Eishockey-Regionalligist

Nazi-Parolen: Kommentar zum Verhalten der Hammer Eisbären

Die Hammer Eisbären sind stolz auf ihre Fans, mit denen es bisher keine Probleme gab.
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Die Hammer Eisbären sind stolz auf ihre Fans, mit denen es bisher keine Probleme gab.

Am Rande der Partie der Hammer Eisbären im Interregio Cup bei den Leuven Chiefs haben am vergangenen Samstag Rechtsradikale vor der Eissporthalle Nazi-Parolen skandiert. Wir kommentieren das Vorgehen des Klubs.

Kommentar zum Eisbären-Vorgehen: "Handeln statt schweigen"

Die Eisbären verhalten sich vorbildlich. Jan Koch schweigt nicht zu den Nazi-Vorfällen in Belgien, der Manager hat das Heft des Handelns in die Hand genommen. So sollten Klubs mit diesem unappetitlichen Thema umgehen – und es nicht so lange köcheln lassen, bis Häppchen für Häppchen an die Öffentlichkeit gelangt. 

Koch und Co. beteiligen sich aktiv an der Aufklärung. Wer hat den Bus gechartert? Wer war an Bord? Und wer war für die ekelhaften Parolen verantwortlich? Nach der Aufklärung müssen aber auch Konsequenzen folgen. Damit der rechte Mob erst gar nicht auf die Idee kommt, es sich auch in der Hammer Eissporthalle gemütlich zu machen. 

Auch die treuen Eisbären-Fans sind gefragt: In einer Sportart, die so viele Nationen vereint, sollten sie Hetzern klar aufzeigen, dass für sie in der Halle kein Platz ist.

Benedikt Ophaus

Ursprungstext, 19. Dezember

Hamm - Jan Koch zeigte sich zunächst etwas ratlos, reagierte aber dann entschlossen. Erst am vergangenen Dienstag hatte der Manager des Eishockey-Regionalligisten Hammer Eisbären davon erfahren, dass es beim Gastspiel der Hoja-Truppe bei den Leuven Chiefs unschöne Szenen vor der Halle gegeben haben soll. 

Wie Koch von Fußballern des VfL Mark bestätigt wurde, die im Anschluss einer Mannschaftsfahrt nach Brüssel noch in Leuven Station machten, um die Eisbären zu unterstützen, hatten einige offenbar alkoholisierte Rechtsradikale lange vor der Partie Nazi-Parolen vor der Halle skandiert.

„Davon haben weder die Mannschaft noch wir etwas mitbekommen“, erklärte Koch. „In der Halle ist alles sehr ruhig und friedlich verlaufen. Ich habe Anfang der Woche mit den belgischen Kollegen gesprochen, die uns erklärt haben, dass sich unsere Fans vorbildlich verhalten haben.“

Fanbeauftragter hat nichts gesehen

Selbst Dominik Döring, der Fanbeauftragte der Eisbären, hat laut Koch in Leuven nichts gesehen oder gehört. Auch in der Halle waren während des Spiels keine rechten Spruchbänder oder gar Reichsfahnen zu sehen.

Was die unschönen Ereignisse vor der Halle betrifft, zeigte sich der Manager machtlos. „Als Verein wird man da mit einer Sache konfrontiert, mit der wir absolut nichts zu tun haben. Gegen diese Strömungen werden wir auf jeden Fall angehen und klare Kante gegen Rechts zeigen. Wir werden uns davon eindeutig distanzieren.“

Privat gecharterter Bus mit 30 Personen

Bisher sind den Verantwortlichen der Eisbären keine Namen bekannt. Koch tauscht sich inzwischen mit Vertretern des VfL Mark aus, um diese Leute zu identifizieren, um eventuell Hallenverbote zu verhängen. Fakt ist, dass neben dem Mannschaftsbus und dem offiziellen Fanbus des Vereins ein weiterer, privat gecharterter Bus eines Unternehmens aus Oelde unterwegs war. Darin sollen etwa 30 Personen, teils schwarz gekleidet, gesessen haben. 

„Die müssen weit vor uns an der Halle gewesen sein. Als wir dort eintrafen, war alles ruhig“, bestätigte der Manager. „Auch in der Halle haben sich diese Personen friedlich verhalten. Deswegen war ich am Dienstag völlig überrascht, als wir von den verbalen Ausschreitungen erfahren haben.“

"Einige Gesichter sind uns auch bekannt"

Die Hammer Eisbären wollen den Vertretern der rechten Szene kein Forum bieten. „Wir haben das Hausrecht in der Eishalle. Einige Gesichter sind uns auch bekannt. Wir werden aufpassen und diese Leute bei uns nicht reinlassen“, versicherte Koch.

Dem Manager ist bewusst, dass es unter den Zuschauern auch Leute mit einer rechten Gesinnung gibt. Bereits vor vielen Jahren hatte es eine Zeit lang eine kleine Gruppierung in der Halle in Werries gegeben, ohne das es zu irgendwelchen Zweischenfällen kam. „So lange sie sich ruhig verhalten, hat man als Verein auch keine rechtliche Handhabe.“ Doch die Verantwortlichen der Eisbären wollen die Augen weiter offen halten, dieses Thema nicht verschweigen. „Eishockey ist ein sehr friedlicher Sport. Wir spielen Eishockey, weil der Sport verbindet. Unser Fans haben sich immer korrekt verhalten. Wir wollen, dass auch in Zukunft Familien mit Kindern in unsere Halle kommen“, betonte Koch.

Peter Schwennecker

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