Fußball

Jan-Phillip Vormann ist zurück in der Normalität

+
Endlich wieder Fußball: Jan-Phillip Vormann (rechts) im Spiel des SVE Heessen II beim VfK Nordbögge (3:3), hier mit Danny Strauß.

Als die Nieren von Jan-Phillip Vormann im Herbst 2017 nur noch zu 20 Prozent funktionierten, war das ein Riesenschock. Nach einer gut verlaufenen Transplantation ist der junge Fußballer zurück in der Normalität.

Hamm - Es war sein größter Wunsch. „Egal wann, aber ich will wieder Fußball spielen”, hatte Jan-Phillip Vormann trotz der niederschmetternden Nachricht vor eineinhalb Jahren gesagt, nachdem sich bei einer Biopsie herausgestellt hatte, dass 80 Prozent seiner Nierenzellen verhärtet sind und er eine Spenderniere benötigt. Jetzt hat sich der 20-Jährige, der unter dem Alportsyndrom leidet und daher auch schwerhörig ist, seinen Traum erfüllt und lief schon zweimal für die Reserve des SVE Heessen in der Kreisliga B auf. 

Sowohl beim 5:1-Heimsieg über den TuS 59 Hamm als auch am vergangenen Sonntag beim 3:3 in Nordbögge wurde Vormann jeweils in der Schlussphase eingewechselt – und genoss die wenigen Minuten auf dem Platz in vollen Zügen. „Angst hatte ich gar nicht. Es war einfach nur eine große Freude”, verrät er.

Im vergangenen Sommer hatte er von seiner Mutter Nadine eine Spenderniere erhalten. Damit das Organ nicht von seinem Körper abgestoßen wird, musste er entsprechende Tabletten nehmen.

Immer wieder zurückgeworfen

Diese Immunsuppressiva schwächen das Immunsystem, damit sich der Körper an die fremde Niere gewöhnen kann. Aber das Medikament hat leider auch eine Menge Nebenwirkungen: Oftmals war Vormanns Blase entzündet. Und als zum Winter hin die Grippezeit begann, war er immer der Erste, der mit Schnupfen und Husten flach lag.

„Das hat mich natürlich immer wieder zurückgeworfen. Ich konnte nicht zur Schule, musste zuhause bleiben”, sagt der Schüler des Friedrich-List-Berufskollegs, der in diesem Jahr sein Fach-Abitur bauen und danach eine kaufmännische Ausbildung absolvieren möchte.

Seit Ende Dezember geht es allerdings gesundheitlich bergauf. Die Werte sind seit der Transplantation stabil, und im neuen Jahr hatte er bislang nur eine Blasenentzündung.

Rückkehr ins Mannschaftstraining

Da er sich immer fitter fühlte, begann er, sich sportlich zu betätigen. Am Anfang joggte er ein bisschen, nahm dann immer häufiger den Ball dazu, ehe er wieder in das Mannschaftstraining beim SVE II einstieg. „Mein Nephrologe hatte gesagt, ich soll lieber etwas machen als nur herumzuliegen”, hatte sich Vormann zuvor das Okay seines Arztes geholt und sagt: „Jetzt bin ich wieder voll dabei.”

Als er vor zehn Tagen das erste Mal wieder in einem Meisterschaftsspiel auflaufen sollte, hatte er sich vorher entsprechend präpariert. Von seiner Handball spielenden Schwester hatte er sich zwei ausrangierte Ellenbogenschoner genommen, diese ein wenig umgebaut und in seinen Nierenwärmer, den er sowieso trägt, als Schutz integriert. „Bedenken oder ein komisches Gefühl hatte ich keine, als ich an diesem Tag in der 75. Minute eingewechselt worden bin. Das war alles schon im Training verflogen”, erinnert sich Vormann. „Es war einfach nur schön, wieder dabei zu sein.”

Sportliche Träume sollen in Erfüllung gehen

Am Spielfeldrand hatten seine Familie, seine Freundin und einige Bekannte aufmerksam jeden Schritt von Vormann in seinen 15 Spielminuten verfolgt und sich gefreut, mit wie viel Enthusiasmus er wieder seinem Lieblingshobby nachgehen und damit allen signalisieren konnte, dass er wieder gesund ist. Am Sonntag, als er im Auswärtsspiel beim VfK Nordbögge erneut eingewechselt wurde, war es für ihn schon wieder ein Stück weit Normalität, im linken Mittelfeld dem runden Leder nachzujagen.

Doch auch wenn er wieder in seinem Leben angekommen ist, so gibt es für ihn weiter einige sportliche Träume, die er sich demnächst erfüllen möchte.

„Ich will bald wieder über die kompletten 90 Minuten spielen. Dann hoffe ich, in dieser Saison vielleicht noch ein Spiel in der Ersten zu bestreiten. Und dann möchte ich total gerne in der Bezirksliga wieder für den SVE auflaufen”, sagt Vormann, der seinen größten Kampf aber schon längst gewonnen hat. Denn er ist zurück in seinem Leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare