Mängel in Evora-Arena / Hammer Vereine bündeln juristisch die Kräfte 

Keine Regionalliga-Lizenz: Rhynern und HSV legen gemeinsam Rechtsmittel ein

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[Update 20.56 Uhr] Duisburg/Hamm - Diese Nachricht schlug am Donnerstagvormittag ein wie eine Bombe: Der Westdeutsche Fußballverband (WDVF) teilte mit, dass der SV Westfalia Rhynern als einziger sportlich qualifizierter Verein keine Zulassung für die Saison 2017/18 in der Regionalliga West erhält und dass auch die Hammer SpVg als Dritter nicht nachrücken darf. Der Grund: Sicherheits-Mängel in der Evora-Arena. Jetzt steht fest: Beide Vereine werden die juristischen Kräfte bündeln und gegen diese Entscheidung gemeinsam Rechtsmittel einlegen. Die Stadt Hamm will sie unterstützen.

Westfalia Rhynern, dem Vizemeister der Oberliga Westfalen, sei die Zulassung "wegen nicht erfüllter Bedingungen im Bereich der Sicherheit-Mindeststandards" verweigert worden. Das entschied der WDFV-Fußballausschuss am Mittwoch. Die Evora-Arena weise zu große Mängel für Risikospiele auf - deswegen dürfe auch nicht die Hammer SpVg als Oberliga-Dritter nachrücken. 

Sie hatte für besagte Risikospiele ebenfalls die Evora-Arena als Austragungsstätte benannt. Stand heute würde RW Ahlen nicht aus der Regionalliga absteigen. Der SV Lippstadt als Fünfter der Oberliga Westfalen würde trotz eingereichter Unterlagen nicht am grünen Tisch in die Regionalliga aufsteigen können. 

Lesen Sie hier unseren Kommentar von Patrick Droste

„Wir hatten uns schon gemütlich auf die Oberliga eingerichtet“, erklärte Vorsitzender Dirk Neuhaus der Tageszeitung „Die Glocke“. „Natürlich wollen wir sportlich ganz oben angreifen, aber das muss wirtschaftlich gehen“, fuhr Neuhaus fort. Am Freitagabend wollen sich die Ahlener Verantwortlichen treffen und darüber beraten, wie sie sich verhalten werden.

Keine Lizenz für die Regionalliga -  Trainingsauftakt Westfalia Rhynern

In einer ersten Reaktion sagte Rhynerns Vorsitzender Arnulf Kleine: "Ich bin völlig fertig. Ich verstehe dass nicht. Da dürfen insolvente Vereine weiter in der Regionalliga spielen. Wir bemühen uns, in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamm und der Hammer SpVg etwas auf die Beine zu stellen, und werden dann so ausgebremst."

"Wir wissen noch nicht, welche Möglichkeiten wir haben. Wir können aber innerhalb von drei Tagen Proest gegen die Entscheidung des Fußball-Ausschusses des Westdeutschen Fußball-Verbandes einlegen. Das werden wir auf jeden Fall tun", erklärte auch Rhynerns 2. Vorsitzender Wilfried Ramacher, der sich in erster Linie um die Lizenzdinge gekümmert hatte. "Ich hatte auch in Neheim-Hüsten, Lippstadt und Ahlen angefragt, ob wir dort die Risikospiele austragen könnten. Doch auch dort haben wir nur Absagen erhalten." 

Kleine bestätigte dem WA, dass Rhynern Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Verbandes einlegen werde. Damit griff er bereits dem Ergebnis der Krisensitzung des Vorstandes voraus, die am Donnerstagabend am Papenloh stattfand.

Sie dauerte gerade einmal eine Viertelstunde. Dann trat Vorsitzender Arnulf Kleine am Papenloh vor die zum Trainingsauftakt versammelte Mannschaft und verbreitete Zuversicht: „Wir werden alles dafür tun, in der Regionalliga zu spielen. Ich bin jetzt auch wieder optimistisch.“

Für die Hammer SpVg veröffentlichte deren 2. Vorsitzender Dennis Kocker - zugleich Chef des Hammer Stadtsportbundes - auf Facebook ein Statement und betonte hier mit Blick auf den Lokalrivalen aus Rhynern solidarisch: "Beide Vereine werden Rechtsmittel einlegen!"

Der SVW-Vorsitzende Kleine schloss selbst den Klageweg nicht aus: „Und wir behalten uns im Falle einer negativen Entscheidung auch rechtliche Schritte vor.“ 

Viermal telefonierte Kleine am Donnerstag mit dem Vorsitzenden des Spielausschusses des DFB, Manfred Schnieders. „Danach war ich wieder zuversichtlicher“, so Kleine. Nach Rücksprache mit dem Architekten und der Stadt Hamm würden die geplanten Baumaßnahmen in der Evora Arena in der kommenden, spätestens in der übernächsten Woche beginnen. 

„Wir haben angeboten, noch einmal mit dem Sicherheitsbeauftragten des Verbandes eine Begehung vorzunehmen, um genau zu zeigen, was bis zum Saisonstart an Maßnahmen erfolgen wird“, erklärte Kleine. Rhynerns Vorsitzender hatte in den Gesprächen mit Schnieders durchaus den Eindruck, dass eine intensivere Kommunikation für ein Umdenken im Verbands-Fußballauschuss sorgen könnte.

Hamms Sportdezernent Markus Kreuz sagte: "Ich bin verärgert und irritiert zugleich. Wir haben Gespräche mit den Vereinen, der Polizei und dem Verband geführt und deshalb die Umbaumaßnahmen in der Evora-Arena eingelistet. Die ersten Aufträge sind bereits vergeben, wir wären pünktlich zum 28. Juli fertig gewesen." Die Fertigstellung der 450 000 Euro verschlingenden Maßnahmen rechtzeitig zum Saisonstart am 28. Juli werde die Stadt noch einmal schriftlich gegenüber dem Verband garantieren.

Der Verband begründet seine Entscheidung damit, dass die Evora-Arena zum Stichtag 31. Mai nicht Regionalliga-tauglich gewesen sei. So kann man nicht miteinander umgehen. Dann hätten wir uns die ganzen Gespräche auch sparen können. Wir werden die Baumaßanahmen in der Evora-Arena dennoch fortführen und hoffen, dass die Vereine mit ihren Protesten Erfolg haben werden."

Westfalia Rhynern steigt nach 1:0 gegen Kaan Marienborn in Regionalliga auf

In eine andere Kerbe schlägt indes Reinhold Spohn, Oberliga-Staffelleiter und Mitglied des WDFV-Fußballausschusses: "In dem Stadion ist nichts passiert. Westfalia Rhynern hatte bis 31. Mai die Möglichkeit, die Bescheinigung vorzulegen. Danach hat er sich nicht mehr mit dem Verband in Verbindung gesetzt, um das Gespräch zu suchen, um vielleicht eine gemeinsame Lösung zu finden. Da gab es meines Wissens nichts.“

"Mal abwarten, was jetzt passiert"

Rhynerns Trainer Holger Wortmann sagte entsetzt: "Das ist eine Vollkatastrophe. Wir beginnen heute Abend am Papenloh mit dem Training. Da stehe ich vor einer Mannschaft, der ich jede Euphorie nehmen muss. Wir haben uns alle so auf die Regionalliga gefreut. Einige Spieler haben schließlich bei uns zugesagt, weil sie unbedingt in der Regionalliga spielen wollten. Mal abwarten was jetzt passiert." 

In einer Veröffentlichung auf der Homepage des WDFV heißt es wörtlich: "Dem SV Westfalia Rhynern war am 25. April 2017 die Bedingung auferlegt worden, dass jeweils eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Stadioneigentümers (Stadt Hamm) und der örtlich zuständigen Polizeibehörde eingereicht werden muss, dass in der Evora-Arena Spiele mit erhöhtem Risiko gemäß § 27 der Sicherheits-Mindeststandards (Risikospiele) uneingeschränkt durchgeführt werden können. 

WDFV weist auf Begehung aus 2017 hin

Diese Bedingung war bis zum 31. Mai 2017 zu erfüllen. Am 31. Mai 2017 wurden Erklärungen der Stadt Hamm und der örtlich zuständigen Polizeibehörde eingereicht, wonach aktuell die Sicherheits-Mindeststandards nicht erfüllt werden. Verwiesen wurde auf geplante Baumaßnahmen, die eine spätere Neubewertung möglich machen könnten.

Fußball Oberliga: Hammer SpVg - Westfalia Rhynern 0:1

Bereits vor zwei Jahren wurde eine Stadionbegehung der Spielstätte Evora-Arena im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für die Regionalliga West für die Spielzeit 2015/2016 mit Vertretern des Vereins, der Stadt, der örtlich zuständigen Polizei und des Verbandes durchgeführt. 

Seinerzeit wurden die Mängel benannt, aus deren Gründen die Spielstätte nicht geeignet ist für die Durchführung von Spielen mit erhöhtem Risiko. Seit diesem Zeitpunkt ist in der Spielstätte Evora-Arena keine bauliche Maßnahme durchgeführt worden. 

Tabellenvierter hat sich nicht beworben

Im Laufe des Bewerbungsverfahrens für die Saison 2017/2018 wurden nur Absichtserklärungen seitens des Vereins oder der Stadt abgegeben, das Stadion so umzubauen, dass Spiele mit erhöhtem Risiko dort ausgetragen werden können. 

Für die Durchführung eines ordnungsgemäßen Spielbetriebs der Regionalliga West ist es zwingend erforderlich, dass eine Spielstätte zur Verfügung steht, in der auf jeden Fall auch Risiko/Sicherheitsspiele durchgeführt werden können.

So weit der Verband in seiner Mitteilung - das juristische Nachspiel wird definitiv folgen.

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