Nach dem Corona-Aus für den traditionsreichsten Hallen-Kick in Hamm:

Macher des Anton-Rehbein-Turniers vermissen Vorfreude und Vorbereitung

Volle Ränge und packender Fußball verspricht das Anton-Rehbein-Gedächtnisturnier seit 1978 - nur eben in diesem Jahr nicht
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Volle Ränge und packender Fußball verspricht das Anton-Rehbein-Turnier seit 1978 - nur eben in diesem Jahr nicht

Eigentlich wären sie jetzt mitten in den finalen Vorbereitungen, doch die Corona-Pandemie macht einen Strich durch die Rechnung. Zum ersten Mal nach 42 Jahren muss das Anton-Rehbein-Gedächtnisturnier des SVE Heessen, das traditionsreichste Fußball-Hallenturnier in Hamm, ausfallen.

Hamm – Eigentlich wären sie jetzt mitten in den finalen Vorbereitungen, würden sich um den Aufbau in der Halle kümmern und dann am zweiten Weihnachtstag früh am Morgen um fünf oder sechs Uhr aufstehen, und sich auf den Weg zur Sachsenhalle zu begeben. Doch die Corona-Pandemie macht alledem derzeit einen Strich durch die Rechnung – zum ersten Mal nach 42 Jahren muss das Anton-Rehbein-Gedächtnisturnier, das größte, publikumswirksamste und traditionsreichste Fußball-Hallenturnier in Hamm, ausfallen, und die vielen, fleißigen Helfer des SVE Heessen sind zur Untätigkeit verdammt. „Da ist schon eine Leere“, gibt Konstantin Rühl, Geschäftsführer des ausrichtenden SVE umunwunden zu. Und Christoph Krukenbaum, seit acht Jahren Hallensprecher und Turnierleiter, meint: „Wir sind alle megatraurig. Da fehlen uns zwischen den Feiertagen schon einige Emotionen.“

Dabei sei, so fügt Rühl hinzu, die Lust auf Fußball zwischen den Feiertagen immer besonders groß. „Die Sachsenhalle ist zwischen Weihnachten und Silvester immer der Ort, wo man sich trifft. Man sieht dort seine Freunde oder läuft Leuten über den Weg, die man lange nicht gesehen hat. Und jetzt wäre die Sehnsucht auf Fußball und Wiedersehen ja noch größer gewesen“, erinnert Rühl daran, dass die Fußball-Saison bereits seit Ende Oktober unterbrochen ist.

Weniger Geld für die Jugendabteilung

Für die Heessener bedeutet der Ausfall aber auch, dass ihnen eine Menge Geld durch die Lappen geht. Daraus macht der Heessener Geschäftsführer überhaupt kein Geheimnis. „Das sind immer starke Tage mit viel Umsatz“, stellt er klar. „Gerade unsere Jugendabteilung lebt davon. Es werden Kuchen von Eltern gespendet, und diese Einnahmen fehlen dann. Wir können das schon abfedern, aber natürlich hätten wir uns das anders gewünscht.“

Die Heessener Verantwortlichen können sich in den nächsten Tagen auch nicht damit trösten, dass sie durch den Ausfall des Turniers nicht jeden Tag in der Sachenhalle verbringen müssen, sondern mehr Zeit für sich haben. „Klar sind das jetzt Tage, die man mal zur freien Verfügung hat. Aber was will man denn aktuell machen? Corona lässt ja nicht viel zu“, meint Rühl.

Zweiter Weihnachtstag immer der erste Turniertag

Einziger Trost: Durch das frühzeitige Verbot von Hallenturnieren durch den Verband hatten die SVE-Verantwortlichen keinen allzu großen unnötigen Aufwand. „Wir hatten uns vor Corona im Februar und März mal zusammengesetzt und Pläne geschmiedet. Aber mehr Arbeit hatten wir nicht invesiert“, sagt Krukenbaum, der es dennoch mehr als schade findet, dass das Turnier erstmals in seiner langen Geschichte ausfallen muss: „Der zweite Weihnachtstag war für mich immer der erste Turniertag. Und danach wusste ich auch nie, welchen Wochentag wir haben, es ging immer nur um den ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Turniertag.“

Aber nicht nur die Heessener Verantwortlichen werden das Spektakel in der Sachsenhalle mit spannenden Spielen und vollbesetzten Rängen vermissen, auch die Trainer und Spieler werden leichte Entzugserscheinungen spüren. „Die Kulisse alleine ist schon überragend. Für so etwas spielt man doch Fußball“, sagt David Schmidt, Spielertrainer des Landesligisten SG Bockum-Hövel. Bereits als A-Jugendlicher war der mittlerweile 32-Jährige das erste Mal – damals noch im Trikot der gastgebenden Heessener – beim Anton-Rehbein-Turnier dabei. In den folgenden Jahren genoss er jeden Auftritt in der Sachsenhalle und nahm dafür sogar den einen oder anderen Disput mit seinen Trainern in Kauf. „Björn Mehnert hatte es damals, als ich in Rhynern gespielt habe, nicht so gerne gesehen, dass ich da mitwirken wollte. Aber es waren immer hitzige Duelle, immer Spiele mit besonderer Brisanz. Und dann ging es früher mit den alten Regeln noch ganz anders zur Sache. Ich habe solche Spiele einfach geliebt“, sagt Schmidt, dessen Begeistertung für dieses Turnier auch dadurch nicht geschmälert wird, dass er trotz zahlreicher Teilnahmen nicht einmal die Siegertrophäe in den Höhe stemmen durfte: „Für den großen Wurf hat es leider nie gereicht.“

Vor allem für die jungen Spieler findet es der SG-Coach schade, dass sie in diesem Jahr auf den Auftritt in der Sachsenhalle verzichten müssen: „Draußen erleben die Spieler doch nie so eine Atmosphäre. Und für sie ist es eine tolle Chance, sich vor einem so großen Publikum zu präsentieren.“

Super Abwechslung zwischen den Feiertagen

Auch wenn die Oberliga-Vertreter oftmals Akteure aus den eigenen Reserven am Turnier teilnehmen lassen, gibt es andererseits auch Spieler wie Rhynerns Stammverteidiger Tim Neumann, der seit vielen Jahren immer wieder aktiv mitkickte.

Dabei sieht Neumann besonders im bestehenden Teilnehmerfeld einen großen Reiz: „Es macht natürlich immer großen Spaß, wenn man den Großteil der Teams, der aktiven Spieler und der Zuschauer kennt. Zudem können Fähigkeiten von anderen Spielern aus dem Hammer Raum beobachtet werden. Aber auch für die jungen Spieler, die da eine Chance bekommen, sich zu beweisen, wird dabei eine große Plattform geboten.“

Dementsprechend enttäuscht zeigt sich der 27-Jährige über die Absage in diesem Jahr: „Es war gerade zwischen den Feiertagen eine super Abwechslung. Für ganz Hamm war es immer ein großen Highlight, das alle vermissen werden.“

Ähnlich wie Neumann sieht es auch Sven Pahnreck, Coach des A-Kreisligisten SVF Herringen, der diesen Wettbewerb schon in vielen unterschiedlichen Positionen miterlebt hat: „Daran ist direkt zu erkennen, welch unfassbare Tradition dieses Turnier hat. Ich habe mir das Turnier nämlich schon damals als Kind angeschaut, wirkte als aktiver Spieler auf dem Feld und zuletzt auch als Trainer an der Bande mit. Es ist immer die perfekte Gelegenheit gewesen, viele Freunde wiederzusehen und das Jahr Revue passieren zu lassen. So merkt man, wie sehr der Fußball allen fehlt.“

Besonderer Charme gerade für die Kreisligisten

Gerade für die Kreisligisten hat dieses Turnier vor einer derartigen Zuschauerkulisse besonderen Charme. So erinnert sich der Heessener Benedikt Vogel an einen Gänsehautmoment: „Gerade als Gastgeber hat der SVE immer viele Fans auf der Tribüne. Als ich als aktiver Spieler mit dem Team das erste Mal in das Halbfinale einziehen konnte, wurden wir minutenlang von den Rängen gefeiert. Das hat bewiesen, wie viel Freude und Spaß jeder einzelner Zuschauer an diesem Ereignis besitzt. Daher glaube ich, dass es nicht nur die Spieler sind, die dieses Highlight vermissen werden.“

Ähnlich sieht es auch Steven Degelmann. Der Trainer des Oberligisten Hammer SpVg war bei diesem Turnier schon als Spieler bei den Senioren und den Alten Herren dabei sowie bereits auch als Trainer des TuS Wiescherhöfen. „Durch den Lockdown hat man sich ja schon länger damit abgefunden, dass das Turnier ausfällt. Aber in den letzten Tagen war es schon immer mal wieder ein Thema. Denn man war es gewohnt, zwischen den Feiertagen in der Sachsenhalle zu sein. Ich denke, da wird mir in diesem Jahr schon der Austausch mit anderen Fußballern fehlen.“

Auch Erinnerungen von ehemaligen Rehbein-Teilnehmern, wie vom Heessen-Urgestein Kevin Messner, zeigen, mit welcher Bedeutung dieses Turnier in den Köpfen aller Beteiligten gefestigt bleibt: „Es gibt immer wieder viele Zuschauer, ligen-übergreifende Duelle und Hallenfußball mit Vollbande, der jeden Fehler bestraft. Ich erinnere mich an 2017, als wir mit Lohauserholz und Hammer SpVg zwei höherklassige Vereine bezwungen hatten. Gerade nachdem es in Heessen eine sportlich schwierige Zeit war, gab dieses Turnier einen Grund, wieder stolz auf diesen Club sein zu können.“

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