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RWA-Sportdirektor Krug warnt vor Westfalia Rhynern

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Von: Patrick Droste

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RWA-Sportdirektor Joachim Krug erwartet am Mittwoch in Rhynern ein 50:50-Spiel.
RWA-Sportdirektor Joachim Krug erwartet am Mittwoch in Rhynern ein 50:50-Spiel. © Wegener

Auf ein interessantes Kräftemessen können sich die Zuschauer freuen, wenn am Mittwochabend im Achtelfinale des Westfalenpokals Fußball-Regionalligist RW Ahlen um 19.30 Uhr beim SV Westfalia Rhynern gastiert. Patrick Droste sprach im Vorfeld der Partie mit RWA-Sportdirektor Joachim Krug über die Chancen des klassentieferen Oberligisten und über seinen Ex-Verein Hammer SpVg.

Hamm – Herr Krug, Ihr Trainer Andreas Zimmermann war am Sonntag extra nach Rhynern gekommen, um die Westfalia im Heimspiel gegen Vreden zu beobachten. Sie nehmen die Partie also durchaus ernst, oder?

Das ist doch klar. Alles andere wäre doch fahrlässig. Bis auf die Partie in Sprockhövel hat Rhynern ja bislang eine starke Saison gespielt, da muss man sich schon ein Bild vom Gegner machen. Außerdem haben wir die Westfalia noch aus der Vorbereitung vor Augen. Da haben wir zwar 4:0 gewonnen, aber die Begegnung hätte auch 2:2 ausgehen können. Außerdem hat Rhynern Heimvorteil, es ist ein Flutlichtspiel, der Platz ist tief, es sind keine leichten Bedingungen.

Also erwarten Sie ein enges Aufeinandertreffen?

Auf jeden Fall. Gegen eine sehr gut besetzte Oberliga-Mannschaft, wie es Rhynern ist, wird es schwer. Das hat ja auch schon Wiedenbrück bei der 0:1-Niederlage erfahren müssen. In einem einzigen Spiel ist immer alles möglich. Wenn wir nicht in Bestbesetzung auflaufen und nicht 100 Prozent geben, werden wir verlieren. Es gibt keinen Grund, die Rhyneraner zu unterschätzen, die sind brandgefährlich. Das ist ein 50:50-Spiel.

RW Ahlen hat in der Regionalliga bislang zwei Siege eingefahren, steht über dem Strich – Sie müssen doch aktuell durchaus zufrieden sein?

Von 20 Teams steigen fünf ab, also ein Viertel. Sieben bis acht Mannschaften haben damit nichts zu tun, zehn bis zwölf dagegen schon. Ich finde, da hat der Verband wenig Respekt gegenüber den Vereinen gezeigt, das finde ich nicht in Ordnung. Die Liga ist unglaublich schwer, einfach stark besetzt. Selbst Uerdingen, das als Letzter erst einen Sieg gelandet hat, kann gewinnen, wenn man dieses Team unterschätzt. Das ist schon eine harte Nummer. Wenn man nicht auf der Höhe ist, bekommt man gleich einen auf den Deckel, so wie wir am Samstag beim 2:6 gegen die U23 vom 1. FC Köln.

Joachim Krug: Fußballer und Krimi-Autor

Joachim Krug (66) war als Spieler unter anderem für den VfL Wolfsburg und Westfalia Herne aktiv. Als Trainer leitete er die sportlichen Geschicke zum Beispiel bei Arminia Bielefeld, VfB Oldenburg sowie LR und RW Ahlen. Von 2004 bis 2009 war er Sportdirektor bei der Hammer SpVg, ehe er in gleicher Funktion zu RB Leipzig wechselte. Seit Juli 2012 hat er zum dritten Mal den Posten des Sportdirektors in Ahlen inne. 2016 hat er seinen ersten Kriminalroman mit dem Titel „Schwarzer Drache“ veröffentlicht, sechs weitere Ausgaben um einen Leipziger Polizisten folgten seitdem.

Wie stark diese Liga ist, musste ja auch schon der SV Westfalia erleben, der ein Jahr nach dem Aufstieg direkt wieder zurück in die Oberliga musste. Ist der Unterschied zwischen den Ligen wirklich so groß?

Das ist mehr als eine Liga Unterschied. Man stößt da, und das hat Rhynern auch gemerkt, schnell an seine natürlichen Grenzen. Aber die Rhyneraner wussten das ja vorher. Es gab da in dem Jahr ja keinen Stress. Man hat keine Schulden gemacht, hat sich sympathisch verkauft – und dann ging es zurück. In einem Spiel kann ein Oberligist einen Regionalligisten schlagen, aber über die ganze Saison ist es schwer, da mitzuhalten.

Rhynern hat das Jahr in der Tat gut verdaut, steht auch jetzt in der Oberliga wieder auf Platz vier. Was macht die Westfalia in Ihren Augen richtig?

Rhynern hält seit vielen Jahren seinen Stamm, den aktuell so Jungs wie die Kleine-Brüder, Neumann, Wiese oder Hahnemann bilden. Und dazu holt man immer wieder unerfahrene Leute aus unteren Ligen. Das heißt ja nicht, dass diese Jungs kein Fußball spielen können. Andere Vereine würden vielleicht was auf die Mütze bekommen, wenn es mit Jungs aus unterklassigen Vereinen mal nicht laufen würde. Aber in Rhynern bekommen diese Spieler die nötige Zeit, um sich zu entwickeln. Es gibt keinen Druck, man behält die Ruhe, alles ist sehr unaufgeregt. Und dann hat man eben auf einmal so einen Eduard Probst vorne drin, den vorher nur Insider kannten und der jetzt schon sieben Treffer erzielt hat.

Sie waren auch fünf Jahre lang bei der Hammer SpVg tätig. Verfolgen Sie das Geschehen bei Ihrem Ex-Verein auch immer noch?

Ja, aber jetzt als Außenstehender, ohne dass ich noch Interna mitbekomme. Ich finde es gut, dass mit Steven Degelmann ein bisschen Kontinuität reingekommen ist. Die Mannschaft hat jetzt auch schon zwei Spiele gewonnen. Daher bin ich relativ optimistisch, dass die Klasse gehalten werden kann. Zu mehr wird es aber erst einmal nicht reichen. Da ist Rhynern deutlich stärker aufgestellt, da kann die HSV aktuell nicht mithalten.

Sie haben neben dem Sport als Autor von Kriminalromanen eine weitere Leidenschaft für sich entdeckt. Wie kam dies?

Ich habe früher schon immer sehr viel gelesen. Und da sind im meinem Kopf viele Sachen hängen geblieben. Dann habe ich das erste Buch um den Leipziger Hauptkommissar Jan Krüger geschrieben, anschließend das zweite. Jetzt ist gerade das siebte erschienen, und das achte ist in der Pipeline. Jetzt überlege ich, ob ich nicht ein Buch über das erste Jahr bei RB Leipzig schreiben soll. Unter dem Aspekt, wie sich der Verein bis heute entwickelt hätte, wäre das sicherlich super spannend und interessant. Wir haben in dem einen Jahr ja unglaublich viel gemacht, getan und erlebt.

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