Rollhockey

Lucas Karschau will bei der EM in Portugal auch sportpolitisch Zeichen setzen

Als Aktivensprecher und Kapitän: Nationalspieler Lucas Karschau will bei der EM in Portugal im November auch sportpolitisch Zeichen setzen. 
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Als Aktivensprecher und Kapitän: Nationalspieler Lucas Karschau will bei der EM in Portugal im November auch sportpolitisch Zeichen setzen. 

Die deutsche Rollhockey-Nationalmannschaft startet doch bei der Europameisterschaft in Portugal. Lucas Karschau vom SK Germania Herringen freut sich drauf.

Hamm - Die Nachricht kam schon überraschend: Bis Ende September hieß es noch, dass die deutsche Rollhockey-Nationalmannschaft in diesem Jahr auf ihre Teilnahme an der Europameisterschaft in Portugal verzichten werde. Dann entschloss sich der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) zum Umdenken. Aufgrund der Drohszenarien des Weltverbands World Skate, der ankündigte, andere deutsche Sparten des Rollsports künftig international zu sperren, sollte keine deutsche Mannschaft am EM-Turnier teilnehmen, wollten die Offiziellen das Risiko nicht eingehen. Mitten drin im politischen Gezerre um Macht und Mitspracherechte sitzen die Sportler.

Mit Lucas Karschau, Liam Hages und Christoph Rindfleisch gehören drei Spieler des SK Germania Herringen zum erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft, die das EM-Turnier Mitte November nun bestreiten wird (WA berichtete). Torhüter Timo Tegethoff musste für das Turnier hingegen, wie viele weitere Spieler aus anderen Vereinen, absagen. Bereits am Sonntag findet in Wuppertal-Cronenberg der erste Lehrgang für die verbliebenen Akteure statt. Die hatten zunächst die Verbandsmeinung befürwortet, sind aber froh, dass sie nun nach Porto fliegen dürfen, wo in Paredes das Turnier ausgetragen wird.

Karschau ist auch Aktivensprecher

„Ich habe gar nicht lange überlegen müssen, als die Nachricht kam“, gibt Karschau zu, der nicht nur Kapitän des aktuellen DRIV-Teams ist, sondern auch Aktivensprecher. „Natürlich ist man hin- und hergerissen. Ich konnte nachvollziehen, warum der Verband ursprünglich nicht melden wollte, aufgrund der Problematik, dass die kleinen Verbände international kein Mitspracherecht besitzen und bei allen Entscheidungen übergangen werden. Daher hatten wir uns damals als Aktive zu einem Team-Meeting mit Spielern und dem ganzen Staff getroffen. Da wurde die ganze Problematik dargestellt. Wir haben zwar nicht abgestimmt, weil es sich um eine Verbandsentscheidung gehandelt hat, aber wir haben uns dafür ausgesprochen, das mitzutragen.“

Dass er innerlich dennoch einen kleinen Freudensprung gemacht hat, als der neue Beschluss öffentlich wurde, gibt Karschau gerne zu. Denn: „Als Spieler ist es das Größte, was du erreichen kannst, bei EM oder WM zu starten und dich mit den Besten zu messen. Deswegen habe ich mich dann schon gefreut, als es hieß, dass wir teilnehmen.“

Beim ersten Vorbereitungs-Lehrgang des Nationalkaders in Cronenberg am Sonntag werden aus Herringen nur Liam Hages und Christoph Rindfleisch teilnehmen. Karschau ist beruflich verhindert. Bei allen folgenden Einheiten wird der Kapitän dann aber dabei sein, um sich wie die anderen für den endgültigen Kader zu empfehlen. Denn von den aktuell 18 für die erweiterte Trainingsgruppe Nominierten werden am Ende nur acht Feldspieler und zwei Torhüter nach Porto fahren. Karschau dürfte gesetzt sein, auch wenn er sich zurückhaltend gibt. „Das weiß ich ja noch nicht. Nach Sonntag sind noch fünf weitere Einheiten angesetzt“, sagt er. „Aber ich denke, dass ich ganz gute Karten habe.“

Spielplan und Turniermodus sind noch unbekannt

Am 12. November wird das Team gen Portugal abreisen – was genau dort auf die Akteure wartet, wissen sie nicht: Welche Nationen letztlich teilnehmen, ist unklar. Der Spielplan ist noch nicht veröffentlicht, genauso wenig wie der Turniermodus. Nur der Zeitraum liegt vage zwischen Sonntag, 14., und Sonntag, 21. November. „Eigentlich würde ich jetzt gerne mal den Spielplan sehen“, sagt Karschau. „Denn wir müssen uns ja auch auf die Gegner vorbereiten.“

Sicher ist, dass das deutsche Team mit einer improvisierten Mannschaft auflaufen wird. Nicht jeder der Spieler hat seinen Urlaub vom ursprünglich geplanten und coronabedingt abgesagten Sommertermin auf den in den Herbst verlegten Zeitraum umplanen können. Zudem fehlen den Spielern aus den Amateur-Verbänden durch die pandemiebedingten Unterbrechungen des Meisterschaftsbetriebs Trainingseinheiten und Spielpraxis. „Aber ich sehe das nicht als Schwächung an“, sagt Karschau. „Wir spielen in der Nationalmannschaft ja schon jahrelang zusammen.“

Sein Ziel für das Turnier ist daher das gleiche wie sonst auch: „Wir wollen die Profis aus Portugal, Spanien, Italien oder auch Frankreich ärgern, so, wie wir es schon das eine oder andere Mal geschafft haben.“ Zudem würde die Mannschaft mit einem guten sportlichen Abschneiden auf der Platte auch ein sportpolitisches Zeichen in Richtung World Skate setzen: „Wir wollen uns gut präsentieren und zeigen, dass wir keine kleine Rollhockey-Nation sind“, betont Karschau. „Und dass es schade wäre, wenn Deutschland bei den großen Turnieren nicht dabei wäre.“

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