Verletzung zwang ihn zum Karriereende

Ehemaliger Welt- und Europameister "in der Findungsphase"

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Marcel Hassemeier vom Swim-Team hat bei den Masters-Schwimm-Weltmeisterschaften in Gwangju (Südkorea) Gold über 50 m Brust gewonnen.

Marcel Hassemeier war Welt- und Europameister, Weltrekordhalter, der erfolgreichste Athlet der World Games 2013 und wurde dort per Online-Voting zum „Athlet of the Year“ der Spiele gewählt. 

Hamm - Und dennoch ist Marcel Hassemeier vom Swim-Team im TuS 59 Hamm auf die Goldmedaille, die er bei der Masters-Schwimm-Weltmeisterschaft in Südkorea gewonnen hat, besonders stolz.

„Das hat einen hohen Stellenwert für mich. Ich bin da mit 28,88 Sekunden eine super Zeit geschwommen“, sagt der 29-Jährige und verrät, dass er es sehr genossen hat, als er bei den Titelkämpfen der Hobbyschwimmer in Gwangju als Erster anschlug und die Konkurrenz in Südostasien hinter sich gelassen hatte. 

Hassemeier: "Ist es das noch wert?"

Dabei kennt Marcel Hassemeier das Gefühl, ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen, nur zu gut. In seiner Zeit als DLRG-Rettungsschwimmer räumte er alles ab, was abzuräumen war. Aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck nahm er am 25. Oktober 2013 sogar zum zweiten Mal das Silberne Lorbeerblatt entgegen. Aber im Jahr 2014 beendete der damals für Schwerte startende Hassemeier bereits im Alter von 24 Jahren seine überaus beeindruckende Karriere als Rettungssportler. 

2012 hatte er sich nämlich bei einem Sturz in der Turnhalle beim Lauftraining sein linkes Handgelenk zertrümmert, musste viermal operiert werden – und seine Sportkarriere stand vor dem Aus. Doch Hasemeier kämpfte sich durch mühsame und disziplinierte Arbeit an die Weltspitze zurück. Das harte Training mit dem operierten Handgelenk zollte jedoch seinen Tribut. Auf Grund der hohen Trainingsbelastungen, war an ein Training ohne Schmerzmittel kaum noch zu denken, so dass er sich nach seinen Siegen und den errungenen Weltrekorden bei den World Games 2013 und bei der WM 2014 anschließend fragte: „Ist es das noch wert?“ 

Hassemeier nahm an den offen deutschen Meisterschaften teil

War es letztlich nicht. Hassemeier, der zuvor 14 Trainingseinheiten pro Woche absolviert hatte, hörte mit dem Leistungssport, bei dem er sich Jahr für Jahr mit den besten Rettungssportlern der ganzen Welt gemessen hatte, auf und hielt sich durch Krafttraining und gelegentliches Schwimmen fit. „Ich habe Sport für mich gemacht. Ich hatte nicht mehr den Drang, mich mit anderen zu messen“, sagt der 29-Jährige. 

Vor zwei Jahren wurde er dann aber von Marcel Karow, dem Trainer des Swim-Teams, gefragt, ob er die Hammer nicht bei den deutschen Mannschafts-Meisterschaften unterstützen wolle. Hassemeier, der in Kamen wohnt und in Hamm beim Jobcenter arbeitet, sagte zu und nahm zudem im vergangenen Jahr für das Swim-Team an den offenen deutschen Schwimm-Meisterschaften teil. 

Großes Lob von tuS-Trainer Marcel Karow

„Mit recht wenig Wassertraining habe ich über 50 m Brust Platz 19 belegt. Damit und vor allem mit der Zeit war ich sehr zufrieden“, erinnert er sich. Nach diesem Wettkampf entstand der Plan, dass sich Hassemeier ein Jahr lang unter der Regie von Karow auf die Masters-WM in Südkorea vorbereiten sollte. „Es macht Spaß, mit ihm zusammen zu arbeiten. Er ist über alle Maße ehrgeizig, fokussiert und weiß genau, was er macht, wenn er in das Becken steigt“, verrät Karow, dass ihm die Zusammenarbeit eine Menge Freude bereitet hatte – und auch noch immer macht. 

Hassemeier begab sich, nachdem er im Verlaufe der Saison die entsprechende Meldezeit unterboten hatte, im August zusammen mit seinem Schwimmkumpel Niklas Kunst auf den Weg nach Südkorea. Nach der Ankunft schauten sie sich zur Eingewöhnung zuerst die Millionen-Metropole Seoul an. Hassemeier: „Eine richtig coole Stadt mit ganz anderen Dimensionen, als man es von Deutschland her kennt, und vielen netten Menschen.“ 

Zwischen Schwimmen und Sightseeing

Anschließend ging es weiter nach Gwangju, wo kurz zuvor noch die Schwimm-Weltmeisterschaft der Profis stattgefunden hatte. „Die ganzen Anlangen waren stehen gelassen worden, damit wir dort unsere Wettkämpfe austragen können. Es gab alleine zwei 50-m-Becken nur zum Einschwimmen. Solche Bedingungen findet man nicht oft. Das war schon ein besonderes Feeling“, sagt der in Ennigerloh aufgewachsene Hassemeier. 

Aber er war nicht nur von den äußeren Rahmenbedingungen sichtlich beeindruckt, sondern auch von den vielen Schwimmern aus der ganzen Welt. „Es waren sogar über 90-Jährige am Start“, berichtet er. „Da denkt man dann schon nach, wie es mit der eigenen Schwimm-Karriere weiter gehen kann, wenn man sieht, dass andere bis in das hohe Alter bei solchen Wettkämpfen dabei sind und dann auch noch richtig gut abliefern.“ 

Hassemeier: "Ich bin in der Findungsphase"

Aber auch Hassemeier lieferte in Gwangju bei diesen Weltmeisterschaften der besten Amateure und Hobbyschwimmer stark ab. Über 50 m Freistil schwamm er zu Bronze, über 50 m Brust in 28,88 Sekunden gar zu Gold. „Man muss das aber realistisch einschätzen. Für einen Hobbysportler ist das ein Riesenerfolg. In der offenen Klasse hätte ich damit keine Chance gehabt. Bei den Deutschen Meisterschaften wäre ich damit auf Rang zehn gelandet“, sagt er – und fügt freudestrahlend hinzu: „Das war eine super Erfahrung, hat mir viel Spaß gemacht, und ich habe mein Saisonziel erreicht.“ 

Wie es mit ihm in Sachen Schwimmen weitergehen soll, hat er noch nicht entschieden. „Ich bin in der Findungsphase“, betont er, wobei er sich vorstellen kann, weiterhin über die Sprintdistanz ins Becken zu steigen. „50 Meter gehen ja eigentlich immer. Das kann man durch Krafttraining gut kompensieren.“ Das hat er in Gwangju eindrucksvoll beweisen.

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