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Manuel Kampmann: Immer beim Herzensverein

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Von: Patrick Droste

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Als zuverlässiger Torschütze war Manuel Kampmann (links) in der Kreisliga A bekannt, bis eine schwere Verletzung seine aktive Laufbahn jäh beendete.
Als zuverlässiger Torschütze war Manuel Kampmann (gelbes Trikot) in der Kreisliga A bekannt, bis eine schwere Verletzung seine aktive Laufbahn jäh beendete. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Er war die personifizierte Torgefahr vom Nordendamm: Über 20 Jahren schoss Manuel Kampmann Tore für den BV 09 Hamm, bis eine schwere Verletzung das jäh stoppte. Doch jetzt macht er dort einfach in anderer Position weiter, denn er kann nicht ohne seinen BVH und der Verein nicht ohne ihn.

Hamm – Es war im Sommer 2020 ein ganz normales Vorbereitungsspiel. So, wie sie vor einer neuen Saison zu tausenden in Deutschland immer wieder und überall ausgetragen werden. Doch für Manuel Kampmann, damals ein immens wichtiger Offensivspieler des Fußball-A-Kreisligisten BV 09 Hamm, bedeutete die Partie in Ahlen das Ende seiner Karriere. Denn er zog sich an diesem Tag einen Kreuzband- und Meniskusriss zu, wurde dreimal operiert und musste anschließend seine Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen.

„Mein Knie hält nicht mehr“, sagt der 34-Jährige – und fügt mit viel Frust in der Stimme hinzu: „Diese Verletzung hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe mehr als 20 Jahre lang Fußball gespielt. Und auf einmal kam man nicht mehr aus. Das war hart, zumal ich auch sechs Monate lang nicht arbeiten konnte.“

Vom Spieler zum Team-Manager

Doch der BV 09 kann nicht ohne seinen „Manu“. Und Kampmann kann auch nicht ohne seine Nordener. Daher ist das Urgestein der Schwarz-Gelben mittlerweile in einer anderen Funktion an den Verein gebunden, er fungiert als Team-Manager der ersten Mannschaft und verbringt daher weiterhin einen Großteil seiner Freizeit in der gewohnten Umgebung am Nordendamm.

„Dadurch, dass ich jahrelang in der Kreisliga gespielt habe, kenne ich natürlich viele Jungs, die was am Ball können. Daher ist es meine Aufgabe, neue Spieler zu uns zu holen. Und ich bin das Bindeglied zwischen den Jungs und dem Trainer“, erklärt Kampmann, der als Automobilkaufmann arbeitet. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er liebend gerne noch weiter selbst auf als neben dem Platz aktiv wäre,

Seit 1996 im Verein, trotz vieler Angebote

1996 hatte er sich beim BV 09 angemeldet, durchlief alle Jugendteams und schaffte auf Anhieb den Sprung in die erste Mannschaft. „Ich erinnere mich noch gut an ein Spiel in meinem ersten Seniorenjahr, als wir damals gegen IG Bönen mit 11:0 gewonnen haben und ich sechs Treffer erzielt habe“, sagt er. Seine Spielstärke und Torgefährlichkeit hatten sich damals schnell in der Hammer Fußballszene herumgesprochen, so dass er jedes Jahr Angebote anderer Vereine erhielt. Doch Kampmann sagte jedes Mal ab und hielt seinem Jugendverein die Treue.

„Meine Mitspieler, der Vorstand und unser damaliger Trainer Heinz Schroth haben mich immer wieder überzeugt und mir vor Augen geführt, dass hier beim BVH die Nummer eins und bei einem anderen Verein nur einer von vielen wäre. Das hat sich auch jedes Mal für mich gut angefühlt. Aber im Nachhinein ärgert es mich doch, dass ich mit 24 oder 25 nicht doch mal woanders und höherklassig gespielt habe“, sagt er. „Aber ich hatte da nun mal meine Freunde, habe im Hammer Norden gewohnt und brauchte mit dem Fahrrad nur fünf Minuten von zuhause bis zum Platz. Der BV 09 ist nun mal mein Herzensverein.“

Sezer holt Kampmann zurück in die Erste

Und so wurde Kampmann im Laufe der Jahre eine nicht mehr wegzudenkenden Größe im Team der 09er, war ein wichtiger Leistungsträger und gefürchteter Torschütze. Mit 29 Jahren wurde seine Lust aber ein bisschen weniger, so dass er mit ein paar Freunden die vierte Mannschaft gründete und mit diesem Team zuerst Meister in der Kreisliga D und anschließend in der Kreisliga C wurde. Selbstverständlich wurde Kampmann in diesen beiden Spielzeiten auch jedes Mal Torschützenkönig.

Als dann Orhan Sezer, mit dem Kampmann früher zusammen beim BV 09 in der ersten Mannschaft gespielt hatte, 2019 den Trainerposten bei den Nordenern übernahm, ließ sich der Routinier schnell überzeugen, auch wieder im A-Liga-Team aufzulaufen.

Frau Sandy und Sohn Lio helfen während der langen Verletzungszeit

Doch die Verletzung in Ahlen beendete von einem Moment auf den anderen alle Pläne. „Das tut schon weh. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich noch zwei, drei Jahre spielen kann. Aber es geht nicht. Es blutet mir jedes Mal das Herz, wenn die ich Jungs auf dem Platz herumlaufen sehe“, gibt Kampmann zu, der vorher nie besonders schwer verletzt gewesen war.

„Ich hatte mal einen Bänderriss, wo ich fünf Wochen pausieren musste. Aber nie so etwas Schlimmes. Ich war echt froh, dass mir meine Frau Sandy und unser zwei Jahre alter Sohn Lio in dieser Zeit, wo ich wirklich nichts machen konnte, viel Halt gegeben und mich in dieser Phase unterstützt haben.“

Selbst seine Gedankenspiele, später bei den Alten Herren noch ein wenig locker zu kicken, musste er zu den Akten legen. Dabei hatte er in dieser Altersklasse bereits eine deutliche Duftmarke hinterlassen. Denn als der BV 09 im Sommer 2020 den AH-Kreispokal gewonnen hatte, wirkte auch Kampmann in zwei Partien mit und erzielte dabei gleich sechs Tore. „Es ist natürlich immer noch ein Ziel, dass ich mich später mal ein bisschen bei den Alten Herren fithalten kann. Denn ganz ohne Fußball will ich auch nicht“, sagt er. „Zumindest einmal will ich noch auflaufen – und wenn es dann mein Abschiedsspiel ist, dann ist das auch okay.“

Besondere Fälle

„Besondere Fälle“ heißt die neue Serie, in der wir außergewöhnliche Spieler, verrückte Kicker, Stimmungskanonen, Kümmerer oder treue Seelen vorstellen, die in den Hammer Klubs auf und neben dem Platz wirken.

Folge 1: Erol Akyüz (TSC Hamm)

Folge 2: Michael Schäfers (Westfalia Rhynern)

Folge 3: Marlies und Freddy Pickhinke (TuS Wiescherhöfen)

Folge 4: Manuel Kampmann (BV 09 Hamm)

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