Schöner kicken und wohnen an der Donau

Jan-Niklas Beste fühlt sich in Regensburg wohl und rockt mit dem SSV die 2. Liga

Der Hammer Jan-Niklas Beste trumpfte jüngst im Trikot von Jahn Regensburg beim 4:1-Sieg gegen den FC Schalke mit einem Tor und einem Assist stark auf.
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Der Hammer Jan-Niklas Beste trumpfte jüngst im Trikot von Jahn Regensburg beim 4:1-Sieg gegen den FC Schalke mit einem Tor und einem Assist stark auf.

Es tat dem FC Schalke doppelt weh. Zum einen war der Absteiger aus der Bundesliga beim SSV Jahn Regensburg mit 1:4 untergegangen. Zum anderen hatte mit Jan-Niklas Beste ausgerechnet ein ehemaliger Jugendspieler von Borussia Dortmund mit seinem herrlichen Distanzschuss die bittere Pleite der Knappen eingeleitet.

Hamm/Regensburg – Der gebürtige Hammer, der über den VfL Mark und die HSV bereits in jungen Jahren zum BVB gewechselt war, wollte von Genugtuung gegenüber den Königsblauen aber nichts wissen. „Die Derbys gegen Schalke in der Jugend waren früher natürlich immer sehr hitzig, das war jedes Mal das Spiel des Jahres“, sagt der 22-Jährige. „Aber ich bin ja jetzt schon einige Zeit weg aus Dortmund, da legt man diesen Derbycharakter ab, zumal es für Regensburg ganz andere Lokalduelle gibt.“

Zwei Tage gefreut, dann St. Pauli im Fokus

Dennoch war der Sieg über die Schalker für Beste und die Regensburger etwas Besonderes. Denn der SSV Jahn ist das einzige Team ohne Verlustpunkt und rangiert an der Spitze der 2. Liga – dort, wo eigentlich die Schalker stehen wollten. „Natürlich haben wir am Samstag nach dem Spiel und auch am Sonntag noch diesen Moment genossen. Das war schon ein schönes Gefühl“, sagt Beste. Am Montag gehörte der Überraschungscoup aber schon wieder der Vergangenheit an, galt die komplette Konzentration der Aufgabe am kommenden Wochenende, wenn die Regensburger beim FC St. Pauli antreten müssen. „Aber am Millerntor weiß jeder, wie schwer es da ist, zu bestehen. Daher müssen wir uns nicht mit dem beschäftigen, was war, sondern mit dem, was kommt“ sagt der Hammer, bei dem jetzt auch keine großen Träume von einem Sprung in die Bundesliga aufkommen: „Es sind doch erst vier Spiele absolviert, 30 Partien stehen noch an. Unser Ziel ist es, 40 Punkte zu holen, um die Klasse zu halten. Wir haben jetzt zwölf – nicht mehr und nicht weniger.“

Mit der Note 1,5 in die Elf des Tages

Dennoch hat Beste seinen Teil dazu beigetragen, dass die Regensburger bislang die Optimalausbeute eingefahren und auch die erste Runde im DFB-Pokal überstanden haben. Der 22 Jahre alte Linksfuß hat in den bisherigen fünf Pflichtspielen zwei Treffer markiert – den zweiten im Pokal zum 1:0 gegen RW Koblenz – und in der Offensive des SSV für viel Wirbel gesorgt. So wurde er sogar mit der Note 1,5 vom Fußball-Fachmagazin „Kicker“ in die Zweitliga-Elf des Tages berufen. „Klar ist das eine schöne Bestätigung, wenn so etwas auch außerhalb wahrgenommen wird. Aber Fußball ist ein Wochengeschäft. Da muss man immer seine Leistung abrufen“, sagt der weiterhin sehr bescheiden und sympathisch-zurückhaltend auftretende Hammer.

Dass er derzeit so viele gute Leistungen abruft, hat auch damit zu tun, dass er seit längerer Zeit verletzungsfrei ist. „Ich habe diese Saison das Glück, dass ich bislang keine Verletzung hatte. Sonst hat sich das ja leider wie in roter Faden durch meine letzten zwei Jahre gezogen, dass ich immer wieder ausgefallen bin und mich neu rankämpfen musste“, sagt er. Doch in diesem Sommer konnte er ohne Probleme die Vorbereitung durchziehen und klagt auch jetzt über keine Wehwehchen, die ihn wieder aus dem Tritt bringen könnten. „Das ist ein gutes Gefühl und gibt einem das nötige Selbstvertrauen, wenn man merkt, dass man fit ist“, betont er.

Von links hinten nach rechts vorne

Dabei spielt er noch nicht einmal auf der Position, die er jahrelang bekleidet hat. Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic hat ihn von der linken Defensivseite nach rechts vorne beordert. „Die Verantwortlichen hatten schon in der Vorbereitung mit mir gesprochen, was sie mit mir vorhaben. Von daher hatten wir das schon ein bisschen einstudiert, und ich konnte mich da einfinden“, verrät er.

Zwar muss er in dieser neuen Rolle sein Spiel ein wenig umstellen, doch mittlerweile fühlt er sich als Linksfuß auf der rechten Angriffsseite sehr wohl. „Wenn ich sonst über die linke Seite nach vorne gekommen bin, habe ich immer versucht, mich bis zur Grundlinie durchzuspielen und dann den Ball reinzuflanken“, erklärt Beste. „Jetzt kann ich wieder bis zur Torauslinie durchgehen und mit rechts flanken. Oder ich kann in die Mitte ziehen, habe das Spiel vor mir und kann entweder aus dem Halbfeld flanken, einen Steckball spielen oder – wie gegen Schalke – aus 18 Metern abziehen. Ich denke, bislang ist der Plan von unserem Trainer aufgegangen, mich nach rechts vorne zu ziehen.“

Sollte auf der linken Seite Not am Mann sein, kann Beste natürlich auch da der Mannschaft helfen, was ihn für das Team wertvoller macht und dafür sorgt, dass er zu mehr Einsatzzeiten kommt.

Von der Donau zurück an die Weser?

Denn das ist für ihn weiterhin das Wichtigste. Er will so viel wie möglich spielen, verletzungsfrei bleiben und dann abwarten, was im kommenden Sommer passiert. Nach dieser Spielzeit läuft sein Leihvertrag bei Jahn Regensburg aus. „Und da ich noch bis 2023 bei Werder Bremen einen Kontrakt habe, werde ich nach dem jetzigen Stand der Dinge dann wieder in Bremen sein“, betont er. Daher wird das Aufeinandertreffen mit dem SV Werder Mitte Dezember für ihn auch ein ganz besonderes sein, zumal es durchaus sei kann, dass er den SSV Jahn in die 1. Liga schießt und er dann zu Werder zurück muss, um an der Weser in der 2. Liga aufzulaufen. „Damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt, und will darüber auch nicht nachdenken“, will er von solchen Gedankenspielchen nichts wissen, sondern genießt vielmehr die Zeit in Regensburg – zumal er dort vor eineinhalb Monaten mit seiner Freundin zusammen gezogen ist. „Wir haben uns in der Nähe der Donau eine Wohnung eingerichtet. Das ist sehr schön“, stellt er klar.

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