Fußball-Oberliga

HSV-Trainer René Lewejohann kennt sich mit Druck aus

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HSV-Trainer und zumindest vorübergehend Internet-Berühmtheit: René Lewejohann.

René Lewejohann ist ein Mann der klaren Worte. Ein Video-Interview des Trainers der Hammer SpVg aus seiner Zeit in Siegen ist der Renner im Internet. Der 35-Jährige möchte lieber sportliche Schlagzeilen schreiben.

Hamm - Am 6. Mai 2012 hatte Lewejohann mit den Sportfreunden in der NRW-Liga gerade 1:0 gegen Bergisch Gladbach gewonnen. Es war der dritte 1:0-Erfolg in Serie – was den Reporter im Video-Interview zu einer leicht kritischen Nachfrage verleitete. 

Lewejohann entgegnete, Pessimisten könnten ihn „alle am Arsch lecken. Wir spielen unseren Stiefel runter. Alles andere ist mir so scheißegal. Die ganzen Schreiberlinge hinter den Computern an den Tasten, die ganzen Möchtegern-Franz-Beckenbauer, die sollen alle mal den Ball flach halten.“ 

Mit einem Sieg drei Tage später gegen Viktoria Köln bot sich Lewejohann und Co. die Chance, vorzeitig den Regionalliga-Aufstieg klar zu machen. Druck verspürte der heutige HSV-Coach damals deswegen aber nicht. „Druck habe ich abends, wenn ich nackt neben meiner Alten liege oder beim Scheißen auf dem Pott. Da habe ich den Druck“, lautete die Antwort.

Keine Frage, es ist ein spezielles Interview mit noch spezielleren Antworten. Lewejohann selbst kann sieben Jahre später drüber lachen: „Als Spieler war ich eben so.“ Er versichert aber: „Als Trainer habe ich mich gewandelt. Du musst den Spielern ja auch was vorleben können.“

Nur dank der Tordifferenz am rettenden Ufer

Das Thema Druck begleitet sicher aktuell auch den einen oder anderen Hammer Oberliga-Spieler. Nur dank der besseren Tordifferenz (minus 14) steht die HSV nicht auf einem Abstiegsplatz. Gütersloh (minus 15 Tore), genau wie Hamm mit 27 Zählern ausgestattet, hat aber auch noch ein Spiel mehr zu absolvieren. 

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Das gilt auch für den 1. FC Gievenbeck, mit 23 Punkten Schlusslicht der Liga – und am Sonntag in Münster (15 Uhr, Gievenbecker Weg 200) Gastgeber der Hammer SpVg. Lewejohann, der auf Leon Tia (Kapselprobleme) verzichten muss, um Joel Grodowski (Knie) bangt und sich über Wochen öffentlich nicht zur Tabellensituation äußern mochte, hat die Lage durchaus im Blick: „Wir müssen uns bewusst sein, vor was für einer Aufgabe wir stehen: Abstiegskampf pur! Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Wir müssen gewinnen, um einen Schritt zu machen.“

Nur nicht verkrampfen

Der Druck ist also da, für den Umgang rät der Coach eine lockere Art („Sie können sich ja das Video anschauen“) und sucht Akteure, die in solchen Szenarien nicht verkrampfen. „Da darf man sich um nichts Gedanken machen. So wie wir früher. So Typen brauchen wir“, sagt Lewejohann und ist überzeugt, solche Spieler in seinen Reihen zu wissen: „Marius Kröner und Manuel Dieckmann sind richtige Säue auf dem Platz. Alan Bezhaev ist ein Fighter. Volkan Ekici zählt aufgrund seiner spielerischen Klasse dazu. Die Jungs müssen den Karren jetzt ziehen. Da nehme ich sie in die Pflicht.“

Gegner Gievenbeck agiere „taktisch auf hohem Niveau“, sagt Lewejohann. Seine Elf habe aber nach dem 3:2 gegen Ennepetal das Gefühl, wieder das Glück auf ihrer Seite zu haben. Was vom Münsteraner Kontrahenten nicht zu behaupten ist. Seit dem 21. Oktober 2018 (3:1 gegen Rhynern) wartet Gievenbeck auf einen Oberliga-Dreier. 

Gievenbecks Trainer stellte die Charakterfrage

Die vielen Unentschieden (schon elf) drohen dem Tabellenletzten zum Verhängnis zu werden. Aber: Zuhause glückte dem FCG jeweils ein torloses Remis gegen die Top-Teams Schalke und Haltern. Trainer Benjamin Heeke stellte nach dem 1:1 gegen Ennepetal aber die Charakterfrage. „Ich habe nicht den Eindruck, dass hier alle Mann wirklich und unbedingt in der Liga bleiben wollen“, sagte der 34-Jährige den Westfälischen Nachrichten

Druck dürfte also auch der Gastgeber verspüren. Und vielleicht erklärt Lewejohann seinem jungen Trainerkollegen nach Abpfiff noch einmal, wie er damit am besten umgehen kann. Der HSV-Coach sollte diesbezüglich nämlich tatsächlich als Experte gelten: Mit Siegen glückte am 9. Mai 2012 ein 3:0-Erfolg gegen Viktoria Köln. Der Regionalliga-Aufstieg war perfekt. Ein anschließendes Video-Interview mit Lewejohann ist aber leider noch nicht aufgetaucht.

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