Eishockey

Der Kapitän geht von Bord: Kevin Thau verlässt die Eisbären

Auf die Führungsqualitäten von Kevin Thau müssen die Hammer Eisbären in Zukunft verzichten.
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Auf die Führungsqualitäten von Kevin Thau müssen die Hammer Eisbären in Zukunft verzichten.

Der Kapitän geht von Bord. Weil die Eisbären für die kommende Saison in der Eishockey-Oberliga professionellere Strukturen schaffen wollen, hat Kevin Thau seinen Abschied angekündigt. Der 30-jährige Angreifer kann allein schon aus beruflichen Gründen so einen großen Aufwand nicht mehr leisten.

Hamm – Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. „Ich habe lange mit mir gekämpft“, bestätigt Kevin Thau, der in vergangenen Saison Kapitän der Hammer Eisbären war. „Doch der Verein will professionellere Strukturen schaffen. Da wird mir der Aufwand für die Oberliga einfach zu groß. Deshalb werde ich den Verein verlassen“, erklärt der 30-jährige Stürmer.

Eine große Rolle habe bei seinen Überlegungen der neue Trainer gespielt. „Unter Ralf Hoja hätte ich vermutlich noch ein Jahr weitergemacht“, sagt der in Dortmund lebende und arbeitende Thau. „Persönlich habe ich überhaupt nichts gegen Jeff Job. Ich kenne ihn gar nicht“, beteuert Thau. „Doch seine Aussage bei der Vorstellung, dass er nur Leute haben will, die hundertprozentig mitziehen können, hat mich in meiner Auffassung gestärkt, jetzt einen Schlussstrich in Hamm zu ziehen“, betont der Angreifer. „Da ich noch fünf Tage in der Woche arbeiten muss, oft morgens ab 5 Uhr, kann ich mir es einfach nicht erlauben, in Zukunft auch noch samstags zu trainieren. Das schaffe ich in meinem Alter nicht mehr. Da spielt der Körper nicht mehr mit.“

Verständnis für die Umstrukturierung

Er habe durchaus Verständnis dafür, dass sich die Eisbären professioneller aufstellen wollen und müssen. „Wenn man mal ganz ehrlich ist, hatten wir mit unserer Truppe in der vergangenen Saison doch in der Oberliga nichts zu suchen“, gesteht er ein. Trotz der vielen Niederlagen haben ihm die Spiele gegen so starke Konkurrenten sehr viel Spaß bereitet. „Schöner wäre es noch gewesen, wenn auch Zuschauer hätten dabei sein können. Ich hätte gerne mal vor den großen Kulissen bei den Hannover Scorpions, den Indians oder aber in Leipzig gespielt. Aber das war ja wegen der Pandemie leider nicht möglich“, sagt Thau. „Und vielleicht hätten wir vor eigenem Publikum bei den engen Spielen auch den einen oder anderen Punkt mehr geholt.“

Wenn die Hammer in Zukunft in der dritthöchsten Klasse eine bessere Rolle spielen wollen, dann müssten sie sich erheblich verstärken. „Da werden sie auch tiefer in die Tasche greifen müssen“, sagt Thau. „Doch ich habe da keine Bedenken. In Hamm arbeiten im Umfeld der Mannschaft nur vernünftige Leute die wissen, was sie tun. Sie werden kein Risiko eingehen und die Existenz des Vereins gefährden.“

Sechs tolle Jahre in Hamm

An die Zeit bei den Eisbären wird er immer gerne zurückdenken. 2015 war er vom damaligen Hammer Erzrivalen Eisadler Dortmund nach Werries gewechselt, was er auch nie bereut hat. „Es waren wirklich sechs tolle Jahre in Hamm“, erzählt der im sächsischen Bad Muskau (Kreis Görlitz) geborene Thau, der seine ersten Gehversuche auf dem Eis beim ES Weißwasser startete, ehe es ihn 2006 in die damalige Jugendbundesliga zu den Young Roosters nach Iserlohn zog. Krefeld, Rostock. Löwen Frankfurt, Bietigheim Steelers und Königsborner JEC waren die weiteren Stationen, die er in seiner bisherigen Karriere besuchte. „Hamm war dabei sicherlich die schönste Zeit, nicht nur wegen der Regionalliga-Meisterschaft 2017“, beteuert Thau, der zumindest in den Regionalliga-Jahren immer zu den Topscorern im Team zählte. „Wir hatten bei den Eisbären einfach eine tolle Truppe. Der Zusammenhalt war bei keinem anderen Verein zuvor so groß wie in Hamm.“

Der Abschied fällt schwer

Umso schwerer fällt ihm jetzt der Abschied. Was er in Zukunft machen wird, weiß er noch nicht. „Es hat in den vergangenen Tagen schon einige Anfragen von anderen Vereinen gegeben. „Viele erwarten doch jetzt, dass ich wieder für Dortmund spiele. Ich habe mich aber noch nicht entschieden. Eishockey macht mir immer noch sehr viel Spaß. Deswegen wird die Tendenz wohl dahin gehen, dass ich mir auf jeden Fall eine neue sportliche Herausforderung suchen werde, die ich mit meinem Beruf und der Familie vereinbaren kann“, sagt Thau.

Den Kontakt zu den Hamm er Eisbären wird er dabei aber keineswegs abbrechen: „Wir werden uns sicherlich auch in Zukunft noch bei dem einen oder anderen Meisterschaftsspiel in der Eishalle in Werries sehen.“

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