Basketballer

HammStars-Coach trotz Meisterschaft nicht glücklich 

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Trotz der Meisterschaft hat HammStars-Trainer Ivan Rosic gemischte Gefühle.

Hamm – Als Ivan Rosic in der Spielzeit 2017/2018 die Oberliga-Mannschaft der TuS 59 HammStars übernahm, sollte am Ende der Basketball-Saison 2019/2020 der Aufstieg in die 1. Regionalliga stehen. Jetzt erhielten Trainer, Spieler und Verein die Nachricht darüber am Telefon.

Aufgrund der Corona-Krise und dem vorzeitigen Abbruch der laufenden Spielzeit durch den Westdeutschen Basketball-Verband stehen die Hammer nunmehr als Meister der 2. Regionalliga fest und hat damit das Recht erworben, im kommenden Jahr in der 1. Regionalliga zu spielen. Im Gespräch mit Dirk Dörmann erläutert Trainer Ivan Rosic seine durchaus gemischten Gefühle und erklärt die Situation des Vereins und seines Teams in Zeiten von Corona.

Gemischte Gefühle bei Rosic

Herr Rosic, wie haben Sie überhaupt von der Meisterschaft erfahren?

Es war ja so, dass kein Mensch wusste, wie es jetzt weitergehen sollte. Wird abgebrochen oder wird die Saison zu Ende gespielt oder was plant der Verband? Entsprechend haben Basketball-Freunde von mir sich immer wieder im Netz umgesehen, um irgendwelche Neuigkeiten zu finden. Nachdem der WBV seine Meldung gepostet hatte, wurde ich dann schnell von den Kumpels informiert.

Wie war Ihre spontane Reaktion?

Ich muss ganz ehrlich sagen, es waren gemischte Gefühle für mich. Innerlich wusste ich, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird, so hatte ich auch schon mit der Meisterschaft gerechnet. Es war also kein überschwänglicher Jubel bei mir. Ich hätte der Mannschaft lieber eine ‘richtige’ Meisterschaft gegönnt. So am letzten Spieltag zusammen mit unseren Fans.

Kaum Emotionen in der Whatsapps-Gruppe

Wie haben denn die Spieler auf die Nachricht des WBV reagiert?

Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit allen Verantwortlichen und unseren Spielern, wo wir uns täglich austauschen. Dort stand die Nachricht dann ganz schnell, aber auch dort fehlte das Emotionale.

Eine nachvollziehbare Reaktion oder?

Ganz klar. In diesen Zeiten tritt der Sport ganz weit zurück. Wir werden diese Meisterschaft auch nicht mehr feiern. Die Mannschaft hat verhalten reagiert, und das finde ich auch in Ordnung. Sie sind alle Sportler und hätten gerne in der Halle den Titel gewonnen.

Empfinden Sie den ersten Platz trotz der Meisterschafts-Entscheidung durch den Verband als verdient?

W ir sind nicht unverdient Meister geworden. Immerhin haben wir seit Oktober die Liga angeführt. Wir hatten eine sensationelle Hinrunde gespielt, in der wir alle elf Partien gewonnen hatten. Lediglich drei Niederlagen bei 15 Siegen stehen auf unserem Konto.

Telefonkonferenzen über die weitere Zukunft

Wie wird es nun mit Blick auf die neue Saison bei den HammStars weitergehen?

Wir werden das Ganze jetzt über das Wochenende sacken lassen und in der kommenden Woche mit dem Vorstand Telefonkonferenzen führen. Dann werden wir in Ruhe besprechen, was zu tun ist, zumal wir bislang noch nicht einmal gemeinsam abgeklärt haben, ob wir unser Aufstiegsrecht wahrnehmen werden. Aber da bin ich sehr guter Dinge und sehe auch keine Hinderungsgründe. Aber, wie gesagt, wir haben keinen zeitlichen Druck.

Das Problem wird sicherlich sein, dass keiner weiß, wie es in dieser Krisenzeit weitergehen wird?

Ja, genau, die Menschen haben zur Zeit ganz andere Probleme. Deshalb besteht auch kein Grund, irgendwelche Leute zu überfallen. Kein Verein ist in der Lage, eine seriöse Planung für die kommende Spielzeit zu führen. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob und wann es überhaupt weitergehen kann. Der Sport ist einfach in eine ganz andere Ecke gerutscht.

Lassen Sie uns noch einmal auf den Beginn der Saison zurückblicken. Ihre Zielstellung war der Aufstieg?

B ereits vor drei Jahren, als ich in Hamm anfing, hatten wir uns gemeinsam mit dem Vorstand einen Plan zurecht gelegt, das Projekt 2020. Am Ende des ersten Jahres sollte der Aufstieg in die 2. Regionalliga stehen. Anschließend wollten wir das Team in dieser Liga stabilisieren und die Klasse halten. Am Ende des dritten Jahres sollte der Aufstieg in die 1. Regionalliga gelingen. Jetzt können wir sagen: mission completed, die Mission ist beendet.

Rosic lobt das Team hinter dem Team 

Vor der Saison gab es einen gewaltigen personellen Umbruch innerhalb des Teams.

Wir wollten die Mannschaft runderneuern, um das Ziel Meisterschaft und den Angriff auf die 1. Regionalliga anzugehen. Entsprechend gab es große Veränderungen. Natürlich gehört dann bei der Kaderplanung auch ein bisschen Glück dazu, dass alles passt. Außerdem blieben wir von Verletzungen verschont. Das war im Übrigen ein ganz großes Verdienst des Teams rund um die Mannschaft herum. Egal ob Co-Trainer Daniel Freienstein, Fitnesscoach Bernd Michalski oder die weiteren Mitarbeiter. Alle zusammen sind die Puzzleteile, die ihren Anteil am Erfolg der Mannschaft haben.

Was waren für Sie die Höhepunkte in der Saison?

Die beziehen sich gar nicht mal auf die Spiele oder Siege. Für mich war jedes einzelne Training in der Woche mit der Mannschaft ein Höhepunkt. Es ist einfach eine super Truppe mit einem riesigen Zusammenhalt. Sie hat sehr hart gekämpft für ihre sportlichen Ziele. Das fordert mir sehr viel Respekt ab.

Trainer wünscht sich viele Bekannte Gesichter in der neuen Saison 

Glauben Sie, dass die Mannschaft in dieser Besetzung in der kommenden Saison zusammen bleibt?

Wie gesagt, erst nächste Woche werden wir mit den entsprechenden Gesprächen beginnen. Aber mein persönlicher Wunsch für den Fall, dass es irgendwann weitergeht, ist, dass unsere Fans in der neuen Saison viele bekannte Gesichter aus der Mannschaft begrüßen dürfen. Dies wäre ein schöner emotionaler Moment für mich, da wir ja – aus heutiger Sicht – auch keine gemeinsame Meisterschaftsfeier machen können.

Betrifft das auch Ihre eigene Person?

Ja, auch ich würde gerne in Hamm weitermachen. Ich wohne in Werne und so sind die örtlichen Voraussetzungen für eine weitere Zusammenarbeit auf jeden Fall gegeben. Hamm ist nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie, unsere zweite Heimat.

In der 1. Regionalliga akklimatisieren 

Was, glauben Sie, ist in Hamm im Basketball noch möglich?

Ich habe schon das Gefühl, dass Hamm sehr viel Potenzial hat. Und mit dem Aufstieg in die 1. Regionalliga haben wir schon viel erreicht. In der neuen Liga geht es wesentlich professioneller zu. Deshalb müssen wir auch unsere Strukturen Stück für Stück anpassen. Und sportlich wollen wir uns in den nächsten zwei bis drei Jahren im Haifischbecken 1. Regionalliga akklimatisieren und jeweils die Klasse halten. Danach können wir sehen, was noch möglich ist. Wichtig ist auch, nicht nur auf die erste Mannschaft zu blicken. Auch der Unterbau mit weiteren Senioren- und Jugendteams muss passen. Und auch dort sind wir auf einem guten Weg.

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