Leichtathletik 

Hartes Training und große Ziele: Tochter von Ex-Tennis-Profi will als Läuferin durchstarten

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Immer mit Spaß beim Training: Emma Wöhrmann dreht fast täglich im Hammer Jahnstadion ihre Runden.

Für viele wäre es auf dem Sofa wohl weitaus kuscheliger und gemütlicher. Nicht aber für Leichtathletin Emma Wöhrmann, die beinahe jeden Tag trainiert, und zwar bei Wind und Wetter.

Hamm – Der Nieselregen glitzert im hellen Flutlicht über der feuchten Tartanbahn im Hammer Jahnstadion. Nasskalt und recht ungemütlich ist es an diesem Abend. Doch Emma Wöhrmann lässt sich von den unangenehmen äußeren Umständen überhaupt nicht beirren. Und auch nicht davon, dass ihr eine harte und intensive Trainingseinheit bevorsteht, die ihrem zarten Körper einmal mehr alles abverlangen wird.

„Ich habe immer Spaß“, sagt die 15 Jahre alte Leichtathletin des SCE Hamm und strahlt dabei, als würde sie gerade an einem schwül-heißen Tag in einen kühlen Swimming-Pool springen dürfen. Denn Emma Wöhrmann ist mit Leib und Seele Leichtathletin, liebt es, schnell und lange zu laufen.

Im vergangenen Jahr war es um die Laune der jungen Langstreckenläuferin, die seit Herbst 2019 sogar dem westfälischen D-Kader angehört, weniger gut bestellt. Im Mai hatte sie sich einen Ermüdungsbruch im Fuß zugezogen, verpasste nicht nur die deutschen Nachwuchsmeisterschaften, für die sie sich mit starken Zeiten qualifiziert hatte, sondern auch zahlreiche Trainingseinheiten. „Das war richtig doof“, sagt die Schülerin des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, die wochenlang pausieren musste und nun immer noch dabei ist, ihre Wettkampfhärte zurückzufinden. Auf dem Weg zu alter Form hat sie in diesem Winter in Dortmund schon zwei Rennen über 800 und 1500 m bestritten. „Nach dem Aufbautraining war ich mit den Zeiten zufrieden“, betont sie und hofft gleichzeitig, ihre Werte im Laufe der nächsten Wochen noch weiter zu steigern.

Laufen trotz Tennis-Genen

Dabei dürfte Emma Wöhrmann eigentlich gar keine Leichtathletik betreiben. Ihr Vater Jens ist ein ehemaliger Tennis-Profi, der 1989 sogar mal auf Platz 54 der ATP-Weltrangliste stand und 1990 zum deutschen Daviscup-Team gehörte, das in Buenos Aires unglücklich mit 2:3 gegen Argentinien verlor. Daher unternahm auch die kleine Emma ihre ersten sportlichen Versuche als Tennisspielerin beim TC Geithe, stellte aber schnell fest: „Das Interesse war nicht lange da. Ich habe früh wieder aufgehört.“

Anschließend schloss sie sich dem VfL Mark an und spielte im Hammer Osten Fußball, ehe sie mit zehn Jahren zum SCE wechselte und dort ihren Lieblingssport entdeckte: „Ich habe schnell gemerkt, dass ich Spaß am langen Laufen habe. Alles andere wie Werfen oder Springen war eine Vollkatastrophe.“ Am liebsten nimmt sie dabei die Strecken über 800 oder 1500 m in Angriff, wobei sie die kürzere Variante ein wenig favorisiert. „Ich bin recht schnellkräftig. Da passen die 800 m besser“, erklärt sie.

Das Langstreckenlaufen betreibt sie mittlerweile so gut, dass sie durch ihre Berufung in den D-Kader unter Leitung von Milan Dransmann eine bessere Förderung erhält. Vom Münsteraner Stützpunktcoach Dr. Robert Welp bekommt sie ihre Trainingspläne, die sie in Hamm zusammen mit SCE-Trainer Dieter Wöbbekind umsetzt. Zudem kann sie als Kadermitglied im Winter in Dortmund und Münster in den Leichtathletikhallen trainieren und die Grundlagen für eine erfolgreichere Saison als die vergangene legen.

Oberstes Ziel: Verletzungsfrei bleiben

„Zuerst einmal will ich mich nicht wieder verletzen, das wäre vorteilhaft“, erklärt sie mit einem verschmitzten Lächeln und verrät, dass sie die Hallenmeetings in den nächsten Wochen eher mit angezogener Handbremse angehen will: „Da habe ich mir nicht viel vorgenommen. Ich will einfach so gut laufen, wie ich kann.“ Weitaus konkreter sind dabei ihre Ziele für den kommenden Sommer. Sie will in der Freiluftsaison erneut die Qualifikation für die deutschen U18-Meisterschaften schaffen – und dann auch in Ulm tatsächlich an den Start gehen und nicht wieder durch eine Verletzung gestoppt werden.

Die Erfolgstaktik hat sie sich dabei schon zurecht gelegt. Sie ist nicht unbedingt die Tempomacherin, sondern lauert gerne hinter der in Führung liegenden Läuferin auf ihre Chance. „Im Schlussspurt gebe ich dann alles“, sagt sie. Und damit ihr Vorhaben auch tatsächlich gelingt, trainiert sie fünf- oder sechsmal in der Woche im Jahnstadion oder rennt am Kanal entlang. Motivationsprobleme kennt sie dabei nicht. „Ich habe immer Lust am Laufen. Das ist vom Kopf her ein toller Ausgleich zur Schule.

Am Anfang denke ich noch an alles Mögliche. Aber wenn ich einmal im Rhythmus bin, habe ich nur noch Laufen im Kopf. Ich kann dann super abschalten“, meint Wöhrmann, deren Vorbild die deutsche Mittel- und Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen ist. „Sie hat eine gewisse Coolness, gibt immer Vollgas und kann auch bei taktischen Rennen die richtigen Entscheidungen treffen.“

Die richtigen Entscheidungen muss Emma Wöhrmann, die davon träumt, irgendwann einmal bei einer internationalen Meisterschaft an den Start zu gehen, an diesem Abend nicht treffen. Ihr Trainingsprogramm ist klar vorgegeben: zuerst eine Strecke von rund acht Kilometern, dann noch Steigerungsläufe auf der nassen Tartanbahn im Jahnstadion. Es wird also wieder einmal anstrengend. Doch das stört die 15-Jährige überhaupt nicht. Denn sie hat eben „immer Lust am Laufen.“ Egal, wie das Wetter ist.

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