Leichtathletik

Linn Kleine hofft auf die Olympischen Jugendspiele

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Müller

Mit dem vierten Platz über 3000 Meter bei der U18-Europameisterschaft hat Linn Kleine ein Ausrufezeichen gesetzt. Jetzt winkt ihr ein Startplatz bei den Olympischen Jugendspielen.

Hamm - Während der Rückreise aus dem ungarischen Györ zurück in die Heimat hatte Linn Kleine viel Zeit, um das Geschehen rund um ihren vierten Platz im Rennen über 3000 Meter bei der U18-Europameisterschaft der Leichtathleten noch einmal Revue passieren zu lassen. 

Der geplante Flug von Wien zurück nach Düsseldorf war kurzfristig gecancelt worden, und nun musste die Hammerin den Umweg über München nehmen. „Kein Problem“, sagt die 17-Jährige. „Angeblich soll das nur eine halbe Stunde länger dauern.“

Sportlich geht es dagegen für die im Winter 2017 von der LG Hamm zu LG Olympia Dortmund gewechselte Läuferin immer schneller nach vorn. Beim Rennen in Ungarn unterbot sie ihre bisherige persönliche Bestmarke um fast zwölf Sekunden – dabei war eigentlich alles ganz anders gekommen, als sie es sich im Vorfeld ausgerechnet hatte.

„Ich bin davon ausgegangen, dass es sehr warm werden würde“, sagt Kleine. „Dann hat es kurz vor dem Rennen auf einmal angefangen zu schütten, und es herrschten plötzlich völlig andere Bedingungen als ich sie erwartet hatte. Das war viel schwieriger für mich, weil die Bahn ja auch komplett nass und rutschig war. Das war das einzige Mal in der ganzen Woche, in der wir in Ungarn waren, wo wir schlechtes Wetter hatten.“

Natürlich herrschten auch für ihre Konkurrentinnen die selben Bedingungen. In einer Hitzeschlacht hatte sich die Hammerin aber schon mehr ausgerechnet. Vor dem Rennen. Denn nachher war alles irgendwie anders. „Ich habe schon mit den Top acht geliebäugelt – aber, dass es so weit nach vorne gehen würde, hätte ich nicht geglaubt.“

"Erstmal auf die Bahn bringen"

Doch Kleine lief ein beherztes Rennen, startete dabei etwas verhalten, ehe sie sich in die Spitzengruppe schob und dann nur noch von einer Konkurrentin abschütteln ließ: der späteren Siegerin Sarah Healy. Die Irin wurde ihrer Favoritenrolle gerecht, lief dem Feld in der entscheidenden Phase fast mühelos davon und jubelte im Ziel nach 9:18,05 Minuten. Doch der Türkin Inci Kalkan (9:24,01) und Alessia Zarbo aus Frankreich (9:25,25) blieb Kleine hartnäckig im Nacken, ehe sie sich in 9:27,78 geschlagen geben musste. „Ich war im Ziel selbst überrascht, dass ich es so durchlaufen kann“, gibt sie zu. „Ich bin im Training zwar schon so schnell gewesen, und mein Trainer hat es mir auch vorausgesagt, dass es so kommen wird. Aber das muss man im Wettkampf erst einmal auf die Bahn bringen.“

Entsprechend ging sie nach dem Zieleinlauf erst einmal zu Boden – entkräftet, aber glücklich –, ehe sie freudestrahlend zu ihrem Trainer Pierre Ayadi ging. „Ich habe ordentlich gepumpt“, gibt sie zu. „Dann bin ich zur Siegerin, und wir haben uns gegenseitig gratuliert und Fotos geschossen. Sie war schon beeindruckend, hat ja auch noch die 1500 Meter gewonnen. Keine Ahnung, wie sie das geschafft hat.“

Viele Gratulanten

Die Zahl der Gratulanten war enorm. „Ganz schön viele Leute“, seien es gewesen, „das Handy stand nicht mehr still, und 1500 Leute haben den Post auf Instagram gesehen – so viele wie noch nie. Das war ein sehr großes Feedback.“

Gut möglich, dass ihr Abschneiden in Györ den Plan für die kommenden Wochen komplett durcheinander geworfen hat. Denn ihrer Teilnahme bei den folgenden deutschen U20-Meisterschaften mit der 3x800-Meter-Staffel in Nürnberg in 14 Tagen und der U18-DM über 3000 Meter eine Woche später sollte eigentlich eine Trainingspause folgen. „Da wollte ich mit meinen Eltern nach Holland in den Urlaub fahren“, sagt sie. „Aber jetzt kann es sein, dass wir neu planen müssen.“

Nur 75 Plätze im Kader

Denn mit Platz vier in Ungarn hat Kleine die Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires (6. bis 18. Oktober) geschafft. „Wenn ich dorthin mitfahren darf, müssen wir noch einmal neu nachdenken“, sagt sie. „Allerdings ist das noch nicht sicher. Denn es gibt nur 75 Plätze im Kader für das gesamte deutsche Team – und viele gehen schon für die Ballsportarten weg. Alles, was ich tun konnte, um dabei sein zu können, habe ich jedenfalls getan.“

Sollte sie mitfahren dürfen, müsste sie wohl auch das bereits geplante Trainingslager im Oktober in Italien wieder absagen. „Generell würde mir das auch viel bringen“, wägt sie ab. „Aber natürlich wäre es eine Riesenehre, in Argentinien starten zu dürfen.“ Auch wenn der Umweg über Buenos Aires nach Italien ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

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