„Team-Spirit wie noch nie“

Interview: Eisbären-Trainer Daniel Galonska erkennt Fortschritte

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Hamm - Nach anfänglichen Startproblemen haben sich die Hammer Eisbären in der 1. Eishockey-Liga West einen Platz in der Spitzengruppe erkämpft. Zuletzt gab es sogar das erste Sechs-Punkte-Wochenende.

Im Gespräch mit Peter Schwennecker zieht Trainer Daniel Galonska ein kleines Zwischenfazit, berichtet über die Gründe, warum die Mannschaft erst jetzt so richtig in Fahrt gekommen ist.

Sie haben zuletzt das erste Sechs-Punkte-Wochenende in der 1. Liga West gefeiert. Ist der Knoten jetzt geplatzt? 

Daniel Galonska: Die ersten Spieltage haben gezeigt, dass die Liga sehr ausgeglichen ist und jeder jeden schlagen kann. Wir müssen in jedes Spiel konzentriert reingehen. Kleine Fehler werden immer wieder bestraft und machen einem das Leben schwer. Das ist uns in den ersten Spielen häufiger passiert. Wir haben immer das erste Gegentor bekommen. Das gibt auch den kleinen Mannschaften Erfolgserlebnisse und den Spaß am Spielen. Zuletzt gegen Bergisch Land waren wir von Beginn an selbst gut unterwegs, haben früh getroffen und konnten auch schnell nachlegen. Da hat man direkt gesehen, welche Auswirkungen das hat. So konnten wir die Partie schon im zweiten Drittel mit fünf Toren entscheiden.

Der Start war aus Hammer Sicht nicht so prickelnd. Ist es nicht generell vor jeder Saison so, dass die Vorbereitung auf dem Eis viel zu kurz ist? 

Galonska: Die Mannschaft muss immer erst aufeinander abgestimmt werden. Das sind auch Psychologieprozesse, die sich da beim Zusammenfinden einer Truppe abspielen, auch wenn sich einzelne Spieler schon kennen. Das braucht eine gewisse Anlaufzeit, zumal viele Jungs im Sommer noch Inlinehockey spielen. Die auf den Punkt fit zu kriegen, ist schwierig, aber sicherlich nicht unmöglich. Dennoch haben wir zuletzt schon Fortschritte gesehen. Wir haben aktuell nicht viel anders gemacht als in den ersten Wochen, haben aber durch enorme Willenskraft und auch etwas Scheibenglück die nötigen Erfolge erzielt.

Ist die Mannschaft inzwischen bei 100 Prozent? Was fehlt ihr vielleicht noch? 

Galonska: Derzeit liegen die Schwerpunkte des Trainings in den Feinarbeiten. Vom Taktischen her sind die Spieler schon gut geschult, auch die Neuzugänge haben das bereits sehr gut angenommen. Alles ist aber auch eine Automatismenfrage. Wir haben eine andere Reihenkonstellation. Der Großteil ist natürlich gleich geblieben, doch selbst bei kleineren Veränderungen müssen sich die Jungs immer wieder auf andere Spielertypen einstellen. In der Defensive ist alles geregelt. Wenn ein Gegentor fällt, hat einer gepennt. In der Offensive hängt auch vieles von der Spielintelligenz ab, von schnellen Entscheidungen. Da sind wir noch in der Entwicklungsphase.

Was der 4:3-Sieg in Lauterbach ein Meilenstein in der noch jungen Saison? 

Galonska: Das war für uns ein sehr wichtiger Sieg. Lauterbach ist eine harte Nuss, auch für andere Gegner. Die haben am vergangenen Sonntag in Dinslaken gewonnen. Deswegen ist unser Erfolg dort besonders hoch zu bewerten, weil wir ein richtiges Kampfspiel am Ende für uns entschieden haben.

Sie haben einen Platz unter den besten vier Teams als Saisonziel ausgegeben. Ihre Mannschaft ist jetzt auch in der Spitzengruppe angekommen. Hat sich inzwischen alles in der Tabelle so einsortiert, wie Sie das erwartet haben? 

Galonska: Ratingen marschiert derzeit vorne weg. Die haben ein gutes Team, eine eingespielte Truppe, die seit Jahren zusammengewachsen ist. Dahinter steht derzeit Dortmund, von denen wir auch wussten, dass sie sich recht weit oben einordnen. Wir sind derzeit Dritter. Das ist okay, doch letztlich wollen wir natürlich mehr. Freitag geht es nach Dortmund. Das wird für uns eine erneute Standortbestimmung sein, wobei wir natürlich derzeit ein gutes Selbstvertrauen haben. Wir haben zuletzt überzeugende Leistungen gezeigt und fahren deshalb mit einem guten Gefühl nach Dortmund. Ein Platz unter den besten vier Teams ist die Vorgabe, aber jeder weitere Rang Richtung Tabellenspitze ist zusätzliche Motivation für die Jungs.

Sie hätten theoretisch die Möglichkeit, personell nachzurüsten, zumal ja auch die Ausländerplätze noch nicht besetzt sind. Oder vertrauen Sie jetzt ganz dem aktuellen Kader? 

Galonska: Ich habe vollstes Vertrauen in die Mannschaft. Kontingentspieler gibt es derzeit relativ viele auf dem Markt. Wir haben die Kriterien, dass diese Spieler uns einerseits weiterhelfen müssten, dabei aber auch bezahlbar bleiben. Und sie müssen vom Charakter her in die Truppe passen. Derzeit sehen wir nicht die Notwendigkeit, da etwas zu überstürzen. Wir sind zwar dünn besetzt, haben aber einen guten Stamm. Wir könnten zwar nachlegen, doch müssten diese Spieler dann unseren Maßstäben entsprechen. Da müsste einfach alles passen. Wir haben derzeit einen Team-Spirit wie noch nie in unserer Mannschaft. Da läuft einer für den anderen. Diese Einheit durch eine unüberlegte Personalpolitik zu sprengen, wäre fatal, auch für die langfristige Entwicklung.

Unter dem DEB-Dach ist die neue Oberliga als dritte Liga eingeführt worden. Sie spielen jetzt praktisch mit der 1. Liga West in der vierten Eishockey-Klasse. Ist diese Liga auf Dauer überhaupt überlebensfähig? 

Galonska: Klar ist das eine gute Liga. Die Mannschaften fallen sportlich eigentlich nicht ab, doch bei einigen ist das finanzielle Grundgerüst natürlich etwas wackelig. Deswegen haben sie den Schritt in die Oberliga nicht gewagt, bevorzugen die sichere Nummer im Landesverband. Wir haben viele berufstätige Spieler in der Mannschaft, die sich nicht dauernd freitags und montags frei nehmen können, weil eine Partie in Rostock auf dem Plan steht. Das Niveau ist mit Mannschaften wie Ratingen, Neuss, Dortmund und uns gar nicht so schlecht. Es gibt auch in der 1. Liga West viele Spieler mit Oberliga-Format, für die der Job jetzt einfach vorgeht. Wir haben eine Liga, in der jeder jeden schlagen kann. Das war in der vergangenen Saison in der Oberliga nicht der Fall. Die Zuschauer haben sich eine ausgeglichene Klasse gewünscht. Deshalb haben wir alles richtig gemacht. Wir haben uns entschlossen, nicht zuletzt mit Blick auf die Halle, den sicheren Weg zu gehen, um den Eishockeysport in Hamm zu erhalten. Deswegen bereue ich diesen Schritt keineswegs.

Sind Sie denn mit der Zuschauerunterstützung bisher zufrieden? 

Galonska: Natürlich wünscht man sich immer mehr, zumal die Jungs voll bei der Sache sind. Wir haben einen festen Stamm, der immer da ist. Die kommen auch zu den Auswärtsspielen mit. In Lauterbach hatten wir einen superguten Fansupport. Zu Beginn der Saison war es etwas weniger, doch jetzt sind wir auf einem aufsteigenden Ast, es wird von Woche zu Woche mehr. Wir freuen uns über jede Unterstützung, zumal jeder weiß, dass es weiter auch um das Überleben der Halle geht.

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