Fußball

HSV-Trainer Steven Degelmann im Interview: "Wir müssen uns bei niemandem entschuldigen!"

Alles hört auf sein Kommando: Trainer Steven Degelmann lud den neuen Kader des Fußball-Oberligisten zur ersten Kennenlern-Einheit.
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Alles hört auf sein Kommando: Trainer Steven Degelmann lud den neuen Kader des Fußball-Oberligisten zur ersten Kennenlern-Einheit.

Fußball-Oberligist Hammer SpVg ist in dieser Woche bereits in das Training eingestiegen. Im Interview redet Trainer Steven Degelmann Klartext.

Welche Ziele Coach Steven Degelmann nach der katastrophalen Saison 19/20 mit lediglich fünf Punkten und dem Klassenerhalt am Grünen Tisch durch den Corona-bedingten Abbruch in der neuen Spielzeit verfolgt und warum er davon überzeugt ist, dass es im Hammer Osten wieder aufwärts geht, hat er in einem Gespräch mit Patrick Droste verraten.

Herr Degelmann, wie war der erste Eindruck nach dem Auftakttraining?

Erst einmal war es für alle sehr schön, wieder einen Ball am Fuß zu haben. Aber man hat gemerkt, dass in Sachen Grundfitness einiges fehlt. Wir müssen die Körper langsam wieder hochfahren. Aber ansonsten war der Eindruck durchweg positiv. Wir hatten keine Ausfälle, alle waren anwesend, und wir haben richtig gut trainiert. Es hat Spaß gemacht.

Welchen Plan verfolgen Sie mit diesem zweiwöchigen Training bis zum Beginn der Sommerferien, ehe es wieder eine kleine Pause geben soll?

Es geht darum, dass sich die Jungs kennenlernen. Wir haben ganz bewusst einen Umbruch gemacht, denn das war nach der vergangenen Saison mit den fünf Punkten und keinem einzigen Sieg sehr wichtig. Dadurch haben wir viele neue Spieler im Kader, jetzt arbeiten wir daran, dass das eine harmonische Einheit wird, dass wir eine gute mannschaftliche Geschlossenheit haben, um auch mal Rückschläge im Kollektiv aufzufangen. Ich denke, da gibt es im Vergleich zur Vorsaison Verbesserungsbedarf.

Jetzt steht die HSV einmal mehr vor einem Neuaufbau. Ist dies so gewollt oder hätten Sie gerne die Verträge mit mehr Akteuren aus dem Kader der vergangenen Saison verlängert?

Wenn man es sich als Trainer aussuchen kann, dann behält man natürlich am liebsten die Achse und verstärkt diese nur punktuell. Es wäre schön, wenn wir da in der Zukunft hinkommen. Aber der Wechselwille bei Spielern aus dem Kader der vergangenen Saison war aufgrund der Misserfolge recht groß. Ich habe das gerne angenommen, denn es hat in dieser Zusammensetzung einfach nicht gepasst. Die fünf Punkte belegen das. Die Mannschaft hatte sicherlich Potenzial, aber es hat nicht ein Rad ins andere gegriffen. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es mit den Neuzugängen besser passt. Die Jungs haben im Training gezeigt, dass sie technisch gut sind und dass sie ordentlich Tempo in ihrem Spiel haben. Das hat uns schon Freude bereitet.

Setzen Sie nun bewusst auf junge Akteure? Oder ist der Etat so gering, dass nicht mehr möglich ist?

Ich muss beides bejahen. Wir wollen nach außen deutlich machen, dass der Verein Talente fördert. Nur dann hat man in Zukunft die Möglichkeit, junge, spielstarke Leute abzugreifen. Aber es geht nicht nur mit Nachwuchsakteuren. Man benötigt auch Führungsspieler. Mit Jonas Janetzki aus Holzwickede und Andrei Lorengel, auch wenn er aus der Landesliga vom TuS Wiescherhöfen kommt, haben wir sicherlich schon zwei Akteure in unseren Reihen, die so eine Position einnehmen können. Aber wir haben auch noch zwei, drei Plätze in unserem Kader frei. Und die müssen wir mit Spielern belegen, die schon ein paar Jahre Erfahrung in den Senioren auf dem Buckel haben.

Der finanzielle Rahmen gibt es also her, dass die HSV sich noch mit gestandenen Akteuren verstärken wird?

Ja, wir sind da bereits in guten Gesprächen. Bislang kann durchaus nach außen der Eindruck entstehen, dass uns aufgrund der vielen jungen Leuten nicht viel Geld zur Verfügung steht. Aber keine Sorge, wir werden noch was machen. Aber erfahrene Spieler pokern oft lange. Daher haben wir da bewusst noch Plätze offen gehalten.

Mit den jungen Wilden und den noch ausstehenden Verpflichtungen sind Sie dann voller Hoffnung, dass es eine bessere Saison wird als die vergangene? Oder haben Sie Angst, dass es wieder ähnlich desaströs wird?

Wir haben keine Angst. Und auch keine Hoffnung. Wir sind vielmehr zuversichtlich. Wir basteln noch an den letzten Ecken. Aber wir sind überzeugt, dass wir im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten ein gutes Team beisammen haben. Wichtig war uns, dass der Kader früh steht und wir in Ruhe arbeiten können. Das Fundament steht jedenfalls schon mal.

Mit welchem Ziel gehen Sie in die nächste Saison? Zählt einzig und allein der Klassenerhalt? Oder wohin geht Ihr Blick?

Klar ist es unser primäres Ziel, die Klasse zu halten. Aber wir als Mannschaft sind in der Pflicht, dass es keine Zitterpartie wird, sondern dass der Verein frühzeitig eine Planungssicherheit hat. Wir wollen uns wieder in der Oberliga etablieren. Wichtig ist für mich dabei, dass wir das Stadion wieder voller bekommen und manchen Zuschauer, der in der vergangenen Saison gesagt hat, dass er sich das nicht mehr anschauen will, zurückholen können. Wir wollen wieder für eine positivere Stimmung im Umfeld sorgen.

Mit was für einem Gefühl gehen Sie in die neue Saison? Zurückhaltend und mit dem Bewusstsein, dass die HSV eigentlich jetzt ein Westfalenligist wäre? Oder mit großem Willem und viel Bereitschaft, die vergangene Spielzeit vergessen zu machen?

Wir haben die Chance erhalten, weiter in der Oberliga zu spielen. Das finde ich geil. Für die Neuen ist es eine super Plattform, sich zu präsentieren. Und die Alten können beweisen, dass sie es besser machen können. Wir müssen uns jedenfalls bei niemandem entschuldigen, dass wir weiter in dieser Liga sind. Wir müssen uns da nicht bedeckt zeigen und auch nicht unterwürfig zeigen. Für mich sind diese fünf Punkte, die HSV in der vergangenen Spielzeit geholt hat, ad acta gelegt. Diese Katastrophensaison findet vielleicht noch Erwähnung in irgendwelchen Jahrbüchern, aber ansonsten gehen wir da mit einer entsprechenden Selbstverständlichkeit an die neue Saison heran.

Also herrscht im Hammer Osten eine gewisse Aufbruchstimmung, die Sie durch die Saison zu diesmal mehr Punkten tragen soll?

Wir haben sicherlich Respekt vor der Aufgabe. Die Oberliga ist stark besetzt mit vielen guten Mannschaften, die oftmals in finanzieller Hinsicht deutlich besser aufgestellt sind als wir. Das drückt sich vielleicht im Kader aus, aber gespielt werden muss es auf dem Platz. Und darauf freue ich mich.

Können Sie dabei auf das gleiche Trainerteam zurückgreifen?

Ja, Adriano Ciallella ist weiterhin unser Co-Trainer. Er arbeitet sehr akribisch, wir beide haben einen guten Draht zueinander gefunden. Marco und Mano Zielinski kümmern sich auch in Zukunft um unsere beiden Torhüter. Die sind sehr jung und können von der Erfahrung der zwei sicherlich sehr profitieren. Und als Sportlicher Leiter fungiert wie gehabt Chiquinho.

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