Im Interview

Jasmin Schornberg: Mit Metallica im Ohr zur Kanuslalom-WM

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Jasmin Schornberg hat sich hohe Ziele für die anstehende WM gesetzt

Seit vergangenem Mittwoch ist Jasmin Schornberg, Kanuslalom-Ass vom Kanu-Ring Hamm, bereits in La Seu d’Urgell und bereitet sich auf ihren Doppelstart im Kajak und Canadier bei den Weltmeisterschaften vor. Mit Patrick Droste hat sie über Erinnerungen, Ziele und ihren Musikgeschmack gesprochen.

Frau Schornberg, im Herbst Ihrer Karriere nehmen Sie nochmals an einer Weltmeisterschaft teil. Das muss doch ein besonderes Gefühl sein? 

Auf jeden Fall. Ich freue mich sehr, dass ich bei der Weltmeisterschaft fahren darf, ich werde das richtig genießen. Zumal ich hier in La Seu d’Urgell vor zehn Jahren das erste und einzige Mal in meiner Karriere Weltmeisterin geworden bin. Und jetzt bin ich noch in zwei Disziplinen am Start. Das ist schon etwas Besonderes. 

Sie sprachen es an. Sie haben in La Seu d’Urgell vor zehn Jahren den WM-Titel gewonnen. Hat die Olympia-Strecke von 1992 seitdem etwas Besonderes, etwas Spezielles für Sie? 

Alles ist hier irgendwie speziell. La Seu d’Urgell ist ein schönes Örtchen. Und die Strecke liegt am Rande dieser kleinen Stadt. Die Anlage ist total grün. Früher mochte ich die Strecke allerdings gar nicht, weil sie so eng ist und man mit seinem Boot oder mit dem Heck schnell an den Rand haut oder da hängenbleibt. Mit dem Sieg bei der WM 2009 hat sich das natürlich geändert, wobei die Strecke immer noch recht kniffelig ist. 

Jasmin Schornberg gewann 2009 in La Seu d’Urgell die Goldmedaille

Jetzt gehen Sie in zwei Disziplinen an den Start? Haben Sie ein bisschen Bedenken, dass Sie sich damit zu viel zumuten, zumal Sie ja im Einzel und in der Mannschaft im Kajak und im Canadier an den Start gehen? 

Es wird auf jeden Fall anstrengend. Aber die Wettbewerbe im Kajak und Canadier finden an unterschiedlichen Tagen statt, das werde ich schon hinbekommen. Ich freue mich einfach, dass ich mir diesen Doppelstart erarbeitet habe. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich im Canadier so schnell so gut entwickeln kann. Ich trainiere in diesem Boot ja erst seit einem Jahr intensiv. Und trotzdem bin ich zum Beispiel beim Weltcup in Leipzig auf Platz sechs gefahren. Ich weiß nicht, wie ich im Canadier jetzt hier zurecht komme und wie gut meine Zeiten sein werden. Aber ich werde meine Bestes geben und will hier einfach viel Spaß haben. 

Aber neben dem Spaß haben Sie sich doch sicherlich auch konkrete Ziele gesetzt? Zumal Sie im Canadier noch eine Mini-Chance auf die Olympia-Teilnahme haben. 

Ich werde in beiden Disziplinen auf Angriff fahren und zeigen, was ich kann. Wenn es dann zum Sprung ins Finale oder gar zu einer Medaille oder sogar für Olympia reicht, wäre das super. Und wenn es nicht klappt, dann kann ich es auch nicht ändern. Ich werde jedenfalls versuchen, gute Wettkämpfe zu zeigen und alles raushauen. 

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Form? 

Ich fühle mich gut. Ich war in dieser Saison immer mal wieder krank, aber Gott sei Dank bin ich jetzt gesund. Ich bin zuletzt noch bei den Deutschen Meisterschaften gestartet, weil ich einfach Lust auf einen Wettkampf hatte. Das ist in Hohenlimburg eine physische Strecke, weil es dort einige Flachstücke gibt. Aber da habe ich gesehen, dass die Fitness passt. Ich bin jedenfalls bereit und freue mich darauf, wenn es bei der WM losgeht. 

Das Jahr 2019 ging für Sie nicht ganz so gut los. Anfang des Jahres standen Sie ohne Coach da und mussten sich alleine durch die Vorbereitung schlagen. Haben Sie nun jemanden an Ihrer Seite? 

Ja. Michael Seibert hatte mich Anfang des Jahres, als ich keinen Coach vom Verband gestellt bekommen hatte, etwas aufgefangen und sich um mich gekümmert. Und seitdem ich michfür die Nationalmannschaft qualifiziert hatte, macht er das offiziell. Er ist auch hier bei der WM dabei. 

Mit 33 Jahren verfügen Sie über viel Erfahrung und Routine. Hilft das beim Ritt über die Wellen und durch die Stangen? Braucht man da überhaupt noch einen Trainer? 

Ja, den braucht man auf jeden Fall. Und ja, Erfahrung ist natürlich sehr wichtig. Man weiß mit den Jahren besser, wie man ein Rennen angeht, wie man sich vorbereitet, man kennt die Abläufe. Das ist schon gut. 

Lernen Sie den Kurs mit seinen Stangen und auch den schnellen Wasser-Passagen auswendig oder wie bereiten Sie sich auf ein Rennen vor? 

Im Training versucht man, möglichst viele verschiedene Kombinationen zu trainieren, um für sich die beste Linie herauszufinden. Aber für den Wettkampf wird neu ausgehängt, und man darf den Kurs dann nicht mehr befahren. Daher schaut man sich den Parcours vom Ufer aus an, um die schnellste Linie zu finden. Und man beobachtet auch die Fahrerinnen vor einem, wo sie Zeit gutmachen oder verlieren. Und dann versucht man das umzusetzen und hofft, dass es klappt und dass man schnell unterwegs ist. 

Was werden Sie neben Ihrer Routine in die Waagschale werfen, um bei der WM möglichst erfolgreich zu sein? 

Ich bin vielleicht nicht die Sprintstärkste, aber ich denke, ich habe eine recht gute Technik. Ich werde mir einen Plan zurecht legen. Und wenn ich den gut umsetzen kann, dann hoffe ich, erfolgreich zu sein. 

Wie bereiten Sie sich vor einem Rennen vor? Setzen Sie auf Konzentrationsübungen oder hören Sie Musik? 

Ich höre Heavy Metal. Das ist die Musik, die ich mag. Es muss krachen und laut sein. Ich war dieses Jahr auch auf einem Konzert von Metallica in München. Ich bin jetzt nicht diejenige, die dann Headbanging macht, aber ich finde diese Musik megagut, sie ist genau mein Ding. Korn gehört auch zu meinen Favoriten. Ich suche mir vor dem Rennen von diesen Bands die Lieblingslieder raus und bringe mich damit in Stimmung. 

Mit 33 Jahren neigt sich Ihre Karriere dem Ende. Reichtümer konnten Sie nicht sammeln, dafür sind Sie Weltmeisterin geworden und haben 2012 in London an den Olympischen Spielen teilgenommen. Wie fällt Ihre Bilanz aus? 

Was hat Ihnen der Kanusport in den vergangenen Jahren gegeben? Sehr, sehr viel. Ich möchte diese Zeit nicht missen. Ich bin durch den Sport viel gereist, habe viele Länder gesehen, habe im Ausland viele Bekanntschaften gemacht und zahlreiche Freunde gewonnen. Natürlich ist es im Winter mit eiskalten Händen nicht immer toll. Da muss man sich schon manchmal überwinden, ins Boot zu steigen. Aber es gab auch viele schöne Wintertage, wenn morgens die Sonne aufgeht, es leicht schneit und es total still ist. Ich muss aber auch sagen, dass ich es liebe, mich mit anderen zu messen. Daher habe ich immer total gerne an Wettkämpfen teilgenommen. Und bei welchem anderen Job hat man so viel Wertschätzung bei Erfolg? 

Ein Blick zurück in das Jahr 2002, als Jasmin Schornbergs Laufbahn beim Kanu-Ring Hamm begann

Die größte Wertschätzung haben Sie 2009 mit dem WM-Sieg erfahren. Was für Erinnerungen haben Sie an diesen Tag in La Seu d’Urgell?

Natürlich nur gute. Aber leider ist das schon so lange her, dass ich da nicht mehr viel von vor Augen habe. Das ist schade, dass solch tolle Momente so schnell verschwinden. Daher muss man immer versuchen, so etwas aufzusaugen. Ich weiß noch, dass ich im Finale recht früh gestartet bin und im Zielbereich der Konkurrenz zugeschaut habe. Ich konnte es kaum glauben, dass eine nach der anderen langsamer war als ich. Als mein Sieg feststand, habe ich mit meinem Heimtrainer Jürgen Schubert, meinen Eltern und meinem Freund gefeiert. Das war Freude pur. 

Gab es auch eine größte Niederlage? 

Sportlich war das sicherlich mein fünfter Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Da konnte ich leider nicht das abrufen, was ich zum damaligen Zeitpunkt draufhatte. Aber es gab auch Niederlagen, die mit Sport nichts zu tun hatten. So wie der Krebs-Tod meiner Team-Kollegin Claudia Bär im Jahr 2015 und der Tod meines Trainers Stefan Henze 2016 bei dem Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Da gab es anschließend viele Trainingseinheiten, wo ich geweint habe. Und wenn man dann vielleicht mal seine Leistung nicht so abrufen kann, dann sind es manchmal solche privaten Dinge, die einen beschäftigen. Ich hatte da schon arg dran zu knabbern. 

Sie haben neben Ihrem Sport Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert. Wie sieht Ihr Leben in den nächsten Jahren aus? 

Derzeit arbeite ich in der Marketingabteilung einer Outdoor-Firma, schreibe da Katalogtexte und werde da ab Herbst in ein Angestellten-Verhältnis übergehen. In dieser Branche fühle ich mich wohl. Ich würde auch gerne was im Sportjournalismus-Bereich machen. Aber es ist schwer, etwas zu finden, was mich so erfüllt, wie es der Kanusport in den vergangenen Jahren gemacht hat. Das wird ein komplett neuer Lebensabschnitt sein. Aber ich werde auch noch weiter Kanuslalom fahren. Das wird zwar meine letzte WM sein, aber als Ersatzboot für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Tokio werde ich mich fit halten.

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