Interview: Stephan Just freut sich auf seine Aufgabe beim ASV

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Der Handballer Stephan Just verstärkt jetzt die Mannschaft des ASV Hamm-Westfalen.

Hamm - Stephan "Apollo" Just ist der Neuzugang beim ASV Hamm-Westfalen. Mit WA-Redakteur Frank Heidenreich sprach der Handballer über seine Entscheidung für den Zweitligisten, Erfahrungswerte und seine Ambitionen beim ASV.

Herr Just, wie war der erste Tag in Hamm?

Stephan Just: Erst einmal habe ich zuletzt die freie Zeit genossen. Ich habe ein bisschen abgeschaltet und hatte mal wieder mehr Zeit mit meiner Frau. Das war in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht so, weil sie in Minden geblieben ist und ich in Friesenheim gespielt habe. Jetzt habe ich erstmals die Formalitäten erledigt, habe das Auto und den Schlüssel für die Wohnung abgeholt.

Das heißt, Sie werden nicht pendeln?

Just: Nicht jeden Tag in der Saison. In der Vorbereitung bin ich sowieso mehr in Hamm. Ansonsten werde ich den einen oder anderen Tag hier, den einen oder anderen in Minden sein. Das liegt ja im Vergleich zu Friesenheim quasi um die Ecke. Aber gerade, wenn man neu in eine Mannschaft kommt, ist es wichtig, Zeit zusammen zu verbringen. Und wenn wir nach Auswärtsfahrten erst nachts wieder da sind, habe ich auch keine Lust, mich noch mal eine Stunde ins Auto zu setzen.

Mit welchem Wissen über den ASV kommen Sie nach Hamm?

Just: Hamm ist für mich immer schon ein Begriff gewesen, ich habe ja auch schon öfter hier gespielt. Der Verein an sich mit seinen Gepflogenheiten, das ist zwar neu für mich. Aber wenn man Handball spielt und lebt, dann informiert man sich ja auch bei anderen. Mit Torsten Friedrich (bisheriger Co-Trainer, Anm. d. Red.) habe ich anderthalb Jahre in Magdeburg zusammen gespielt. Und Kay (Rothenpieler, Manager, Anm. d. Red.) kenne ich auch noch als Spieler, gegen ihn durfte ich auch mal spielen. Da war ich noch jung – und er auch (grinst).

Wie ist der erste Eindruck vom ASV?

Just: Die Leute hier haben einen richtig guten Job gemacht, das ist ein sehr professionell aufgestellter Verein. Das fängt bei der Halle an, die ist sehr beeindruckend. Die Atmosphäre ist sehr schön – nicht nur, weil ich meist hier gewonnen habe. Das pusht dich in verschiedenen Situationen ungemein. Man hat ja in der abgelaufenen Saison gesehen, was die Mannschaft zu Hause geleistet hat. Ich freue mich darauf, ein Teil des Ganzen zu sein.

Warum haben Sie sich für den ASV entschieden?

Just:  Ich könnte jetzt sagen: Friesenheim konnte mir kein Angebot mehr machen, Hamm hat. Aber das wäre zu einfach. Ich habe mich bei der TSG sehr wohl gefühlt. Das war eine tolle Mannschaft, in der die Spieler zum großen Teil in einer Doppelbelastung mit Studium oder Beruf waren – wie hier auch. Deshalb war es schon bemerkenswert, was wir an Punkten geholt haben. Aber ich musste eine Entscheidung für mich treffen, ich bin ja nicht mehr der jüngste Hüpfer in der Handball-Welt. Wären parallel Angebote aus Friesenheim und Hamm gekommen, wäre ich wohl trotzdem nach Hamm gegangen. Allein schon aus familiären Gründen. Aber das Gesamtkonzept hier, das auch die Jugend vorantreiben soll, hat mich auch überzeugt. Die Art und Weise, wie man mich involvieren will, dass ich auch neben dem Spielfeld ein bisschen mehr eingebunden werden soll. Ich habe richtig Bock, das zu machen. Das ist eine super Chance, ein super Verein, die wollen was mit jungen Leuten erarbeiten. Dabei werde ich in jeglicher Hinsicht helfen.

Trainer Niels Pfannenschmidt hat keinen „Co“ an seiner Seite. Sehen Sie sich ein wenig in der Rolle?

Just:  Thomas König (bisher Trainer Friesenheims, Anm. d. Red.) hat mit mir oft, gerade was den Angriff betrifft, ein Brainstorming gemacht. Ich konnte zu ihm gehen, wenn ich Ideen hatte. Mit „Pfanne“ habe ich schon zusammengearbeitet, als er Co-Trainer in Minden war. Wir ticken in eine Richtung. Wenn es von ihm gewünscht ist, werde ich immer versuchen, ihn voll zu unterstützen.

Vor allem sollen Sie aber versuchen, der Mannschaft mit Ihrer Erfahrung zu helfen, weil der in der vergangenen Saison in Stresssituationen oft die nötige Ruhe fehlte.

Just: Also, es ist jetzt nicht primär so: Ich bin 36 Jahre, habe eine lange Erfahrung – deshalb muss ich 60 Minuten auf der Platte stehen. Um Gottes Willen. Dann müsste ich ja nach einem halben Jahr aufhören (lacht). Nein, die Mannschaft ist fast unverändert, die Jungs haben das doch insgesamt super gemacht. Ich habe keine Bedenken, dass das wieder so sein wird. Und wenn wir gewinnen, habe ich absolut nichts dagegen, wenn ich nicht schwitze.

Aber beanspruchen Sie aufgrund Ihrer Erfahrung eine Führungsrolle im Team?

Just: Beanspruchen darf ich gar nichts. Für mich gilt das Gleiche wie für Björn Zintel und Savvas Savvas (die anderen Neuzugänge, Anm. d. Red.). Ich bin neu im Team. Es gibt eine Hierarchie. Ich werde sicherlich mal meine Meinung haben und die im richtigen Rahmen äußern. Aber ich komme nicht und sage: Ich bin 36, habe 450 Bundesliga-Spiele – jetzt läuft es so, wie ich es sage. Das mag ich nicht.

Sie gelten als Allrounder. Haben Sie trotzdem eine Lieblingsposition?

Just: Nein, mittlerweile nicht mehr. Wenn du am Kreis spielst, ist es ja zum Beispiel auch eine Frage, wie du gefüttert wirst. Wenn du im Rückraum nur reine Werfer hast, die dich nur sehen, wenn du eine Rundumleuchte auf dem Kopf hast oder mit den Armen ruderst, als würdest du ein Flugzeug einweisen, dann ist es natürlich schwer. Ich bin in dem glücklichen Zustand, dass mich meine Trainer über die Jahre immer wieder auf verschiedenen Positionen gesehen haben, ich habe in der 1. Liga schon alles gespielt. Ich habe mir auch schon im Tor zwei Dinger um die Ohren hauen lassen. Da haben wir mit Minden gegen Melsungen gespielt und unsere beiden Torhüter hatten Zeitstrafen kassiert. Aber immerhin hatte ich eine Fangquote von 50 Prozent (lacht).

Hilft Ihnen die Erfahrung auch, mit der Belastung besser klarzukommen? Die Saison wird sehr anstrengend, nicht zuletzt aufgrund mehrerer Doppelspieltage.

Just: Sicherlich hilft es, dass ich etwas vorausschauen kann. Das ist normal und in jedem Berufszweig so, dass ich das mit 36 eher kann als mit 18 oder 19. Aber für das hundertprozentige Zusammenspiel zwischen Belastung und Regeneration hat „Pfanne“ ein Händchen. Das wird er gut machen. Und nicht zuletzt deshalb wollte er ja auch einen etwas größeren Kader.

Sie haben einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben. Hätten Sie sich eine etwas längere Laufzeit gewünscht?

Just: Da war ich mit Kay auf einer Linie: Wir gucken jetzt einfach mal, wie es funktioniert. In Friesenheim war ich in der glücklichen Lage, dass ich viele Freiheiten bekommen habe – Thomas König hat gesagt, er braucht mich zu den Spielen in hundertprozentiger Verfassung auf der Platte. Hier werde ich alles machen, wenn ich mich dazu in der Lage fühle. Ich will keine Extrawurst. Aber: Wenn es zwickt, muss man das auch sagen. Das gilt übrigens für jeden. Denn dann ist man umso schneller fit und kann an den Spieltagen seine Leistung abrufen. Es kann sein, dass ich noch drei Jahre auf diesem Niveau spielen kann. Aber wenn ich etwas mache, dann mache ich das zu 100 Prozent. Und sollte ich die Lust verlieren, mich jeden Tag körperlich zu belasten, dann werde ich dem Verein bestimmt nicht auf der Tasche liegen. Das wäre nicht fair, und damit würde ich mir auch selbst ein Bein stellen. Wir werden uns sicher früh genug zusammensetzen. Und Kay hat mir ja auch schon signalisiert, dass man später vielleicht auch anders zusammenarbeiten kann.

Kommen Sie mit konkreten Ambitionen nach Hamm?

Just: Meine erste Prämisse ist es, die Erwartungen, die der Trainer und der Verein an mich stellen, zu erfüllen. Die offizielle Zielsetzung des Vereins kenne ich noch nicht, aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass es das Ziel ist, an die vergangene Saison anzuknüpfen, wo die Mannschaft ja erst zum Ende hin auf Rang neun „abgerutscht“ ist, aber den Start besser zu gestalten. Vielleicht bekommen wir es wieder hin, lange oben dabei zu sein und den Aufstiegsfavoriten wie Minden und Erlangen Paroli zu bieten. Generell wollen wir zu Hause jeden schlagen und auch auswärts unser Spiel aufziehen. Aber das Wichtigste ist eh, verletzungsfrei durch die Saison zu kommen.

Nach all den Jahren – kann man Sie noch mit etwas überraschen?

Just: Hm, schwierig. Ich bin sehr gespannt auf die Halle, auf die Fans, und darauf, das mal aus der anderen Perspektive zu erleben. Generell freue ich mich immer auf das Umfeld, wenn ich neu in einen Verein komme. Ich denke, ich werde positiv überrascht sein. Aber mich so richtig überraschen? Das kann eigentlich nur meine Frau.

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