Ein Kommentar Westfalia Rhynern

Haben sie beim Verband noch alle?

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Hamm - Der Westdeutsche Fußballverband (WDVF) hat am Donnerstag mitgeteilt, dass der SV Westfalia Rhynern keine Zulassung für die Saison 2017/18 in der Regionalliga West erhält. Lesen Sie zu diesem Thema hier einen Kommentar von Patrick Droste.

Eines ist seit Donnerstagmorgen klar. Den Herren des Westdeutschen Fußballverbandes geht es um Paragraphen, Richtlinien und Vorgaben. Aber keineswegs um den Sport. Denn sonst hätten sie nicht eine dermaßen unfassbare Entscheidung getroffen und dem SV Westfalia Rhynern die Lizenz für die Regionalliga verweigert. 

Okay, in den Bestimmungen steht nun einmal, dass eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Polizei über die Austragung der fünf bis sechs Sicherheitsspiele bis zum 31. Mai vorlegen muss. Dies konnte der SV Westfalia bis zu diesem Stichtag nicht erfüllen. Aber warum gibt es diese Frist überhaupt so kurz nach dem letzten Meisterschaftsspiel? 

Es ist doch völlig weltfremd, zu erwarten, dass ein Verein, der nicht über ein Regionalliga taugliches Stadion verfügt, mit dem Umbau der Platzanlage schon im März oder April anfängt – also zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar nicht feststeht, dass der Klub überhaupt den Aufstieg schaffen wird. Jetzt, in der Sommerpause, da alle sportlichen Entscheidungen gefallen sind, ist doch mehr als genug Zeit, um die erforderlichen Maßnahmen durchzuführen. So hatten es die Stadt Hamm als Eigentümer, die Hammer SpVg als Pächter und der SV Westfalia Rhynern, der die Evora Arena für die fünf oder sechs Sicherheitsspiele nutzen wollte, sinnvollerweise geplant. Denn der Aufschrei wäre in Hamm riesengroß gewesen, wenn in den Umbau eine sechsstellige Summe aus öffentlichen Mitteln investiert worden wäre, der letztlich gar keinen Sinn gemacht hätte – sprich: wenn keiner der beiden Vereine aufgestiegen wäre. 

Von daher ist es auch völlig daneben, jetzt die Stadt Hamm zu kritisieren und an den Pranger zu stellen. Sie hat im Zusammenspiel mit den Vereinen verantwortungsbewusst und logisch gehandelt. Nur der Verband will dies nicht einsehen, beharrt auf seinen Vorgaben und wirft den Hammern vor, dass vor zwei Jahren bereits entsprechende Mängel festgestellt und dass diese in diesem Zeitraum nicht beseitigt worden seien. Nur warum sollten sie? Es bestand doch überhaupt keine Notwendigkeit, keine der beiden Mannschaften hatte da Aufstiegschancen. Diese sind erst jetzt vorhanden – und jetzt wird entsprechend gehandelt. 

Offensichtlich ist der Verband absolut nicht kooperativ gegenüber einem kleinen Verein und trägt mit dieser Entscheidung dazu bei, dass die herrschenden Abstände zementiert werden. Und dass Klubs wie Rhynern oder die HSV weder die Möglichkeit haben, ihren sportlichen Erfolg auszuleben noch parallel dazu langsam und gesund strukturell zu wachsen. Die Leidtragenden sind neben der Stadt nun vor allem die Spieler vom Papenloh, die sich in der vergangenen Saison diesen Aufstieg erarbeitet haben, die sich auf die neue Herausforderung gefreut haben und nun doch wieder in der gleichen Liga auflaufen müssen, die sie sportlich verlassen hatten. Da ist, sollte der Einspruch der Westfalia gegen die Verweigerung der Lizenz abgeschmettert werden, vor allem Trainer Holger Wortmann gefragt und gefordert, seine Schützlinge neu zu motivieren. Denn dass der Frust riesengroß und der Lust auf die Oberliga wohl extrem klein sind, dürfte mehr als verständlich sein.

Zumal der Verband den Rhyneranern seine Entscheidung auch schon viel zeitnaher hätte mitteilen können – als die Bescheinigung am 31. Mai nicht vorlag, hätte der WDFV ja bereits einen Tag später die Verweigerung rausschicken können und hätte nicht drei Wochen warten müssen. Dafür soll aber künftig die U20-Nationalmannschaft aus China in der Regionalliga Südwest antreten, ohne ein eigenes Stadion zu haben. Da kann man doch nur fassungslos den Kopf schütteln und sich fragen: Haben sie sie beim Verband noch alle?

Lesen Sie zu dem Thema auch:

- Keine Regionalliga-Lizenz: Rhynern und HSV legen gemeinsam Rechtsmittel ein

- Holger Wortmann: "Wir trainieren für Regionalliga"

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