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Leiden an der Linie: ASV-Akteur muss im Saison-Endspurt verletzt zusehen

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Von: Günter Thomas

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Muss im Saisonendspurt verletzt zusehen: Markus Fuchs.
Muss im Saisonendspurt verletzt zusehen: Markus Fuchs. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Mit dem Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau beginnt am Freitag (19.15 Uhr/Westpress Arena) für Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen die heiße Phase im Aufstiegskampf. Für Defensivspezialist Markus Fuchs eine schwierige Zeit. Der 30-Jährige ist verletzungsbedingt zum Zuschauen verurteilt. Das Team darf sich im Fernduell mit Nordhorn keinen Patzer erlauben. 

Hamm – Am 13. März spürte Markus Fuchs im Training einen stechenden Schmerz im Knie. Seitdem ist der Abwehrspezialist des ASV Hamm-Westfalen bei den Spielen seines Teams in der 2. Handball-Bundesliga zum Zuschauen verurteilt. „Das kommt dabei heraus, wenn du auf einem Sonntag trainierst und ich im Angriff spielen muss“, nimmt der 30-Jährige seine Verletzung knapp zwei Monate später mit Humor. Leicht ist die Situation trotzdem nicht für ihn. Vor allem, weil seine Mannschaft mitten im Aufstiegskampf steckt und er in der entscheidenden Phase – auch am Freitag im Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau (19.15 Uhr/Westpress Arena) – nicht helfen kann. Zum verrückt werden, oder? „Als Zuschauer auf jeden Fall“, sagt der Abwehrspezialist und fügt mit Blick auf den jüngsten 31:30-Erfolg seiner Teamkollegen in Hagen hinzu: „Aber es ist einfacher, wenn der Torwart den entscheidenden Ball hält.“

Der Torwart, der das geschafft hat, heißt Jan Wesemann, und mit dessen am vergangenen Freitag final gehaltenen Siebenmeter nach der Schlusssirene ist der ASV vorbei am direkten Konkurrenten, der HSG Nordhorn-Lingen, auf den zweiten Platz gerückt. Zwar liegt der Rivale nach Minuspunkten noch einen Zähler vor den Hammern. Doch so nah wie aktuell war der ASV schon lange nicht mehr am ersehnten Ziel – dem zweiten Erstligaaufstieg nach 2010. „Deshalb bin ich 2013 hierhin gekommen, mit der Perspektive, mit dem ASV einmal erstklassig zu spielen“, sagt Fuchs. „Meist ging es für uns im Mai, wenn die Entscheidungen fallen, um nichts mehr. Da war es egal, ob du am Ende Vierter oder Siebter wirst. Dass es um diese Zeit für uns noch um etwas ging, hatten wir lange nicht mehr – zuletzt 2016, da sind wir allerdings fast abgestiegen... Und vor zwei Jahren waren wir zur Winterpause Zweiter, danach hat sich das relativ zügig erledigt.“

Aktion „Rote Wand“

Das Heimspiel des ASV am Freitag gegen Lübeck wird erstmals wieder ohne Corona-Auflagen stattfinden. Zudem ruft der Verein die „Rote Wand“ aus. Alle Zuschauer sind aufgefordert, das Team im Aufstiegskampf rot gekleidet zu unterstützen. Trainer Michael Lerscht kann voraussichtlich bis auf die verletzten Markus Fuchs und Sören Südmeier wieder alle Spieler einsetzen – auch den zuletzt angeschlagenen Torhüter Vladimir Bozic.

Dass das auch in den jetzt noch ausbleibenden sieben Spielen (für Nordhorn sind es acht) schnell der Fall sein kann, weiß Fuchs. „Klar, jetzt ist jedes Spiel entscheidend. Wir haben noch einige Mannschaften zu spielen, für die es noch um den Nichtabstieg geht. Die Frage wird in diesen Begegnungen sein, ob unser Aufstiegswunsch größer ist als die Angst der anderen vor dem Abstieg.“

Dass er der Mannschaft gerade in dieser Saisonphase nicht helfen kann, ärgert den Routinier, auch wenn er professionell mit der Situation umgeht. „Das ist ja nicht meine erste Verletzung“, sagt er. „Anfangs war es ganz gut, dem Körper ein bisschen Pause zu geben. Aber auf Dauer fehlt der Wettkampf und das Mannschaftliche – nach dem Training in der Kabine zusammensitzen, ein bisschen quatschen mit den Jungs. In gewisser Weise bin ich ja gerade Individualsportler, habe mein eigenes Programm und mit der Mannschaft nur am Rand etwas zu tun.“

„Das wäre schon ein Jahr Abenteuer“

Die Möglichkeit, dass dem ASV am Ende der Saison der Aufstieg gelingen könnte, bewegt den Abwehrspezialisten. „Klar habe ich mir darüber Gedanken gemacht“, sagt er und weiß, dass der Klassenerhalt in Liga eins dann zur Extrem-Aufgabe würde. „Das wäre schon ein Jahr Abenteuer. Aber daran können alle nur wachsen. Die Mannschaft, das Umfeld, die Strukturen. So, dass du dann beim nächsten Versuch vielleicht bessere Voraussetzungen hast.“

Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment zählt die Gegenwart. Und da sieht Fuchs die größere Belastung beim Konkurrenten aus Nordhorn. „Die haben das Ziel Wiederaufstieg klar formuliert“, sagt er. „Der Kader ist zur Erstligasaison davor kaum verändert – die haben schon ordentlich Druck auf dem Kessel.“

Seine eigene Zukunft sieht der gebürtige Bielefelder, der 2013 von GWD Minden zum ASV gestoßen ist, unabhängig von seiner Vertragssituation in Hamm.

Hier hat er eine Familie gegründet und gerade erst ein Haus gekauft. Sein Vertrag läuft bis 2024. Wann er die Profikarriere beenden wird, weiß er nicht. Wohl aber, dass er dem ASV danach in irgendeiner Form erhalten bleiben wird, „und wenn es nur als Zuschauer ist. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, den ASV mit Karriereende aus meinem Leben zu streichen.“

In die Vereinsgeschichte eingehen kann er jetzt schon: Denn viele Spieler sind mit dem Ziel Aufstieg zum ASV gekommen. Gelungen ist es bisher nicht. „Vielleicht bin ich ja dann derjenige, der am längsten Geduld gehabt und es tatsächlich geschafft hat.“

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