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Lennard Kleine und sein Comeback: „Nie gedacht, dass es so lange dauert“

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Von: Rainer Gudra

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Lennard Kleine in einem Spiel gegen die SG Wattenscheid 09.
Lennard Kleine in einem Spiel gegen die SG Wattenscheid 09. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Am Mittwoch, 20. Juli, empfängt Fußball-Oberligist SV Westfalia Rhynern am Papenploh die U23 des SC Verl zu einem weiteren Testspiel. Einmal mehr ist Lennard Kleine nur Zuschauer. Über die Zeit nach seinem Patellasehnenriss im September 2021 und die Comeback-Pläne spricht er im WA-Interview.

Sie haben auch das jüngste Test-Heimspiel mit dem 1:0-Sieg gegen Regionalligist Wiedenbrück vom Spielfeldrand aus verfolgt. Wie bewerten Sie den Stand in der Vorbereitung?

Das war ordentlich. Klar, Wiedenbrück war spielbestimmend, aber erschreckend schwach im Abschluss. Bei uns muss man sehen, dass es vorher eine anstrengende Woche war und die Beine schwer waren. Wir haben in dieser Partie defensiv gut gestanden und auch von der Einstellung war das echt gut. Die Jungs haben vorher noch Läufe gemacht, trotzdem Gas gegeben. Es gibt mir ein gutes Gefühl für die Zeit, wenn ich zurückkomme. Wir haben wieder eine gute Truppe zusammen.

Was trauen Sie der Mannschaft in der Saison zu?

Es wird wichtig sein, wie wir reinkommen. Wir haben ein recht gutes Auftaktprogramm mit guten Heimspielen. Und die Heimstärke zeichnet uns ja aus. Aber es wird schwer, die ganzen Tore aufzufangen von Eduard Probst und Hakan Sezer. Aber die 53, die die beiden erzielt haben, sind auch Verdienst der gesamten Mannschaft. Da wurde oft noch einmal quer gelegt. Insgesamt sind wir schon ein bisschen breiter aufgestellt. Und vielleicht sind es jetzt ja andere, die durchstarten wie Eduard vor einem Jahr, von dem man das ja auch nicht unbedingt so erwartet hatte.

Wann ist mit Ihnen wieder zu rechnen?

Ich hätte nie gedacht, dass es so lange dauert. Ich habe zunächst gedacht, ich könnte zur Rückrunde wieder einsteigen, wurde dann ja ein zweites Mal operiert. Der Heilungsprozess zieht sich immer noch, sodass ich ganz schwer einschätzen kann, wann ich wieder fit bin. Ich bin im individuellen Training mit Kraft und Laufen und muss schauen, wann ich wieder mit dem Ball was machen kann.

Kein Einstieg absehbar?

In nächster Zeit nicht. Ich hoffe mal, dass ich September, keine Ahnung, vielleicht Oktober oder November wieder in der Oberliga kicken kann. Wenn man wieder am Ball ist, braucht man eine grundlegende Fitness, aber eine andere als nur vom Laufen. Bei den Bewegungsabläufen oder beim Rhythmuswechsel merkt man jetzt, was für Bewegungen auf einen zukommen, die man vorher automatisch immer gemacht hat. Und man merkt eben: Das geht alles noch nicht so richtig. Die Hauptsache ist, dass ich irgendwann wieder zocken kann. Es ist jetzt kein Druck von Vereinsseite, ist ja klar. Der Blick geht jetzt von Woche zu Woche, von Monat zu Monat.

Geht im Moment überhaupt etwas mit der Kugel?

So bisschen mit dem Ball, lockeres Passspiel oder ein bisschen Dribbeln, so privat, das geht. Aber sobald schnelle Richtungswechsel oder tiefe Bewegungen gefordert sind, merke ich, dass das nicht wirklich geht.

Sind Schmerzen in der Patellasehne die Ursache?

Die Sehne an sich macht keinerlei Probleme, aber ich habe da noch eine Entzündung drinsitzen, die wir versuchen mit Medikamenten und manueller Therapie rauszukriegen, denn die verursacht letztlich den Schmerz. Es wird zwar immer besser, aber es ist nicht so ganz weg.

Welche Rolle spielt in Ihrer Situation der Kopf? Und wie sieht Ihr Pensum derzeit aus?

So ganz kriegt man das nicht raus. Wenn ich einem Ball hinterher trete, dann habe ich es im Hinterkopf, aber ich habe jetzt keine Sorge, dass die nochmal reißt. Ich gehe drei- bis viermal die Woche ins Fitnessstudio, gehe privat joggen, mache seit drei, vier Wochen wieder richtig was. Vorher sollte ich das Knie schonen. Wir machen manuelle Therapie, um die Flüssigkeit aus dem Knie zu kriegen, und normale Physiotherapie, ansonsten muss ich stabil bleiben, nicht nur das Knie betreffend. Und da weiß ich selbst, welche Übungen ich machen muss und machen kann – aus jetzt monatelanger Erfahrung. Mit meinem Vater als Orthopäden habe ich ja noch einen Experten an der Hand. Er hat jetzt nicht selbst operiert, aber bei der zweiten OP assistiert. Und er hat mich noch zu einem seiner Kollegen nach Essen geschickt, der nur Knie macht.

Die Situation muss doch insgesamt frustrierend sein, oder?

Es geht eigentlich. Der Frust hält sich in Grenzen, denn ich bin im Alltag nicht mehr so eingeschränkt. Also wenn Frust, dann spezifisch in Richtung Fußball. Ich leide seit der Jugend an einem Patellaspitzensyndrom. Ich hoffe, dass es durch die Operationen und gezieltes Training sogar ganz weggeht. Ich bin jetzt 29 geworden, da kann ich hinten heraus noch kicken – dass die von mir noch ein bisschen was haben in Rhynern.

Haben Sie noch einen Ausgleich derzeit?

Nein, ich war früher mal Jugendtrainer, aber das geht neben Studium und Arbeit nicht. Ich mache gerade meinen Master in Prävention, Sporttherapie- und Gesundheitsmanagement mit dem Schwerpunkt betriebliches Gesundheitsmanagement. Und ich arbeite als Werksstudent in der Reha Bad Hamm. Ich kriege meine Zeit schon um.

Aber es muss doch tierisch in den Füßen jucken?

Aber ja. Gerade beim Spiel gegen Wiedenbrück hatte ich auch wieder deutlich Lust zu kicken. Ich liebe diese Abendspiele, und dann auch noch bei uns. Eigentlich war es mein Ziel, noch einmal am Papenloh zu spielen. Das wird wohl nichts. Und mich dafür bei irgendeinem Spiel irgendwie noch für zwei Minuten aufs Feld zu stellen, hat keinen Wert. Für den 2. September ist ja schon der Umzug geplant, und dann auch gleich das erste Spiel im neuen Stadion. Ich freue mich jetzt umso mehr auf mein erstes Spiel dort.

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