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Der Märkische Reiterverein stellt den Betrieb ein - das sind die Gründe

Der Märkische Reiterverein an der Fährstraße stellt am 31. August den Betrieb ein.
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Der Märkische Reiterverein an der Fährstraße stellt am 31. August den Betrieb ein.

Nach dem RV Caldenhof, dessen Auflösung 2015 beschlossen worden ist, hat ein weiterer Hammer Reitverein keine Zukunft mehr.

Hamm - Der Märkische RV stellt am 31. August seinen Betrieb endgültig ein – und das im Jahr des 100-jährigen Bestehens. „Es ist schon in den letzten Jahren nicht mehr so gut gelaufen. Und Corona hat’s nicht besser gemacht“, sagt Nicole Matyssek, 1. Vorsitzende des MRV.

„Die wirtschaftliche Lage zwingt uns einfach dazu, diesen Schritt zu gehen“, sagt Matyssek. Inzwischen hat Kassierer Frank Herber am Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag gestellt. Von der Dauer des Verfahrens hängt ab, wann die Mitgliederversammlung zur endgültigen Auflösung des Vereins stattfinden kann. Matyssek: „Ich hoffe, dass das zum Jahresende klappt, aber das liegt ja nicht mehr in unserer Hand.“

Sportlich war der Verein durchaus erfolgreich

Der Märkische RV war vor nicht allzu langer Zeit mit etwa 400 Mitgliedern gut aufgestellt – und mit einer starken Dressurreiterfraktion und erfolgreichen Springreitern wie Klaus Gräve auch sportlich erfolgreich. Auf der Anlage an der Fährstraße standen 38 Boxen für Einstaller zur Verfügung, der Ausbildungsbetrieb – zuletzt noch mit sechs Schulpferden – lief gut. Das Turnier an der Fährstraße war ein Highlight im Kalender der Reiterinnen und Reiter aus der Region, zumal der Verein auf besondere Weise gegen Diskriminierung und für Diversität geworben hat. Alle, die in den Prüfungen nicht platziert waren, bekamen eine rosa Schleife, statt der blauen für den vierten Platz wurden lila Schleifen ausgegeben. „Davon habe ich jetzt beim Aufräumen noch eine Kiste gefunden“, berichtet die Vorsitzende.

„Aber mit Einführung von neuen Schulformen oder durch den Ganztag gab es bereits weniger Unterrichtsanfrage“, spricht Matyssek über die Anfänge des Niedergangs. Es wurde finanziell eng und enger, beschleunigt auch durch den Wechsel von Einstallern in andere Ställe. In den vergangenen beiden Jahren richtete der Verein auch seine Turniere nicht mehr aus, die einen Gutteil des jährlichen Etats gedeckt haben. „Wir hatten ja die Baustelle an der Ahse vor der Tür, da gab es keine Parkmöglichkeiten mehr für Transporter und Hänger“, nennt die Vorsitzende den Grund. Schließlich verabschiedete sich Anfang des Jahres 2020 der frühere Pächter der Anlage, Dirk Kessel, nach Dortmund – und mit ihm weitere Reiter und Einstaller.

Corona und die Folgen

„Und dann kam Corona. Dreieinhalb Monate ohne Unterricht und die Kosten für die sechs Schulpferde sind ja weitergelaufen... Das war eine Katastrophe“, sagt Matyssek, die sich ausdrücklich bei allen Spendern bedankt, die versucht haben, den Betrieb aufrecht zu halten. Zum 31. Juli musste der Schulbetrieb aber eingestellt werden, ein wenige Tage zuvor angesetzter Dressurlehrgang für Fortgeschrittene war mangels Nachfrage abgesagt worden.

Zu allem Überfluss war der Verein Anfang April unverschuldet in die Schlagzeilen geraten. Über Nacht wurden zwei Stuten vergewaltigt. Veterinäre stellten eindeutige Spuren fest, Täter sind auch heute noch nicht ermittelt. „Das hat natürlich alle geschockt und viel Unruhe gebracht. Zwei, drei weitere Pferdebesitzer haben uns dann verlassen – aus Angst um ihre Tiere“, berichtet die Vorsitzende. „Ich bin seit 20 Jahren im Verein. Es sind mal Sättel gestohlen worden, aber so etwas ist noch nie passiert“, sagt Matyssek, die die Boxenvermietung auf der Anlage betrieben hat. Wie es mit dem Gelände, der Reithalle nebst Restauration und den Stallungen an der Fährstraße weitergeht, wird letztlich auch im Insolvenzverfahren eine Rolle spielen. Matyssek weiß immerhin bereits, wie es beruflich mit ihr weitergehen wird. „Ich habe zum 1. September eine Stelle als Reitlehrerin beim RV Welver bekommen“, sagt sie mit hörbarer Erleichterung.

Auch das Abschiedstreffen fällt wohl aus

Eigentlich sollte am 29. August noch ein Abschiedstreffen stattfinden – mit „grillen, lachen, weinen und ganz vielen tollen Erinnerungen“, wie es auf der Facebook-Seite des Vereins heißt. Aber nicht einmal das scheint noch zu klappen. Matyssek: „Wir werden den Abend wohl absagen. Bei der neuesten Corona-Entwicklung ist das unvernünftig und zu riskant.“

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