Fußball

E-Mail von der Bundestrainerin: Sjoeke Nüsken und die Nationalmannschaft

Das Trikot der U20-Nationalmannschaft trug Sjoeke Nüsken bereits.
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Das Trikot der U20-Nationalmannschaft trug Sjoeke Nüsken bereits.

Sjoeke Nüsken hofft in den Spielen gegen die Niederlande und Belgien auf ihren ersten Länderspieleinsatz in der A-Nationalmannschaft. Von der Berufung erfuhr sie per E-Mail.

Die erfreuliche Nachricht hatte Sjoeke Nüsken auf ihrem Instagram-Account gepostet: Kader stand in der linken Ecke in Versalien auf dem rot unterlegten Eintrag zu lesen. In der rechten prangte das Emblem des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Und darüber, unter der Rubrik Mittelfeld/Angriff und eingebettet zwischen so schillernden Namen des Frauenfußballs wie Dzsenifer Maroszan und Alexandra Popp: ihr Name.

Erstmals seit dem Lehrgang im Januar 2019 ist die Hammerin von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in den A-Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen berufen worden. Und die Nachricht kam für die 20-Jährige, die seit Sommer 2020 das Trikot von Bundesligist Eintracht Frankfurt trägt, ziemlich überraschend. „Ich habe damit gar nicht gerechnet. Wir haben in den vergangenen Wochen ja nur Testspiele gehabt, und das erste Meisterschaftsspiel gegen Duisburg am Sonntag ist aufgrund der Witterung ausgefallen“, sagt die Mittelfeldspielerin. „Dann hat mir unser Trainer Niko Arnautis am Dienstag vor dem Krafttraining gesagt, dass ich im Laufe des Tages eine E-Mail von der Bundestrainerin bekommen würde. Umso mehr freut man sich dann natürlich.“

Seit dem Lehrgang 2019 stand Nüsken auf Abruf im erweiterten DFB-Kader. Eingeladen wurde sie aber nicht mehr. „Die Bundestrainerin hat mich damals öfter zur Seite genommen und mir gesagt, woran ich noch arbeiten muss“, erinnert sich die Nüsken. „Später hat sie immer mal wieder Spiele von uns live gesehen und mir danach ein Feedback gegeben.“

26 Spielerinnen im Kader

Körperlich, so Voss-Tecklenburg, müsse das Mittelfeldtalent zulegen, damit sie sich in Zweikämpfen besser durchsetzen kann. So, wie sie es in allen DFB-Juniorenteams getan hat, in die sie seit der U14 regelmäßig berufen worden ist.

Jetzt hofft sie auf ihre ersten Einsatzminuten für die A-Nationalmannschaft in den Partien gegen Belgien (21. Februar/Aachen) und die Niederlande (24. Februar/Venlo). Die beiden Länderspiele finden im Rahmen der gemeinsamen Bewerbung für die WM 2027 statt.

26 Spielerinnen hat Voss-Tecklenburg ab Montag zu dem zehntägigen Lehrgang nach Düsseldorf eingeladen – inklusive Nüsken vier aus Frankfurt. Auf fünf Spielerinnen, die in England und Frankreich unter Vertrag stehen und zum Kern des Nationalkaders gehören, hat sie unter Berücksichtigung der Corona-Situation dagegen schweren Herzens verzichtet.

„Nicht alle werden in den beiden Spielen zum Einsatz kommen können“, stellte die Bundestrainerin im Vorfeld des Lehrgangs klar. Viel wichtiger sei es, den Jüngeren Konzepte und Spielphilosophie des Nationalteams nahezubringen. Nüsken will ihre Chance in den Trainingseinheiten dennoch nutzen: „Ich möchte möglichst viel Erfahrung und Eindrücke sammeln und mich bestmöglich präsentieren“, ist sie gespannt auf die Zeit im Kreis des DFB-Teams. „Und vielleicht bekomme ich ein paar Spielzeiten.“

Die Position spielt keine Rolle

Auf welcher Position die Hammerin zum Zug kommen könnte, falls ihre Rückennummer auf dem Spielberichtsbogen auftaucht, ist der 20-Jährigen egal, die in der Jugend erst für die Hammer SpVg und dann bis zur A-Jugend bei Westfalia Rhynern stets mit Jungen gekickt hat. „Am liebsten im Zentrum“, sagt sie. „Aber die Konkurrenz ist da sehr groß. Und im Verein habe ich zuletzt auch auf Außen gespielt.“

Da lief es zuletzt vor der Winterpause mit der Eintracht nicht rund. „Wir haben die Saison relativ gut angefangen, waren lange ungeschlagen“, sagt Nüsken. „Aber dann haben wir viele Spiele knapp verloren und stehen jetzt auf dem sechsten Platz.“

Nach Düsseldorf wird sie ohne Wettkampfpraxis anreisen. Auch das Heimspiel am Freitag gegen die SGS Essen musste witterungsbedingt abgesagt werden.

Das Pokal-Halbfinale winkt

Dennoch ist Nüsken nach einer guten Wintervorbereitung zuversichtlich, mit der Eintracht noch den einen oder anderen Platz in der Tabelle zu klettern. Außerdem steht das Team im Pokal-Viertelfinale, wo es am 20. März (14 Uhr/Eurosport) beim Zweitligisten SG 99 Andernach antreten muss. „Die Chance, das Halbfinale zu erreichen, ist sehr gut“, glaubt Nüsken. „Und mittelfristig wollen wir dann mit dem Verein die Champions-League erreichen.“

Wenn Sjoeke Nüsken am Montag vom DFB-Shuttle-Service zum Lehrgang abgeholt wird, werden in ihrer Sporttasche auch ein paar Bücher stecken, die dafür sorgen, dass während der zehn Tage in Düsseldorf keine Langeweile aufkommt. Denn neben den täglichen Trainingseinheiten hat die Studentin des Bauingenieurwesens auch schulische Verpflichtungen. „Im Moment bin ich in der Prüfungsvorbereitung, weil ich während des Lehrgangs drei Klausuren schreiben muss“, erklärt sie. Neben Taktik und Technik auf dem Platz heißen ihre Themen am Schreibtisch dann „Siedlungs-Wirtschaft“, „Massiv-Baustoffe“ sowie „Baumanagement und Baubetrieb“. „Bei einer Klausur ist es so, dass wir gleichzeitig Training haben“, gibt es noch leichte organisatorische Probleme. „Aber ich versuche, das mit der Uni abzuklären, damit ich dann am Abend schreiben kann.“ Denn auf eine der Trainingseinheiten zu verzichten, ist keine Option für die Fußballerin. Schließlich hofft sie, dass nach dem Lehrgang der erste Länderspieleinsatz in ihrer Biografie stehen wird.

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