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Marc Wohlrath ist der Kilometerfresser der SG Bockum-Hövel

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Von: Patrick Droste

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Nicht wegzudenken: Marc Wohlrath (Mitte), Mittelfeld-Routinier der SG Bockum-Hövel.
Nicht wegzudenken: Marc Wohlrath (Mitte), Mittelfeld-Routinier der SG Bockum-Hövel. © Reiner Mroß / Digitalfoto

„Besondere Fälle“ heißt die Serie, in der wir außergewöhnliche Spieler, verrückte Kicker, Stimmungskanonen, Kümmerer oder treue Seelen vorstellen, die in den Hammer Klubs auf und neben dem Platz wirken. Diesmal: Marc Wohlrath von der SG Bockum-Hövel.

Hamm - Es sind jedes Mal rund 100 Kilometer. 50 Kilometer für den Hinweg und natürlich 50 Kilometer für die Rückfahrt. Und das meist fünfmal in der Woche. Montags Training mit den Alten Herren, dann dreimal Training mit der Landesliga-Mannschaft. Und am Wochenende ein Spiel. Doch Marc Wohlrath nimmt dies seit 2013 nur zu gerne in Kauf, um weiter bei der SG Bockum-Hövel Fußball zu spielen – auch wenn er mittlerweile in Herne lebt und arbeitet. „An den Tankstellen lasse ich dadurch zwar viel Geld. Aber das ist mir die Sache wert. Ich mache das alles sehr gerne. Denn dadurch sehe ich meine Freunde. Und ich kann oft meine Eltern besuchen, die in Hamm leben“, sagt der 35-Jährige.

Der Verein aus dem Adolf-Brühl-Stadion ist nun mal sein Stammklub, in dem er mit dem Fußballspielen angefangen hat, in dem er viele langjährige Freunde hat, in dem er sich wohlfühlt und in dem er eine Führungsperson ist. Allerdings war er Bockum-Hövel nicht immer treu. In der Jugend zog es ihn vom damaligen SVA zuerst zum SCE Hamm, anschließend zur Hammer SpVg. Dort wollte ihn Trainer Mark Bördelling 2005 mit in den Kader der ersten Mannschaft nehmen, nachdem Wohlrath zu den Senioren aufrückte. Doch als wenig später Oswald Semlits als neuer Coach präsentiert wurde, sortierte dieser das junge Talent wieder aus. Der Mittelfeldspieler ging zurück nach Bockum-Hövel, zwei Jahre später heuerte er dann bei Westfalia Rhynern an. Unter Uwe Grauer avancierte er in der damaligen Verbandsliga zum Stammspieler, nach einem Mittelfußbruch in der Vorbereitung setzte Grauer-Nachfolger Frank Saborowski aber nicht mehr auf Wohlrath, der dann 2009 erneut zurück nach Bockum-Hövel ging – und seitdem dort eine nicht mehr wegzudenkende Größe ist.

„Marc wird immer besser“

„Andere bauen in seinem Alter ab. Aber Marc wird immer besser. Er bringt viel Qualität mit“, sagt sein Trainer David Schmidt, der jedes Mal erstaunt darüber ist, welchen Aufwand Wohlrath betreibt, um bloß keine Trainingseinheit zu verpassen. Selbst wenn er angeschlagen ist und nur leicht laufen kann, fährt er ins Adolf-Brühl-Stadion und dreht dort seine Runden, während gleichzeitig seine Teamkollegen ihr Training absolvieren. „Das ist schon faszinierend“, meint Schmidt.

Insgeheim hat Wohlrath auch schon mal darüber nachgedacht, ob er sich nicht vielleicht einen Verein in Herne suchen soll. So wie sein sechsjähriger Sohn, der gleich um die Ecke des neuen Eigenheims kickt. Aber bislang hat er die Gedankenspiele immer wieder schnell verworfen. „Um meine Karriere in der Kreisliga B ausklingen zu lassen, fühle ich mich noch zu fit. Und wenn ich in Herne höherklassig spielen würde, müsste ich mich erst wieder neu beweisen. Da bleibe ich lieber bei der SG, genieße dort ein, zwei Privilegien, was bei einem anderen Verein wahrscheinlich nicht so gehen würde, und sehe auch immer wieder meine Leute, die mir wichtig sind“, betont er.

Wohlrath vermisst mittlerweile einiges

Und dennoch vermisst Wohlrath, der sich im defensiven Mittelfeld am wohlsten fühlt, wo er seine läuferischen Fähigkeiten am besten einbringen und wo er das Spiel gut lenken kann, bei der SG mittlerweile einiges. Wobei dies weniger ein Problem von Bockum-Hövel als vielmehr ein allgemeines ist. „Die Hierachie in den Mannschaften ist flacher worden. Als ich aus der Jugend rauskam, habe ich wie selbstverständlich die Hütchen und die Bälle getragen und hatte Respekt vor den Platzhirschen“, sagt er. „Aber heutzutage fehlen diese Typen. Wir haben zwar auch viele gute Fußballer im Team, aber die treten anders auf als die Jungs von früher.“

So findet Wohlrath jedes Mal den Inhalt der Getränkekiste komisch, wenn diese nach einer Partie in die Kabine gebracht wird: „Ich muss mich da nicht betrinken. Aber früher war die Kiste voll mit Bier. Und wer eine Cola wollte, musste die gegen eine Flasche Bier tauschen. Jetzt ist die Kiste voll mit Cola, und man muss anders herum tauschen.“

Und auch der Zusammenhalt sei ein anderer als zu seinen Anfangszeiten. „Wir verstehen uns alle gut, keine Frage. Aber man geht nicht mehr so wie früher mit 15 Leuten in die Kneipe und feiert da“, erklärt er. Dafür sei aber die Einstellung seiner jungen Mannschaftskollegen eine bessere: „Jeder achtet heutzutage mehr auf seine Fitness.“

Sechs Paar neue Schuhe auf einmal

Wie lange er noch den hohen Aufwand betreiben und mehrmals in der Woche über die A2 aus dem Ruhrgebiet nach Bockum-Hövel fährt, weiß er noch nicht. „Meine Frau Simone würde sich freuen, wenn ich kürzer treten würde“, meint er. Aber noch verschwendet er keinen Gedanken daran. So hat er sich gerade erst wieder neue Fußballschuhe gekauft – gleich sechs Paar auf einmal. „Die waren im Angebot. Und außerdem braucht man ja welche für tiefen Rasen, trockenen Rasen oder Kunstrasen“, sagt Wohlrath, für den es nur einen Grund geben kann, warum er aufhören sollte: „Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr gebraucht zu werden, dann ist Schluss. Denn ich habe den Anspruch, dass ich immer spielen will. Ich gebe im Training auch nicht 50 Prozent und mache keine halben Sachen, sondern haue mich immer voll rein.“

Aber genau deswegen schätzt ihn David Schmidt auch so sehr und sieht ihn im zentralen Mittelfeld als feste Größe. „Marc geht ja auch zuhause schwimmen, er joggt und macht mit einer App Übungen. Er ist unheimlich fit und läuft den jungen Burschen bei uns weg“, sagt der SG-Coach, der auch schon eine Idee hat, wie er Wohlrath weiter an die SG binden kann, wenn dieser tatsächlich mal seine Karriere beenden sollte. „Man kann sich als Trainer bei Marc schon jetzt immer gute Tipps holen, er hat da immer einen tollen Blick drauf, was man anders oder besser machen kann. Er hat ein gutes Gespür, daher hoffe ich, dass wir ihn später mit ins Trainerteam nehmen können.“

Dann müsste Wohlrath aber noch einige Jahre länger mehrmals pro Woche zwischen Herne, wo er vor acht Jahren der Liebe wegen hingezogen war, und Bockum-Hövel, wo sein Lieblingsverein ist, pendeln.

Folge 1: Erol Akyüz (TSC Hamm)
Folge 2: Michael Schäfers (Westfalia Rhynern)
Folge 3: Marlies und Freddy Pickhinke (TuS Wiescherhöfen)
Folge 4: Manuel Kampmann (BV 09 Hamm)
Folge 5: Tristan Jänsch-Krüger (Hammer SpVg)
Folge 6: Michael Gawlik (SVF Herringen)
Folge 7: Marc Wohlrath (SG Bockum-Hövel)

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