Kurioses Radke-Tor gegen Verl im Video: Viel Ärger bei Westfalenpokal-Partie

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HSV-Stürmer Danny Radke (rechts) mit Interimstrainer Ferhat Cerci.

Hamm - Die Hammer SpVg kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach der Entlassung von Trainer Oliver Gottwald und den Nebengeräuschen nach der Vorstellung von Ex-Nationalspieler David Odonkor als Sportlicher Leiter ist die jüngere Geschichte des Oberligisten um eine weitere Aufsehen erregende Episode reicher. Bei der am Ende verdienten 2:3 (1:1)-Heimniederlage im Westfalenpokal gegen den SC Verl erzielte Danny Radke das wohl kurioseste Tor der Saison – und trat den Fairplay-Gedanken mit Füßen.

Es lief die 75. Spielminute, als Radke von Verl-Verteidiger Hervenogi Unzola fair vom Ball getrennt, dabei aber im Zweikampf leicht mit der Hand im Gesicht getroffen wurde. Schiedsrichter Philip Holzenkämpfer wertete die Aktion allerdings nicht als Foul und ließ weiterspielen.

Der HSV-Stürmer war mit dieser Entscheidung offenbar alles andere als einverstanden und blieb zunächst auf dem Rasen liegen. Weil der Angreifer nach einiger Zeit immer noch auf dem Boden kauerte, schoben die Verler den Ball ins Seitenaus.

Wetten, dass Sie so etwas noch nie gesehen beziehungsweise gehört haben? Da schießt ein Spieler das 2:2 für seine Hammer Mannschaft gegen Verl und wird von seinen Kollegen nicht bejubelt, sondern angemeckert.Denn: "Benebelter" Radke vergisst das Fair-Play.

Posted by RevierSport on Sonntag, 22. November 2015

Als die Kugel wieder im Spiel war und von der Hammer SpVg – wie es üblich ist – zurück in die Hälfte der Gäste befördert wurde, sprintete Radke dazwischen, lief mit dem Ball am Fuß an der kollektiv verdutzten SC-Hintermannschaft sowie an Keeper Mellwig vorbei und erzielte den 2:2-Ausgleichstreffer.

Außer Radke selbst jubelte kein Hammer – und sofort bildete sich eine Traube um den Torschützen und Schiedsrichter Philip Holzenkämpfer, der den Treffer nicht zurücknahm. „Er hat mir gesagt, dass er einen Schlag abbekommen hat und dann sauer war“, erklärte SC-Trainer Andreas Golombek nach der Partie.

Entschuldigung bei Gästetrainer Golombek

Radke, der unter Gottwald in die Landesliga-Mannschaft verbannt worden war und erst seit der Übernahme von Interimscoach Ferhat Cerci wieder für die Oberliga-Truppe aufläuft, „hat sich allerdings direkt bei mir entschuldigt“, erklärte der Coach des Regionalligisten.

Fußball Verbandspokal: Hammer SpVg - SC Verl 2:3

Und auch dem 22-Jährigen, der nach seinem Tor sowohl von den eigenen Teamkollegen als auch von den Verlern beschimpft worden war, war sein Treffer mehr als peinlich. „Mir ist die Sache sehr unangenehm, und ich hoffe, dass daraus jetzt kein Skandal entsteht. Ich habe mittlerweile ein kurzes Video davon gesehen, und ich schäme mich dafür. Ich würde so etwas nie wieder machen“, sagte Radke in einem Gespräch mit dem Reviersport.

Plötzlich wurde ich angemacht und angemeckert

„Aber ich muss auch sagen, dass ich in dieser Szene regelrecht benebelt, nicht mehr bei Sinnen war. Nach dem Foulspiel lag ich am Boden und musste einige Sekunden erst zu mir kommen. Als ich dann plötzlich den Ball sah, bin ich los gerannt und habe mich nur kurz vor dem Torschuss gewundert, warum mich den keiner angreift? Dann habe ich die Kugel reingeschoben und gejubelt, wie nach jedem Treffer. Aber jetzt war alles anders. Plötzlich wurde ich von allen Seiten angemacht und angemeckert. Ich dachte, dass ich im falschen Film bin. Mir war erst einmal nicht bewusst, dass ich etwas Falsches gemacht habe. Ich wurde von allen Seiten beschimpft und beleidigt. Das dann aber wohl zurecht.“

Der Live-Ticker von Samstag zum Nachlesen

Nach einigen Diskussionen und dem Wiederanpfiff zeigte die restliche HSV-Mannschaft indes Größe. Aliosman Aydin lief vom Anstoßpunkt unbedrängt auf das Tor von Manuel Lenz zu und stellte den alten Abstand wieder her (76.). Das 3:2 für Verl war gleichzeitig auch das Endergebnis, obwohl die Hammer nochmal versuchten, sich gegen die Niederlage zu stemmen.

Ferhat Cerci: "Darauf können wir aufbauen"

Sie bauten in der Schlussviertelstunde gehörigen Druck auf, verpassten es aber, ihre Chancen zu nutzen. „Da hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt, und dass sie noch lebt. In einzelnen Situationen müssen wir aber cleverer sein und unsere Chancen klarer ausspielen“, sagte Cerci nach dem Spiel und fügte an: „Darauf können wir aufbauen.“

Von Beginn an hatten die rund 150 Zuschauer in der Evora-Arena ein durchaus unterhaltsames Spiel gesehen, in dem der Regionalligist aus Verl die Initiative übernahm. Dabei mussten die Ostwestfalen früh den Ausfall ihres besten Torschützen verkraften. Hamadi Al Ghaddioui, der in dieser Saison in der Liga bereits neun Tore erzielt hat, humpelte verletzt vom Feld. Für ihn kam Aliosman Aydin (21.).

Vom Wechsel unbeeindruckt, marschierte der Sportclub weiter nach vorne und erzielte verdient das 1:0. Nach schönem Zusammenspiel mit Aydin war es Nico Hecker, der den Ball an Manuel Lenz vorbei in die Maschen jagte (27.). Nur fünf Minuten später hatten die Gastgeber die passende Antwort. Nach einem cleveren Ball von Yakup Köse in die Spitze auf Radke verlor der Angreifer zwar zunächst den Ball, doch von der rechten Seite rauschte Dennis Mooy heran und glich mit dem ersten Torschuss der HSV zum 1:1 aus (32.).

Kurz vor der Pause hatten die Hausherren Glück, dass Aydin freistehend aus fünf Metern am Tor vorbei köpfte (40.). Im zweiten Durchgang übernahmen erneut die Gäste die Kontrolle und gingen durch einen harmlosen Schuss von Matthias Haeder, der unhaltbar für Lenz abgefälscht wurde (57.), in Führung – ehe Danny Radke seinen Auftritt hatte.

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