Fußball

Jan-Niklas Beste lernt jetzt Bayrisch - Fußballer aus Hamm beim SSV Jahn Regensburg

Jan-Niklas Beste, Fußballer aus Hamm, wurde für zwei Jahre von Werder Bremen an den SSV Jahn Regensburg ausgeliehen.
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Jan-Niklas Beste, Fußballer aus Hamm, wurde für zwei Jahre von Werder Bremen an den SSV Jahn Regensburg ausgeliehen.

Der Hammer Jan-Niklas Beste hat sich inzwischen beim Fußball-Zweitligisten Jahn Regensburg gut eingelebt. Nur Bayrisch muss er noch lernen.

Hamm/Regensburg – Die typische Begrüßung in der Landessprache fällt ihm nicht mehr schwer, geht ihm mittlerweile leicht und fast schon automatisch über die Lippen. Mit „Servus” beginnt Jan-Niklas Beste jede Whatsapp-Nachricht und auch jedes Telefonat. „Daran habe ich mich gewöhnt. Das hört man hier täglich. Und irgendwann übernimmt man das”, sagt der 22-Jahre alte Fußballer aus Hamm, der seit dem vergangenen Sommer für den SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga aufläuft und in der bayrischen Stadt an der Donau inzwischen sportlich sehr gut angekommen ist.

Sieben Zweitliga-Spiele hat Jan-Niklas Beste für seinen neuen Verein SSV Jahn Regensburg seit Ende November bestritten, dabei zwei Treffer erzielt – nachdem er vorher in der Vorbereitung und zum Saisonstart immer wieder durch verschiedenste Verletzungen außer Gefecht gesetzt worden war. Jetzt aber ist der junge Fußballer aus Hamm gesund und beschwerdefrei – und kann sein wahres Leistungspotenzial abrufen. „Ich bin körperlich fit. Und das sieht man dann auch auf dem Platz”, sagt er.

Jan-Niklas Beste: Fußballer aus Hamm beim SSV Jahn Regensburg - Zahlreiche Verletzungen

In der Jugend hatte Jan-Niklas Beste eher selten mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Im zarten Alter von acht Jahren war er, nachdem er zuvor beim VfL Mark das Fußball-Einmalmaleins gelernt hatte, von der Hammer SpVg zu Borussia Dortmund gewechselt, durchlief dort alle Jugendteams und wurde mit den B- und A-Junioren jeweils einmal Deutscher Meister. „Das war eine lange und coole Zeit”, erinnert sich der Fußballer aus Hamm vor allem sehr gerne an das Endspiel um den nationalen Titel am 22. Mai 2017, als der Nachwuchs des BVB den FC Bayern München im heimischen Signal Iduna Park vor 23.000 Zuschauern mit 8:7 nach Elfmeterschießen besiegte und der dem Jungjahrgang angehörende Beste dabei den ersten Elfer verwandelte.

Als Belohnung für seine guten Leistungen ließ der damalige Coach der Schwarz-Gelben, Peter Bosz, den damals 18-Jährigen Jan-NIklas Beste bei den Bundesliga-Profis mittrainieren und setzte ihn in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 4:0-Sieg gegen den Sechstligisten 1. FC Rielasingen-Arlen über die kompletten 90 Minuten ein. Zudem stand er im Hin- und Rückspiel der Europa-League-Zwischenrunde gegen Atalanta Bergamo zweimal im Kader. „Als dann aber Peter Bosz entlassen und durch Peter Stöger ersetzt wurde, musste ich zurück zu den A-Junioren”, erinnert sich Beste, der sich dann im März 2018 in einem U19-Länderspiel gegen Norwegen in Lippstadt einen Meniskusriss zuzog, wochenlang pausieren musste und beim BVB nach dem Wechsel in den Seniorenbereich keine Chance mehr sah.

Jan-Niklas Beste: Vor Engagement beim SSV Jahn Regensburg Stationen in Bremen und Emmen

Daher nahm er nur zu gerne das Angebot des SV Werder Bremen an, wo er bei den Bundesliga-Profis mittrainieren und nach seiner Zwangspause im U23-Team in der Regionalliga Nord Spielpraxis sammeln sollte. „Das war für mich gar nicht schlecht. Da tritt man als junger Spieler nämlich gegen echte Profis an, und ich konnte mich an das körperliche Spiel im Seniorenbereich gewöhnen. Das hat mir schon geholfen”, blickt Beste recht zufrieden auf die Saison 2018/19 zurück, als er 28-mal in der vierten Liga für das Nachwuchsteam des Erstligisten auflief und auf der linken Seite zum Stammspieler an der Weser avancierte.

Doch nach einem Jahr stand für ihn fest, dass er höherklassig als nur Regionalliga spielen möchte. Daher suchte er zusammen mit seinem Berater das Gespräch mit den Bremer Verantwortlichen – und wurde für eine Saison an den holländischen Erstligisten FC Emmen ausgeliehen. Doch dieses Engagement stand unter keinem guten Stern. Gleich im ersten Training zog sich der Fußballer aus Hamm einen Bänderriss am Sprunggelenk zu. „Das ging in Emmen leider schwierig los”, meint Jan-Niklas Beste. Nachdem er diese Verletzung gerade auskuriert hatte, riss er sich erneut den Meniskus, als er im Training im Kunstrasen hängengeblieben war. Und da die Saison aufgrund der Corona-Pandemie im vergangenen März vorzeitig abgebrochen wurde, kam er letztlich nur auf sechs Einsätze in der Eredivisie, der höchsten niederländischen Liga, für den FC Emmen. „Ich hatte sportlich gesehen ein komplettes Jahr verschenkt”, sagt er, fügt allerdings hinzu: „Persönlich haben mich diese Monate aber weiter gebracht. Ich war dort auf mich alleine gestellt und musste beispielsweise viel Englisch sprechen. Das war schon eine wichtige Erfahrung.”

Jan-Niklas Beste: Angebot vom SSV Jahn Regensburg kommt für Fußballer aus Hamm gerade recht

Dennoch war sein Plan nicht aufgegangen, in den Niederlanden wieder zu seiner Form zurückzufinden und sich für einen Platz im Bundesliga-Kader des SV Werder zu empfehlen. Daher kam das erneute Angebot des Zweitligisten SSV Jahn Regensburg, der schon im Sommer 2019 bei ihm angeklopft hatte, genau passend. „Das war natürlich eine feine Sache, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat”, sagt Jan-Niklas Beste, der von den Bremern erneut ausgeliehen wurde – dieses Mal eben an die Donau.

Doch auch in Bayern erwischte ihn viel zu schnell wieder das Verletzungspech. Gleich im ersten Training erlitt er erneut einen Bänderriss und war für fast einen Monat weg vom Fenster. „Das ist echt bitter gewesen. Man kommt in eine neue Mannschaft, will die Jungs kennenlernen und sich zeigen – und dann so etwas”, meint der Linksfuß, der sich anschließend aber wieder zurückkämpfte – und die nächsten Rückschläge wegstecken musste, als er sich zweimal hintereinander einen kleinen Faserriss zuzog. So dauerte es letztlich bis Mitte November des vergangenen Jahres, ehe er sich wieder fit meldete und am 22. November bei der 1:3-Niederlage bei der SpVgg Greuther Fürth seine Premiere im Trikot des SSV Jahn Regensburg feiern durfte.

SSV Jahn Regensburg: Jan-Niklas Beste wird zur wichtigen Stütze

Bis auf die Partie gegen Erzgebirge Aue Anfang Dezember kam Jan-Niklas Beste anschließend in jeder Begegnung für die Regensburger zum Einsatz, erzielte dabei zwei Treffer und ist zu einer wichtigen Stütze im Team von Cheftrainer Mersad Selimbegovic geworden. „Erst wenn man so oft verletzt war, weiß man, wie wichtig es ist, gesund zu sein, und man weiß das zu schätzen. Jetzt bin ich fit und kann meine Leistung bringen”, sagt der Fußballer aus Hamm, der nun aber nichts überstürzen will und sich daher für die kommenden Monate auch keine konkreten Ziele setzt. Für ihn geht es einfach darum, von weiteren Verletzungen verschont zu bleiben, Einsatzminuten bei SSV Jahn Regensburg zu sammeln und seinen Teil dazu beizutragen, dass sich der SSV schnell ein dickes Polster zu den Abstiegsrängen zulegt.

Wo Jan-Niklas Beste in den nächsten Jahren spielen wird, ist dabei noch ungewiss. Erst aber einmal wird er an der Donau bleiben. Denn die zweijährige Leihe in Regensburg gilt sowohl für die Spielzeit 2020/21 als auch für 2021/22. „Natürlich sind die Vereinswechsel stressig. Man zieht wieder um, wohnt zuerst in einem Hotel und muss immer eine komplett neue Mannschaft kennenlernen. Aber das gehört nun mal bei einem Fußball-Profi dazu”, sagt Beste, der sich aber wünscht, für den weiteren Verlauf seiner Karriere einen Verein zu finden, für den er über einen längeren Zeitraum auflaufen und wo er sich heimisch fühlen könnte. „Ich muss schauen, was in den nächsten Jahren passiert. Aber momentan geht es mir richtig gut, ich fühle mich in Regensburg sehr wohl und bin zufrieden”, stellt er klar, zumal er sich ja auch schon einige Eigenarten des bayrischen Sprachgebrauchs angewöhnt hat.

Jan-Niklas Beste: Fußballer aus Hamm in Regensburg - Zeit, sich an den bayrischen Dialekt zu gewöhnen

Nur bei einem Besuch des Vereinsarztes musste er zuletzt einige Male nachfragen, weil er beim ersten Versuch nicht sofort alles verstanden hatte, was ihm der Doktor mitteilen wollte. „Mit den Teamkollegen gibt es diese Probleme aber nicht”, sagt Jan-Niklas Beste – und lächelt dabei verschmitzt, denn er weiß, dass er noch eineinhalb weitere Jahre Zeit hat, sich an den bayrischen Dialekt zu gewöhnen.

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