Kommentar zum Geschehen bei der Hammer SpVg

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HAMM - Die Entlassung des HSV-Trainers Goran Barjaktarevic kommentiert Sportredakteur Patrick Droste. Für ihn war dieser Schritt "mehr als überfällig".

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"Es war ein Schritt, der mehr als überfällig war. Der eigentlich schon Ende der vergangenen Saison hätte vollzogen werden müssen. Denn bis dahin hatte der erst kurz vor Beginn der Vorbereitung zur Spielzeit 2013 verpflichtete Goran Barjaktarevic bereits eine schwache Bilanz abgeliefert, sich aber noch mit seiner Erklärung retten können, dass es nicht „seine“ Mannschaft gewesen sei und er erst in der folgenden Spielzeit mit einem von ihm zusammengestellten Team zu „300 Prozent” gemessen werden könne. Doch obwohl er im vergangenen Sommer für viel Geld zahlreiche namhafte Akteure in den Hammer Osten gelockt hatte, wurde es keinen Deut besser. Im Gegenteil: Je mehr Spiele absolviert wurden, umso rasanter ging die Talfahrt vonstatten. Der 45-Jährige war nicht einmal ansatzweise in der Lage, der Mannschaft eine Spielphilosophie oder ein -konzept mit auf den Weg zu geben. Vielmehr waren die Auftritte der HSV von einer erschreckenden Willen- und Leblosigkeit gekennzeichnet.

Hinzu kam, dass er mit seinen Akteuren einen sehr rüden Umgangston pflegte, viel mit Druck und Drohungen arbeitete und es nie schaffte, seine Schützlinge mit ins Boot zu holen, um gemeinsam die anvisierten Ziele zu erreichen – kurzum: Er war der Aufgabe in keiner Weise gewachsen und hat den Akteuren jede Spielfreude genommen. Auch im Verein hatte er sich mit seinem Auftreten, das Züge eines über allem und allen schwebenden Sonnenkönigs hatte, nicht viele Freunde gemacht. So traten während seiner 20 Monate, die er in der Evora Arena wirken durfte, mit Ulrich Rolfing der Geschäftsführer und mit Hartmut Weber der Fußball-Abteilungsleiter gefrustet von ihren Posten zurück.

Sein Kleinkrieg mit unserer Zeitung, das Beschimpfen der HSV-Fans, die irrwitzigen Erklärungen für seinen sportlichen Misserfolg – all dies sorgte dafür, dass sich Barjaktarevic nicht nur selbst demontierte, sondern darüber hinaus das Ansehen des Traditionsvereins in der Stadt Hamm weiter sank.

Daher war die Trennung von vielen Insidern bereits Ende des Jahres erwartet worden, damit ein neuer Trainer die Winterpause hätte nutzen können, um das leckgeschlagene Schiff wieder zu reparieren und auf Kurs zu bringen. Doch dieser Schritt wurde auf fahrlässige Weise von den Verantwortlichen versäumt. Vielmehr durfte der Coach im Januar noch einmal shoppen gehen und erneut neue Spieler holen. Doch letztlich war es völlig egal, wer auf dem Platz stand. Unter der sportlichen Leitung von Barjaktarevic erreichte kein Kicker auch nur annähernd die Form, die er bei seinem vorherigen Verein gezeigt hatte.

Der am Samstagabend entlassene Coach ist aber nicht der einzige Grund für das Dilemma der HSV. Barjaktarevic war im Sommer 2013 auf die Empfehlung von Benjamin Doll, dem Marketingchef der Hammer SpVg, geholt worden. Doll hat mit dieser Personalie aber nicht nur einen eklatanten und folgenschweren Fehlgriff getätigt, den er bis zum bitteren Ende verteidigte. Sondern er hat sich mittlerweile auch zum Strippenzieher im Hintergrund und zur grauen Eminenz des Vereins aufgeschwungen. Wenn also ein Neuanfang vollzogen werden soll, dann muss die HSV komplett reinen Tisch machen und sich nicht nur vom Trainer trennen. Denn ansonsten wird zwar eine handelnde Person ausgetauscht, das System, im dem der neue Coach zu funktionieren hat, aber das gleiche bleiben. Und dann müsste sich der Verein in absehbarer Zeit wieder mit den gleichen Problemen auseinandersetzen.

Und letztlich muss die HSV ihr Konzept überdenken, dank der Finanzspritzen von Sportchef Achim Hickmann immer nur teure Spieler mit viel Geld von höherklassigen Vereinen oder gar aus Polen zu holen. Dass es auch anders geht, haben verschiedene Clubs in der Oberliga eindrucksvoll bewiesen."

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