Handball

ASV-Trainer Rothenpieler über die Saison und Ziele der Mannschaft 

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Kay Rothenpieler

Der ASV Hamm-Westfalen hat die Saison in der 2. Handball-Bundesliga auf Platz vier beendet und damit sein Saisonziel erfüllt. Im WA-Interview zieht Trainer Kay Rothenpieler ein Saisonfazit und wagt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

Mit Platz vier hat Ihre Mannschaft noch ein wenig besser abgeschnitten als im Vorjahr, als Sie Sechster wurden. Sind Sie zufrieden?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben ja vor der Saison gesagt, dass wir das Ziel nicht nur von der Platzierung abhängig machen. Aber wenn man sieht, wie die Rückserie gelaufen ist, können wir sicherlich sehr zufrieden sein. Wir hatten am Anfang unsere Schwierigkeiten, wussten aber auch, dass es mit sieben neue Leuten nicht so einfach wird. Ab Januar haben wir aber an Stabilität gewonnen.

Mitte der Hinserie standen Sie bei 14:10 Punkten. War da die Saison schon durch für Sie?

Was heißt durch. Es wurde unruhig. Das war schade. Wir haben das Spiel gegen Dormagen verloren, das war ein Knackpunkt. Danach sind wir enger zusammen gerückt. Wir haben viele neue Spieler bekommen, die in ihren alten Vereinen unterschiedliche Rollen hatten. Ein Sören Südmeier, der hier der absolute Chef sein wollte, war in Minden die Nummer zwei hinter Doder. Er wollte diese Rolle, musste sich aber erst daran gewöhnen. So kann man jeden Spieler nehmen, der vorher eine andere Rolle hatte. Das war schon eine große Aufgabe, das so umzusetzen, dass jeder seinen Platz in der Mannschaft hat.

Um die Automatismen einzuspielen, braucht es ein Jahr

In der Rückrunde hatten Sie nur acht Minuspunkte...

Ja, man sagt, wenn du so viele neue Leute bekommst, braucht es fast ein Jahr, um sich einzuspielen. Die Automatismen zu bekommen. Das haben wir jetzt eigentlich in einem halben Jahr gut geschafft. Wobei wir in der Rückserie von den Ergebnissen hervorragend waren, aber noch Potenzial haben, wo wir uns verbessern müssen. Gerade in Stresssituationen muss es besser funktionieren. Wir haben die Abwehr ein bisschen umgestellt, das hat ganz gut geklappt, dann kam das Selbstvertrauen dazu. Jeder hatte mehr Sicherheit. Dass die Neuen charakterlich passen, dass jeder für sich die Qualität hat und dass wir eine gute Stimmung in der Mannschaft haben würden, war uns eh von vorneherein klar. Deswegen sind wir ruhig geblieben im November, weil wir wussten, dass wir nur in Ruhe weiterarbeiten müssen.

Wie sind sie mit den Neuzugängen zufrieden?

Unterm Strich haben sich bis auf Vincent Sohmann alle sehr gut eingefügt. Jan von Boenigk und Stefan Lex haben sich auf ihrer Position im rechten Rückraum gefunden, verstehen sich auch auf der Position sehr gut. Jan hat eine gute Entwicklung gemacht, und Stefan zeigt mit seiner Erfahrung, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Daher lief das alles nach Plan.

Warum haben Sie den Vertrag mit Vincent Sohmann vorzeitig aufgelöst?

Von ihm haben sich alle mehr erwartet. Es passte irgendwie nicht, darüber haben wir mit ihm gesprochen. Vincent hat es bei uns am nötigen Durchsetzungsvermögen gefehlt, an der Wettkampfhärte. Deswegen haben wir ihm im Januar gesagt, dass es nicht reicht. Das hat man mal, dass man unterschiedlicher Auffassung ist, unterschiedliche Erwartungen da sind. Er konnte sie aus unserer Sicht nicht erfüllen. Und deswegen haben wir den Wechsel vollzogen mit Merten Krings.

Sind Balingen und Nordhorn verdiente Aufsteiger?

Absolut. Balingen sowieso. Die haben eine konstante Leistung abgerufen. Gerade in den wichtigen Spielen waren sie da. Sie haben die beste Torhüterleitung gehabt. Und Nordhorn hat eine überragende Rückserie gespielt, war sehr konstant mit einem überragenden Buhrmester im Tor. Obwohl wir sie in der Rückrunde ja fast geknackt haben. Mit einem Sieg hätten wir vielleicht ihre Rolle einnehmen können. Das hat Kräfte frei gesetzt, danach haben sie es durchgebracht.

Mit Merten Krings und Marten Franke aus Emsdetten sowie dem Niederländer Ivar Stavast haben Sie sich noch einmal verstärkt.

Auf alle Fälle. Merten ist sicherlich einer der besten Mittelleute der Liga. Unsere Überlegung war, dass wir einen emotionalen Leader brauchen. Den haben wir mit Merten bekommen. Es ist nie schön gegen ihn zu spielen, ich weiß, dass er polarisiert. Aber er gibt immer alles, ist ein kämpferisches Vorbild. Und er ist jemand, der individuell sehr stark ist und uns einfache Tore bringen kann. Und Marten Franke ist ein erfahrener Rechtsaußen, ein etwas anderer Spieler als Lukas Blohme. Er kommt dann mehr aus dem Rückraum. Ich glaube, dass es für ihn noch einmal eine Riesenherausforderung ist, die motiviert.

"Wenn es irgendwie geht, wollen wir diesen großen Schritt machen"

Es gibt viele Mannschaften, die aufsteigen wollen.

Wir sind jetzt Vierter und wollen im nächsten Jahr wieder eine gute Rolle spielen. Und wenn es irgendwie geht, wollen wir diesen großen Schritt machen. Ich finde, in der 2. Liga kann man nicht unbedingt planen, dass man aufsteigt. Wir wollen das, ja. Aber es kämpfen sechs, sieben andere auch darum. Du brauchst ein bisschen Glück. Die anderen machen auch einen guten Job, verpflichten gute Leute. Wir müssen versuchen, einen Schritt weiter zu kommen. Ich glaube, Nordhorn hat vor der Saison auch nicht damit gerechnet, dass sie aufsteigen. Ich glaube, dass bei uns viel über Aufstieg geredet worden ist. Alle haben uns zum Favorit gemacht, dann hatten sie selbst den Druck nicht. Und mit diesem Druck sind wir anfangs nicht so richtig klar gekommen. Wir sollten im nächsten Jahr ein bisschen demütiger sein. Wir wissen, dass wir gut sind. Aber auch, dass wir hart arbeiten müssen, um ganz nach oben zu kommen.

Wie hat sich das Spiel generell verändert?

Man sieht immer deutlicher, dass die Abwehrreihen und die Torhüter eine immer dominantere Rolle spielen. Egal, ob in der ersten Liga oder der Champions League – letztendlich entscheiden die Torhüter die Spiele. Und die individuelle Stärke des einen oder anderen Spielers im Angriff ist auch entscheidend. Das ganz gebundene Spiel wird immer weniger. Das Tempospiel an sich ist sicherlich ein Thema, aber nicht mehr so, wie es vor ein paar Jahren war. Der siebte Spieler wird immer mehr ein Faktor, da versucht man taktisch drauf zu reagieren.

Hat Ihrer Mannschaft zum ganz großen Wurf Aufstieg letztlich diese dominante Figur im Spiel gefehlt?

Unsere Stärke ist die Ausgeglichenheit der Mannschaft in allen Bereichen. Wir sind das einzige Spitzenteam, das in allen Kategorien eher im Mittelfeld zu finden ist. Um es nach ganz oben zu schaffen, musst du in einer Kategorie ganz vorne sein – ob es der beste Torhüter, der erfolgreichste Torschütze oder der sicherste Siebenmeter-Werfer ist.

Haben Sie die Aufsteiger Krefeld, Eisenach und Konstanz so erwartet?

Krefeld jetzt nicht so unbedingt, wobei sie im Pokal gegen uns schon gut gespielt haben. Auf Konstanz freuen wir uns, das ist wieder eine schöne Fahrt. Und Eisenach wird sicherlich immer eine Rolle spielen. Der Verein gehört in die zweite Liga, hat gezeigt, dass er sogar das Potenzial für die erste Liga hat. Von daher kommen wieder gute Mannschaften dazu. Das macht die Liga noch stärker.

Soziale Medien erschweren die Arbeit

Immer mehr Kritik kommt ja auch über die sozialen Medien. Nimmt man das als Trainer wahr?

Man nimmt das schon auf eine gewisse Art wahr. Es macht die Arbeit immer schwieriger. Es ist schade, aber so ist die Situation. Mittlerweile lernen wir, damit umzugehen. Ich lese einiges gar nicht, lasse es nicht an mich herankommen, weil es teilweise unqualifiziert ist. Ich habe nichts gegen Kritik. Wenn wir nicht gut spielen, ist es klar, dass man darüber sprechen muss. Das ist völlig in Ordnung, wenn diese Dinge sachlich sind. Aber immer nur schwarz oder weiß zu sehen, ist nicht korrekt. Ich würde mir wünschen, dass alles ein bisschen ruhiger angegangen wird. Die sozialen Medien bieten nun einmal die Möglichkeit, Frust ungehemmt und vielleicht auch noch anonym kundzutun. Wie hat es letztens Nico Kovac noch gesagt: Man sollte immer noch daran denken, dass es um Menschen geht. Man sollte darauf achten, ein bisschen respektvoller miteinander umzugehen.

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