Zwar sind in der offiziellen Tabelle 30 absolvierte Partien aufgelistet, aber einige Male sind die Gegnerinnen nicht angetreten. Oder Asnaimer war im Urlaub in Spanien mit ihrem Mann und Sohn – so wie in der Partie gegen den FC Overberge, als die Hammerinnen, die am Ende mit 87 Punkten den Wiederaufstieg in die Bezirksliga schafften, die einzige Saison-Niederlage kassierten.

Im Alter von zwei Jahren waren Asnaimers Eltern mit ihren Kindern von Kasachstan nach Hamm gekommen. Und schon in jungen Jahren entdeckte die kleine Maria ihre Liebe zum Ball und verbrachte fast jede freie Minute auf der Freifläche im Klosterdrubbel, wo ihre Eltern eine Wohnung für die Großfamilie mit insgesamt neun Kindern gefunden hatten. „Ich habe immer draußen gespielt. Ein Verein hat mich lange Zeit nicht interessiert. Die Straße, ein Ball und ich, das reichte mir“, sagt sie. Über ihre Nachbarin Janice Schütterow fand sie vor acht Jahren dann aber doch den Weg zu einem Klub und landete zur Spielzeit 2011/12 bei der Hammer SpVg, wo sie schnell zu einer wichtigen Stütze der ersten Frauen-Mannschaft wurde.

Gleich der Aufstieg

Anfangs kam sie als Rechtsaußen zum Einsatz, ehe sie ins Zentrum rückte und als Mittelstürmerin für Furore sorgte. Gleich in ihrem ersten Jahr schaffte die HSV durch einen 3:2-Sieg im entscheidenden Spiel über Holzwickede den Aufstieg in die Bezirksliga, wo das Team bis zur vergangenen Saison auch um Punkte kämpfte. Doch durch den Zwangsabstieg, weil in Katja Elsen eine Spielerin in der Hinrunde unter falschem Namen aufgelaufen war, ging es im vergangenen Sommer zurück in die Kreisliga. „Das war aber weniger eine Strafe für uns, sondern angesichts unserer Kantersiege eher für die gegnerischen Mannschaften“, sagt Asnaimer und verweist darauf, dass die HSV am Ende 29 Siege in 30 Begegnungen eingefahren, ein Torkonto von 199:12 vorzuweisen und für viel Frust bei den Gegnerinnen gesorgt hatte.

Denn das Team der HSV war nach der Zurückstufung zusammengeblieben und hatte unter der Regie des neuen Trainers Jan Niklas Brillowski auf souveräne Weise die Rückkehr in die Bezirksliga geschafft. Und da hatte Asnaimer mit ihren 81 Treffern einen großen Anteil daran. Egal, ob per Kopf, mit links oder rechts, per Weitschuss oder Abstauber, per Freistoß oder Strafstoß – die Mittelstürmerin traf aus allen Lagen.

Angeborener Torinstinkt

„Ich denke, ich habe einen angeborenen Torinstinkt“, sagt sie. Allerdings konnte sie ihre eingebaute Treffergarantie nicht an jedem Wochenende ausleben. Manchmal hatten die generischen Teams schon im Vorfeld die Partie abgesagt, andere kamen nach der Pause angesichts des klaren Rückstands nicht mehr aus der Kabine. „Einmal hatten wir drei Wochen lang kein Spiel. Das ist total doof, wenn man Bock auf Fußball hat, aber nicht spielen kann. Das hat uns schon geärgert“, meint die Vollblut-Fußballerin. Sie hatte bereits in der Vorsaison in der Bezirksliga beachtliche 47 Treffer erzielt. in der Kreisliga-Spielzeit stellte sie beim 19:1-Sieg über den VfL Mark mit zehn Treffern ihren persönlichen Rekord auf.

Mehr Treffer als Asnaimer hat laut fussball.de übrigens lediglich Eileen Ansorge vom TSV Wipshausen erzielt. Allerdings tritt dieses Team in einer Runde an, bei der jede Mannschaft nur mit sieben Spielerinnen aufläuft. Im regulären Spielbetrieb bei elf gegen elf hat also die Hammerin deutschlandweit die beste Trefferquote geschafft. „Das ist schon cool und ein gutes Gefühl“, sagt sie, verweist aber gleichzeitig darauf, dass sie ihre beendruckende Bilanz ohne ihre Teamkolleginnen nie geschafft hätte: „Ohne eine gut funktionierende Mannschaft wäre es nicht möglich, so viele Tore zu schießen. Da kann ich mich nur bei meinen Mitspielerinnen bedanken.“

Seit acht Jahren ist sie der HSV und ihren Teamkolleginnen mittlerweile treu. Dabei hat es keineswegs an Anfragen von anderen Vereinen gemangelt. „In jeder Wechselperiode kamen Angebote, mir wurde sogar Geld geboten. Aber ich spiele Fußball für mich und meine Mannschaft. Und nicht für Geld“, stellt sie klar.

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