Kanu-Ass Jasmin Schornberg freut sich auf Nachwuchs

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Hat schon die ersten Baby-Schühchen: Jasmin Schornberg muss wegen der Schwangerschaft sportlich etwas kürzer treten.

Hamm - „Corona hat auch gute Seiten“, sagt Jasmin Schornberg und grinst dabei über beide Wangen. Das Kanuslalom-Ass vom KR Hamm hat – etwas flapsig formuliert – die weltweite Wettkampf- und Trainingspause aufgrund der Pandemie genutzt, um die Familienplanung voran zu treiben.

Die Kanu-Weltmeisterin wird im November zum ersten Mal Mama. Trotz Babypause denkt die 34-Jährige aber nicht daran, das Paddel endgültig im Hobbykeller zu verstauen. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, erklärte Schornberg, nachdem sie bei der WM im September in Spanien sowohl das Finale im Kajak als auch im Canadier verpasst hatte. Das war in La Seu d’ Urgell. Genau dort fuhr die Lippstädterin 2009 einen ihrer größten Erfolge ein und wurde Weltmeisterin. Es folgten Medaillen über Medaillen und 2012 – die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London, wo sie Fünfte wurde. 2018 gewann sie mit der deutschen Mannschaft noch einmal Silber bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. Und nun, alles vorbei?

Intensives Vier-Augen-Gespräch

 „Ich habe mir zwei, drei Wochen eine Auszeit genommen und nachgedacht, wie es weitergehen soll“, erwägte die Spitzensportlerin im Herbst ein mögliches Karriereende. Auch deshalb, weil sie keinen Trainer hatte. Das änderte sich jedoch, als Klaus Pohlen den Chefposten im Kanuslalom übernahm. In einem intensiven Vier-Augen-Gespräch sicherte der neue Boss der in Augsburg wohnenden Lippstädterin zu, sie bis zur Europameisterschaft in London zu betreuen. Das war der entscheidende Paddelschlag für die 34-Jährige, ihre Laufbahn eben bis zur für Anfang Mai geplanten EM in der England-Metropole zu verlängern.

Weiter im Nationalteam

 „Ich habe mich richtig darauf gefreut“, verrät das Kanu-Ass, „ich liebe diese tolle Stadt. Und die Teamkameraden, die sind wie eine Familie für mich.“ Tatsächlich legte sich Schornberg, die seit zwei Jahren in der Marketingabteilung eines renommierten Augsburger Rucksack-Herstellers arbeitet, mächtig ins Zeug und machte unter Klaus Pohlen sichtbare Fortschritte. „Ich war topfit“, träumte die werdende Mama bereits heimlich von einer Medaille. Doch dann kam Corona. Keine Europameisterschaft. Stattdessen zwei Wochen absoluter Stillstand. Immerhin: Mit einer Ausnahmegenehmigung durften die Mitglieder der Nationalmannschaft – und dazu gehört Jasmin Schornberg nach wie vor – relativ schnell wieder im Augsburger Eiskanal trainieren.

 „Ich habe das sehr vermisst. Kein Wunder, wenn man 20 Jahre lang jeden Tag zweimal ins Boot gestiegen ist“, so die Kanutin, die für KR Hamm an den Start geht. In diesen Tagen lässt es Jasmin Schornberg etwas lockerer angehen. Zwei-, dreimal die Woche – das reicht, „weil ich einfach gern Sport treibe und es Spaß bringt, durch die Wellen zu paddeln.“ Das alles ohne Druck und Wettkampfstress. 

Das Pensum drosseln

Künftig wird sie das Pensum wegen ihrer Schwangerschaft drosseln. „Jetzt merkt man erst, wie sehr die Bauchmuskeln im Kanusport gebraucht werden.“ Olympia 2021 in Tokio hat die Weltmeisterin von 2009 weitgehend abgehakt („Das dürfte ziemlich knapp werden“). Zumal sie sich diesmal nicht qualifizieren konnte. Auch nicht im erstmals olympischen Damen-Canadier. „Dort hätte ich vielleicht ein Jahr früher einsteigen sollen. Letztlich war es ein Spaßprojekt“, fasst Schornberg zusammen. Eines, das sie immerhin zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft führte.

 Die Knie danken es ihr: „Ich bin froh, dass die Blutzufuhr zu den Unterschenkeln jetzt nicht mehr abgeschnürt wird. Ich habe mich da ganz schön durchgequält.“ Aktuell ist genau das Gegenteil der Fall – die Freude auf das Kind, viel Zeit für den Freund und keinen Stress im Sport. „Ich genieße das total“, strahlt die werdende Mama. Was keineswegs bedeutet, dass das berühmte Paddel in der Ecke verschwindet: Vielleicht nehme ich rein aus Spaß mal an einer Deutschen Meisterschaft teil. Obwohl: Ich weiß nicht, ob ich es gut verkraften könnte, wenn ich mich hinten einreihen müsste.“ Nur ein bisschen auf der Strecke rumgurken, das gibt es imLeben von Jasmin Schornberg nicht. Das verbietet schon der Ehrgeiz einer Leistungssportlerin.

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