Leichtathletik

Hammerin Linn Kleine erfüllt sich einen weiteren Traum

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Motivationshilfe: Mit der Silbermedaille und der EM-Norm in der Tasche kehrte Linn Kleine von der Langstrecken-DM aus Essen zurück.

Die Silbermedaille bei der Langstaffel-EM in Essen war für die Hammer Leichtathletin Linn Kleine eher ein Nebeneffekt. Ihr Blick ging eher auf die Zeiten, um ein Ticket für zwei andere Großveranstaltungen zu erhaschen.

Hamm - Linn Kleine steht am Hammer Bahnhof und wartet auf ihren Zug, der sie zurück nach Dortmund bringen soll. Gerade hat sie einen zweitägigen Kurzurlaub mit ihren Eltern am familieneigenen Mobilheim in den Niederlanden verbracht – es war vorerst der letzte für die nächsten Monate. Denn die Hammer Leichtathletin hat in der nahen Zukunft einen gut gefüllten Terminkalender. 

Seit Samstag gibt es auch Einträge für die deutsche Hauptstadt Berlin, wo am 3./4. August die Deutsche Meisterschaft ausgetragen wird, und den schwedischen Ort Borras, wo vom 18. bis 21. Juli die U20-Europameisterschaft stattfinden wird. Denn bei der Langstaffel-DM in Essen knackte die Hammerin, die für die LG Olympia Dortmund startet, die Norm für beide Veranstaltungen und erfüllte sich damit einen weiteren Traum ihrer noch jungen Läuferkarriere.

Silbermedaille in Essen eher ein Nebeneffekt 

Dass sie in Essen auch noch die Silbermedaille gewonnen hat, ist ein schöner Nebeneffekt für Kleine, war aber nicht ihr Hauptziel. „Im Kopf hatte ich das schon, aber ich musste im Vorfeld abwägen, ob ich mehr auf die Zeit oder den Titel gehen sollte“, sagt Kleine, die vor vier Wochen 18 Jahre alt geworden ist. „Vorrangig ging es mir aber um die EM-Norm.“

Denn die hatte die Hammerin noch vor drei Wochen bei der „Langen Laufnacht“ in Karlsruhe mit 16:45,14 Minuten ganz knapp verpasst. „14 Hundertstel – das war sehr ärgerlich“, erinnert sich Kleine. „Aber da wusste ich, ich kann es. Ich musste es nur auf die Bahn bringen.“ Was sie in Essen nachholte. Und wie. Bei 16:34,14 Minuten stoppte die Uhr – elf Sekunden unter der Norm.

Seit diesem Jahr startet Linn Kleine in der Altersklasse U20, muss sich entsprechend gegen ältere Konkurrenz behaupten, wie die Siegerin von Essen, Josina Papenfuß. „Josina ist ein Jahr älter als ich, hatte in Essen die Norm für Schweden aber schon geschafft“, sagt Kleine. „Darum hat sie das Tempo gemacht. Und bei den ersten 3000 Metern haben wir es eher ruhig und genau an der Vorgabe gehalten, weil man nicht zu schnell loslaufen möchte. Dann habe ich gemerkt, dass es klappen kann und versucht, das Tempo langsam zu steigern. Josina hatte hinten raus den schnelleren Sprint, aber das ist kein Problem. Dann habe ich halt noch eine Rechnung offen.“

Mittelfristig bessere Möglichkeiten über die 5000 Meter

Dass sie mit den 5000 Metern noch nicht so vertraut ist, liegt daran, dass sich die Wahl-Dortmunderin in den vergangenen zwei Jahren eher auf die 3000 Meter konzentriert hat, jetzt aber mittelfristig bessere Möglichkeiten auf der längeren Strecke sieht. Die 3000 Meter werden in Borras zwar auch gelaufen, „aber einen Doppelstart werde ich auf keinen Fall machen“, sagt sie. „Und da ich die Norm für die 5000 nun schon sicher habe und meine Chancen auf dieser Strecke auch besser sind, werde ich in Borras wahrscheinlich über 5000 Meter starten.“

Dafür wird sie nun vor der EM noch einige Wettkämpfe bestreiten, um „an die Geschwindigkeit heranzukommen“ und ein noch besseres Gefühl für die längere Strecke zu bekommen. Denn „da ist schon ein großer Unterschied zu den 3000 Metern“, sagt sie. „Daran muss ich mich erst gewöhnen.“

Ob sie bei ihrem für das kommende Wochenende vorgesehenen Start in Wetzlar auch schon auf der längeren Strecke antreten wird, steht allerdings noch nicht fest. „Da werde ich entweder die 3x800 oder die 5000 laufen“, sagt sie. „Aber das entscheidet mein Trainer Pierre Ayadi noch.“

Keine Platzierung als Ziel für Borras angegeben

Ihr Ziel für Borras will die Hammerin gar nicht in Platzierungen angeben. „Ich würde dort natürlich schon gerne schneller, einfach noch einmal eine neue Bestzeit laufen“, sagt sie. „Gerade bei einer EM wäre das schön, wenn man da abliefern kann. Der Westfalenrekord liegt bei 16:34,02. Den habe ich ja nur um einen Wimpernschlag verpasst.“

An Rekorde auf deutscher Ebene verschwendet sie derzeit keinen Gedanken. „Das ist wahrscheinlich sehr weit entfernt, dadurch dass wir so viele starke Läuferinnen in Deutschland haben“, sagt sie. Sollte ihre sportliche Entwicklung weiter so rasant verlaufen, könnte allerdings schon irgendwann einmal die Bestzeit in ihrer Altersklasse von Konstanze Klosterhalfen (15:16,98) aus dem Jahr 2016 eine interessante Marke werden.

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