Lennard Kleine und Marcel Todte:

Die beiden Torjäger sind beim Oberliga-Derby nur Zuschauer

Marcel Todte (rechts) wird der Hammer SpVG am Sonntag ebenso fehlen wie dem SV Westfalia Rhynern Torjäger Lennard Kleine.
+
Marcel Todte (rechts) wird der Hammer SpVG am Sonntag ebenso fehlen wie dem SV Westfalia Rhynern Torjäger Lennard Kleine.

Eigentlich würden sie auf dem Platz– und wahrscheinlich sogar im Mittelpunkt – stehen. Doch Lennard Kleine von Westfalia Rhynern und Marcel Todte von der Hammer SpVg, bei ihren Teams für das Toreschießen verantwortlich, sind verletzungsbeding im Derby der Fußball-Oberliga zum Zuschauen verdammt.

Hamm – „Das ist schon sehr bitter“, sagt Kleine, der sich vor drei Wochen im Auswärtsspiel bei der SG Wattenscheid 09 die Patellasehne gerissen hatte, vor dem Derby am Sonntag (18 Uhr, Papenloh). Und Todte, der sich im Training vor zwei Wochen einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, meint: „Das ist echt brutal ärgerlich.“

Kleine ist bereits operiert worden, muss sich aber wahrscheinlich bis Anfang 2022 gedulden, ehe er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. „Es wird von Tag zu Tag ein bisschen besser, man spürt die Fortschritte, auch wenn sie klein sind“, sagt der 28-Jährige, der in den vergangenen Jahren in der NRW-, der Regional- und der Oberliga der beständigste Torjäger der Westfalia war. „Aber ich bin noch sehr unselbstständig, bin im Haushalt bei so Sachen wie Wäsche machen oder putzen auf Hilfe angewiesen. Denn noch laufe ich ja an zwei Krücken.“

Als Zuschauer im Stadion

Trotzdem wird er es sich am Sonntag nicht nehmen lassen, die Partie am Papenloh zu verfolgen, auch wenn er weiß, dass die Anspannung bei ihm dann größer sein wird, als wenn er sich selbst das Trikot überstreifen und im Duell gegen den Ortsnachbarn mitwirken könnte. „Wenn ich nicht spielen kann und von draußen zugucken muss, bin ich immer viel nervöser“, betont er und verrät, dass er wieder ein enges Spiel erwartet, in dem sich beide Teams nichts schenken und alles daran setzen werden, um an Ende den beliebten Schlachtruf „Die Nummer eins in Hamm sind wir“ anstimmen zu können. „In so einem Match spielt der Tabellenplatz oder das, was in den Wochen vorher war, keine Rolle. Das sind immer umkämpfte Spiele, in denen viel Unruhe auf dem Platz herrscht.“

Kleine: Nummer eins in Hamm bleiben

Allerdings sind die Vorzeichen dieses Mal deutlich andere als in den vergangenen Jahren, als die Rhyneraner meist in der Tabelle vor der HSV standen und als Favorit in das Aufeinandertreffen gingen. Aktuell haben beide Teams die gleiche Punktzahl auf dem Konto: Rhynern angesichts der eigenen Anprüche „nur“ sechs Zähler, die in den vergangenen zwei Spielzeiten sieglose HSV „schon“ sechs Zähler. Zudem hat die Westfalia eine 0:5-Klatsche vom vergangenen Sonntag bei der TSG Sprockhövel zu verkraften. „Ich bin mir sicher, dass dieses Spiel für uns noch einmal ein Weckruf war“, hofft Kleine. „Wir wissen jetzt, dass man sich nach zwei guten Spielen, die wir gegen Rheine und Wiedenbrück gezeigt haben, keinen Millimeter ausruhen darf. Und keiner von uns will dieses 0:5 lange auf sich sitzen lassen. Wir werden alles in die Waagschale werfen, in diesem Duell die richtige Einstellung haben und alles dafür tun, dass wir weiter die Nummer eins in Hamm sind. Denn unser Anspruch ist es, in die Aufstiegsrunde zu kommen.“

Todte: „Dummer Zusammenprall“

Todte hatte sich seinen Kreuzbandriss im Abschlusstraining vor der Auswärtspartie in Meinerzhagen zugezogen. Als er mit einem langen Bein versucht hatte, einen Ball abzufangen, bekam er einen Schlag gegen das Knie und merkte sofort, dass da etwas Schlimmeres passiert war. „Es hat direkt geknackt, und ich habe einen heftigen Schmerz gespürt“, erinnert er sich an die bitterböse Szene. „Das war einfach ein dummer Zusammenprall. So was kann leider passieren. Aber wenn es vielleicht eine Sekunde früher oder später gewesen wäre und ich mein Bein nicht mehr komplett durchgestreckt gehabt hätte, wäre ich vielleicht nur hingefallen und das Knie heile geblieben.“

Operation erst Mitte Oktober

Derzeit ist das Knie des 29 Jahre alten Torjägers, der im Sommer 2020 von RW Ahlen zur Hammer SpVg gewechselt war, angeschwollen, so dass er noch nicht operiert werden kann. Durch Physiotherapie wird versucht, die Schwellung zu minimieren, so dass der OP-Termin am 14. Oktober eingehalten werden kann. „Das ist echt so ärgerlich“, sagt Todte, dessen lädierstes Knie durch eine Schiene gestützt wird. „Sonst war meine längste Pause immer die sechswöchige Unterbrechung im Sommer. Jetzt mussten wir erst durch den Lockdown über ein halbes Jahr ohne Fußball auskommen. Und als ich mich gerade wieder herangekämpft hatte, kam dann dieser Kreuzband-riss. Das ist schon extrem nervig.“

Mindestens sechs Monate lang muss Todte nun eine Zwangspause einlegen – an eine Karriereende denkt er trotz der schweren Verletzung aber nicht. „Jetzt habe ich noch eine gute Muskulatur am Oberschenkel. Aber die wird ja dann bald weg sein. Ich weiß, dass das ein steiniger Weg wird. Aber ich werde ihn gehen“, sagt er und zeigt sich im Hinblick auf Sonntag sehr optimistisch, dass die HSV auch ohne ihn die drei Punkte mit in den Hammer Osten nehmen kann. „Rhynern hat zuletzt 0:5 verloren, wir haben gegen Herne 4:0 gewonnen – da kommt das Derby gefühlt genau zum richtigen Zeitpunkt für uns.“

Wieder Duell auf Augenhöhe

Allerdings weiß auch Todte mit seiner Erfahrung, dass es wieder ein Duell auf Augenhöhe sein wird, in dem sich beide Teams nichts schenken werden, und dass all das, was vorher war, mit dem Anpfiff vergessen ist. „Das stimmt. Wenn es los geht, ist alles auf Null gestellt. Da interessiert niemanden mehr das Spiel vom Vorsonntag oder die Tabellensituation“, bestätigt er und ist vor allem gespannt, wie sich die Stellvertreter schlagen werden: Bei Rhynern wird wohl wieder der junge Eduard Probst anstelle von Lennard Kleine in vorderster Front auflaufen, bei der HSV entweder der aus Beckum gekommene Frederik Falk oder Eigengewächs Vincent Ocansey. „Das sind die jungen Stürmer, die zuletzt ja schon gezeigt haben, was sie können. Jetzt müssen sie auch in einem Derby ihren Mann stehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare