Kanu-Slalom

Nach Baby-Pause: Jasmin Schornberg startet Comeback-Versuch

Mit Kinderwagen und Baby Paula ist Jasmin Schornberg in Markkleeberg angereist.
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Mit Kinderwagen und Baby Paula ist Jasmin Schornberg in Markkleeberg angereist.

Überraschend mit zwei Booten wird der Kanu-Ring Hamm am Wochenende bei der Sichtung des Deutschen Kanu-Verbandes im Kanu-Slalom in Markkleeberg bei Leipzig an den Start gehen. Dabei kämpft der Hammer Stefan Hengst um das EM-Ticket, während Jasmin Schornberg nach der Baby-Pause einen Comeback-Versuch wagt.

Markkleeberg – Die Entscheidung fiel zu Beginn der Woche nach einem weiteren intensiven Gespräch mit ihrem Heimtrainer Jürgen Schubert vom Kanu-Ring Hamm. Jasmin Schornberg kehrt nach einer einjährigen Baby-Pause zurück und wird am Wochenende in Markkleeberg bei Leipzig an der internen Kanu-Slalom-Sichtung des Deutschen Kanu-Verbandes teilnehmen. Dort werden von Freitag bis Sonntag die Tickets für die Europameisterschaften vom 6. bis 9. Mai im italienischen Ivrea sowie weitere Startplätze für die Weltcuprennen der Saison vergeben, sofern sie überhaupt stattfinden werden.

Während es für den Heessener Stefan Hengst am Wochenende in Markkleeberg einzig und allein um die EM-Fahrkarte geht, sieht Schornberg ihren Comeback-Versuch in erster Linie als Leistungstest an, wo sie nach der langen Pause und der kurzen Trainingsphase seit Jahresbeginn überhaupt steht.

Eine kurzfristige Entscheidung

Schornberg, seit Anfang des Monats 35 Jahre alt, brachte im November Tochter Paula zur Welt. Als jahrelange Leistungssportlerin musste sie auch danach wieder das Training aufnehmen. Dabei merkte sie, so Schubert, dass sie immer noch großen Spaß am Kanu-Sport hat. „Ich habe kurz vor Weihnachten erstmals wieder im Boot gesessen und ein bisschen gepaddelt. Da habe ich schon gespürt, dass mir in den Monaten zuvor etwas gefehlt hat“, bestätigte die gebürtige Lippstädterin, die seit frühester Jugend für den Kanu-Ring Hamm fährt. „Ab Januar habe ich dann wieder zwei bis dreimal in der Woche locker für mich trainiert. Die Entscheidung, nach Leipzig zu fahren, haben wir dann ganz kurzfristig getroffen.“

Offiziell hatte die Weltmeisterin von 2009 und Olympiafünfte von 2012, als sie im vergangenen Jahr schwanger wurde, ihren Rücktritt nicht verkündet und sich immer noch eine kleine Tür zurück in den Leistungssport offen gelassen.

WM vor der eigenen Haustür

In Markkleeberg will sie jetzt am Wochenende erfahren, wie gut sie mit der viel jüngeren Konkurrenz mithalten kann. „Ich gehe komplett ohne Erwartungen in die Rennen. Ich will einfach nur Spaß haben und sehen, wo ich stehe“, meinte Schornberg. „Ganz einfach ist das nicht, mit einem Kind zu einem Wettkampf zu fahren. Ich will daher ausprobieren, ob das überhaupt funktioniert.“ Sollte das einigermaßen laufen, würde sie vielleicht sogar wieder ihr Trainingspensum intensivieren. Schornberg lebt mit ihrer Familie in Augsburg. Und dort finden im kommenden Jahr die Weltmeisterschaften statt. „Eine WM-Teilnahme vor der eigenen Haustür wäre sicherlich noch einmal eine schöne Herausforderung zum Abschluss meiner Karriere“, betonte die Kanu-Ring-Athletin, die am Wochenende von Jürgen Schubert betreut wird, der eigens nach Leipzig gereist ist, um sie bei der Vorbereitung und auch bei den drei Kajak-Durchgängen zu coachen. Ob sie anschließend weitermachen wird, hängt vor allem von den Ergebnissen ab. „Wenn ich nicht mehr mithalten kann, dann werde ich mich vielleicht ganz vom Leistungssport verabschieden und einfach tschüss sagen.“

In Markkleeberg wird sowohl bei den Damen als auch bei den Herren jeweils nur ein EM-Ticket vergeben. Bei den Damen sind die Olympia-Teilnehmerinnen Ricarda Funk (Bad Neuenahr) und Ersatzfahrerin Elena Apel (Weimar) gesetzt. Bei den Herren gilt das für den Augsburger Hannes Aigner und den Wiesbadener Tim Maxeiner. Während Schornberg nach so langer Wettkampfpause nicht mit einer Top-Platzierung rechnen kann, kämpft ihr Hammer Teamkollege Stefan Hengst einzig und allein um das EM-Ticket.

Hengst fühlt sich in guter Form

Ein Streichresultat kann sich Hengst an den drei Renntagen erlauben. Nur die beiden besten Ergebnisse werden gewertet. „Ich fühle mich fit, habe aber im Training gesehen, dass auch die anderen Jungs ganz gut drauf sind“, meinte der 27-Jährige, der sich bereits seit Beginn der Woche im Leipziger Vorort aufhält. „Die Strecke hier liegt mir ganz gut“, erklärte der ebenfalls in Augsburg lebende Hammer, der taktisch klug in die Rennen gehen will. „Man sollte sich nicht gleich im ersten Lauf ein Streichresultat erlauben. Diesen Nervenkitzel brauche ich nicht“, sagte Hengst, der am Freitag zum Auftakt zwar ein hohes Tempo gehen will, dabei aber noch nicht alles riskieren möchte. „Mit einem dritten Rang zum Auftakt wäre ich sehr zufrieden. Dann könnte ich am Samstag und Sonntag Vollgas geben.“

Offiziell findet diese Sichtung des Deutschen Kanu-Verbandes hinter verschlossenen Türen statt. Eigentlich waren für dieses Wochenende die Qualifikationswettkämpfe des DKV für den Leistungsklassen-Bereich sowie für die Junioren und Jugendlichen geplant. Wegen der Corona-Problematik wurde das Teilnehmerfeld drastisch reduziert. Der Nachwuchs wurde überhaupt nicht eingeladen. So werden bei den Herren vermutlich nur 15 Athleten an den Start gehen. Ähnlich klein wird die Konkurrenz bei den Damen aussehen.

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