Projekt des Hammers (30) wird 2021 rund 100.000 Euro kosten

Mit über 300 km/h auf dem Fahrrad: Marius Prünte will verrückten Weltrekord

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Vor seinem Bus: Marius Prünte will sich seinen Kindheitstraum erfüllen und der schnellste Radfahrer der Welt werden.

Verrückt? Komplett irre? Völlig durchgeknallt? Für Außenstehende sicherlich. Für den Hammer Radrennfahrer Marius Prünte nicht. Er will sich einfach nur seinen Kindheitstraum erfüllen, der schnellste Radrennfahrer der Welt werden und den bestehenden Weltrekord von 296 km/h auf einem Fahrrad brechen.

Hamm – Wer beim Autofahren bei Tempo 130 oder 140 mal kurz die Hand aus dem Fenster hält, der weiß, was der Fahrtwind für Kräfte entwickeln kann. Der 30-Jährige wird sich aber noch mit deutlich heftigeren Naturgewalten auseinandersetzen müssen, wenn er sein Vorhaben in die Tat umsetzen will. 

Er möchte im kommenden Jahr den derzeit von der Amerikanerin Denise Mueller-Korenek gehaltenen Geschwindigkeitsrekord von 296 km/h auf einem Fahrrad brechen.

„Ich habe schon als Kind davon geträumt, der schnellste Radfahrer der Welt zu werden. Das will ich jetzt schaffen“, sagt der Hammer, der hauptberuflich als Brandmeister arbeitet und Inhaber des Fahrradladens Maprue am Langewanneweg ist.

Weltrekord-Traum auf dem Fahrrad: Linienbus gekauft

Zuletzt hatte Prünte allerdings weniger auf dem Rad gesessen. Vor 15 Monaten hatte er einen Arbeitsunfall erlitten und musste eine mehr als einjährige Zwangspause einlegen. In dieser Zeit hatte er viel Muße zum Nachdenken, erinnerte sich wieder an seinen Kindheitstraum und entschied: „Das wird mein neues Projekt. Ich will die Bestmarke knacken, über 300 km/h schnell sein und in das Guiness-Buch der Rekorde kommen.“ 

Weltrekordversuch von Marius Prünte

Dass Prünte kein Traumtänzer ist, sondern seinen Worten gerne Taten folgen lässt, hatte er unter anderem vor zwei Jahren bewiesen. Damals war er nach Südkorea zu den World Firefighter Games gereist und hatte sich bei den Olympischen Spielen der Feuerwehren auf dem Mountainbike und beim Einzelzeitfahren zwei Goldmedaillen gesichert. 

Und auch jetzt will er am Ende als strahlender Sieger dastehen. Die ersten Schritte für sein Unternehmen hat er bereits in Angriff genommen. So hat er einen ausrangierten Linienbus gekauft, den er gerade nach seinen Wünschen umbaut und für den TÜV fertig macht, damit er damit in den kommenden Wochen und Monaten auf Promotion-Tour für seinen Weltrekordversuch gehen kann.

Video: Marius Prünte wirbt um Sponsoren für sein Projekt

Denn das Projekt wird rund 100.000 Euro kosten – und diese Summe hofft er durch die Hilfe von Sponsoren und Unterstützern zu stemmen. „Ich werde zu zahlreichen Radveranstaltungen fahren und die Geschichte präsentieren“, sagt er. 

Weltrekord-Traum auf dem Fahrrad: Traum von Utah

Wenn er das nötige Geld zusammen hat, will er seinen Rekordversuch am liebsten im US-amerikanischen Staat Utah unternehmen. Dort in der Wüste liegt der Bonneville Salt Flats State Park mit dem Bonneville-Speedway-Gelände, das aufgrund seiner Ebenheit und Größe oft für Weltrekordversuche und Geschwindigkeitsrekorde von Fahrzeugen genutzt wird. 

Auch Mueller-Korenek radelte dort im September 2018 zu ihrem immer noch bestehenden Weltrekord. „Wir schauen aber auch in Deutschland oder Europa, ob wir hier eine abgesperrte Strecke finden können, auf der wir fahren können. Aber Utah steht auf der Liste an Nummer eins“, sagt Prünte, der sich durchaus im Klaren darüber ist, dass die wilde Fahrt einige Gefahren mit sich bringt. 

Am 16. September 2018 stellte Denise Mueller-Korenek auf einem Salzsee in Utah den aktuellen Weltrekord von 296 km/h auf, den der Hammer Marius Prünte im nächsten Jahr knacken möchte.

Doch er fühlt sich dafür gerüstet: „Man muss sein Fahrrad zu 100 Prozent beherrschen. Man muss viel Erfahrung mitbringen. Man muss hochkonzentriert sein. Und man darf die Geschwindigkeit nicht unterschätzen, wobei man vor ihr auch keine Angst haben darf.“ 

Damit Prünte mit seinem Rad das angepeilte Höchsttempo erreicht, muss allerdings ein wenig nachgeholfen werden. So benötigt er einen Sportwagen oder einen Dragster, wie ihn auch die US-Amerikanerin benutzt hat, um Windschatten zu bekommen. 

Hier rast Denise Mueller-Korenek zum 296 km/h-Weltrekord

„Wir brauchen also ein Auto, das über 300 Stundenkilometer fährt und das hinten einen entsprechenden Aufbau hat“, erklärt der Hammer. Zudem wird er es nicht schaffen, das Fahrrad aus eigener Kraft in Gang setzen zu können. 

Denn um später ähnlich schnell wie ein ICE unterwegs zu sein, benötigt Prünte ein Rad mit einer sogenannten Doppel-Übersetzung. „Der Gang wird also so hoch sein, dass ich den aus dem Stand heraus nicht treten kann“, erläutert er. Daher wird er von dem Sportwagen oder Dragster anfangs durch ein Seil mitgezogen.

Weltrekord-Traum auf dem Fahrrad: Ausklinken bei 100 km/h

Wenn er dann über 100 km/h schnell ist, klinkt er sich aus und muss sich anschließend ausschließlich auf seine Beine verlassen. „Die reine Muskelkraft wird das Rad dann auf die Geschwindigkeit bringen“, sagt Prünte.

Das Fahren im Windschutz mit hohem Tempo hinter einem motorisierten Fahrzeug ist für ihn dabei kein Neuland. Prünte ist bei Bahn-Veranstaltungen schon unzählige Male bei Derny- oder Steher-Rennen hinter einem Motorrad gefahren. 

Seine eigene Bestzeit liegt irgendwo zwischen 130 und 140 km/h. Die hat er mal vor einigen Jahren mit einem normalen Rennrad im Windschatten eines Mercedes-Sprinters auf einer extra abgesperrten Strecke geschafft. 

Weltrekord-Traum auf dem Fahrrad: "Es wird wehtun"

„Daher kenne ich das ein bisschen, wobei ich da auch noch schneller hätte fahren können, aber die Übersetzung meines Rades hat da aufgehört“, meint er, fügt aber auch angesichts der Tatsache, dass er mehr als doppelt so schnell unterwegs sein muss, ehrlich hinzu: „Das ist natürlich jetzt eine ganz andere Hausnummer. Wenn man stürzt, was ich natürlich nicht hoffe, dann wird es deutlich heftiger knallen. Es wird wehtun. Das ist allerdings nicht so schlimm, als wenn man mit 150 km/h gegen einen Baum fährt. Aber Bäume stehen in der Salzwüste glücklicherweise nicht. Daher finde ich die 300 km/h relativ ungefährlich.“ 

Zusammen mit seinen Helfern baut Marius Prünte in diesen Tagen seinen frisch erworbenen Linienbus für seine Zwecke um.

Bei seinem anvisierten Weltrekord wird er zum einen auf ein Spezialrad zurückgreifen, das nicht nur eine besonders große Übersetzung hat, sondern auch über einen extrem langen Radstand verfügen wird. „Das Rad, das auch noch besonders stabil sein muss, einen Lenker ähnlich wie ein Motorrad und extra breite Reifen haben wird, werde ich mit meinem Laden zusammen mit einer Fremdfirma herstellen“, verrät Prünte. 

Weltrekord-Traum auf dem Fahrrad: Erst in Form kommen

Zum anderen wird er nicht wie sonst üblich bei Radrennen ein dünnes Trikot und eine kurze Hose tragen, sondern einen Vollvisierhelm, eine Voll-Lederkombi, Motorradschuhe und einen Rückenprotektor überstreifen. 

Bevor er aber in Utah oder sonst wo in die Pedalen treten wird, muss Prünte nach seiner langen Verletzung erst einmal wieder in Form kommen. Daher will er in diesem Jahr möglichst viele Rennkilometer sammeln und zu alter Stärke zurückfinden. 

Außerdem will er mit seinem Bus in jeder freien Minute unterwegs sein und sein Projekt bekannt machen, um die nötigen Sponsoren zu finden. Denn das muss sich Prünte eingestehen: So sehr er diesen Weltrekord auch haben will, er ist dabei auf die Hilfe von Geldgebern und Unterstützern angewiesen. 

„Ich will das machen und werde das auch mit den entsprechenden Helfern machen. Aber ohne Förderer wird das leider nichts“, stellt er unmissverständlich klar.

Hintergrund: So schnell wie eine Boeing 747 vor dem Start

Eine Boeing 747 rast ebenfalls mit etwa 300 km/h über das Rollfeld, kurz bevor das Flugzeug den Boden verlässt. Doch Marius Prünte lässt sich weder von der unglaublichen Geschwindigkeit von seinem Vorhaben abbringen noch von der Tatsache, dass Neil Campell ähnliches plant wie der Hammer. 

Der Brite war im vergangenen Jahr mit seinem Spezialrad auf einem Flugplatz in England 280 km/h schnell gewesen und peilt an, in diesem Sommer die magische Marke von 300 Stundenkilometern zu knacken. „Das soll er ruhig machen. Ich plane sowieso, mindestens 320 km/h schnell zu sein“, gibt sich Prünte äußerst gelassen.

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