HSV-Präsident Graef plant für eine weitere Amtszeit

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HSV-Präsident Jürgen Graef.

Hamm - Am Sonntag starten die Oberliga-Fußballer der Hammer SpVg mit der richtungweisenden Partie beim Tabellenvorletzten SuS Stadtlohn in die Rückserie. Sie wollen nach einer enttäuschenden Hinrunde für mehr positive Schlagzeilen sorgen. HSV-Präsident Jürgen Graef, regelmäßiger Gast in der Evora Arena, sprach mit Simon Stock über die Außendarstellung des Klubs im vergangenen Jahr, die geplatzte Fusion mit dem SSV Hamm und die eigene Zukunft.

Herr Graef, fangen wir sportlich an. Für die Fußballer ist es in der Hinrunde nicht optimal gelaufen. Der Abstand zum Tabellenkeller ist nicht komfortabel. Im Winter wurden gestandene Spieler abgegeben und weitgehend Unbekannte geholt. Machen Sie sich Sorgen um das Aushängeschild der HSV?

Jürgen Graef: Grundsätzlich: Wir mischen uns vom Vorstand nicht in sportliche Belange ein. Wir vertrauen den Zuständigen. Wenn die sagen, dass die Leistungsträger die Leistung nicht gebracht haben und Nachholbedarf besteht, dann nehmen wir das zur Kenntnis.

Ein Abstieg wäre aber nicht im Sinne des Vereins.

Graef: Der Abstieg wäre unter mehreren Aspekten sehr schlimm. Zum einen sportlich. Es ist einfacher, die Liga zu halten, als wieder aufzusteigen. Zum anderen finanziell. Sponsoren, denen es nur um sportlichen Erfolg geht, würden dann vielleicht abspringen. Nicht zuletzt wäre ein Abstieg womöglich der Motivation der Jugendspieler abträglich. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft in der Oberliga bleibt.

Das vergangene Jahr war insgesamt ein unruhiges für die HSV. Es gab zwei Trainerentlassungen, dazu der Wirbel um die Verpflichtung des Sportlichen Leiters David Odonkor. Die Außendarstellung war nicht sehr glücklich.

Graef: Entscheidend ist, was auf dem Platz geschieht. Wenn der sportliche Erfolg da ist, ist alles gut. Wenn nicht, schauen alle etwas genauer hin. Das sollte niemanden verwundern. Zu David Odonkors Schutz: Er wirkte bei der Vorstellung ein wenig alleingelassen. Er wurde vielleicht nicht ausreichend vorbereitet. Insgesamt kann die Außendarstellung natürlich immer besser sein. Aber ich sehe viele positive Dinge, die nicht so eine große Außenwirkung entfalten wie der Name Odonkor: etwa die wirklich ganz hervorragende Arbeit der Fußballabteilungsleitung um Dirk Blumenkemper.

2015 war auch das Jahr der gescheiterten Fusion mit dem SSV. Sie galten – auch vor dem Hintergrund des Mitgliederrückgangs – als Befürworter.

Graef: Zunächst einmal: Die HSV hätte die Fusion sehr begrüßt. Es ist schade, dass sie nicht zustande gekommen ist. Es ist hier nicht meine Absicht, den Schwarzen Peter weiterzuschieben, aber das Vorhaben ist nicht an der HSV gescheitert, sondern letztlich an den Fußballern innerhalb des SSV.

Die hatten Angst, dass sie im großen Ganzen verschwinden würden.

Graef: Es gab offenbar viele Vorbehalte gegenüber der HSV. Vorurteile kann man schlecht bekämpfen. Ich bin überzeugt davon, dass die Fusion für beide Vereine Vorteile gebracht hätte; der SSV hat andere Sportarten als wir. Die Klubs hätten sich gegenseitig befruchtet. Man hätte nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Fußballer sinnvoll zusammenführen können, wenn da kleinere Egoismen nicht beachtet worden wären.

Wird es einen neuen Anlauf geben?

Graef: Jürgen Lethaus ist nicht mehr Vorsitzender des SSV, daher macht es derzeit wenig Sinn. Aber wir sind weiter offen für Gespräche.

Auch mit anderen, vielleicht mitgliederstärkeren Vereinen? Der TuS 59 ist gleich nebenan.

Graef: Die HSV würde nicht zu einer Abteilung eines anderen Vereins werden. So eine Entscheidung kann ich mir mit dem jetzigen Vorstand auf absehbare Zeit nicht vorstellen.

Gab es im Vorstand schon einmal Überlegungen, sozusagen auf höchster Fußball-Ebene mit Westfalia Rhynern gemeinsame Sache zu machen?

Graef: Keine ernsthaften. Mal abgesehen von einer gesunden sportlichen Rivalität zwischen beiden Vereinen, die gut und richtig ist, ist die räumliche Distanz schon recht groß. Rhynern ist mit seinem Standort sehr verbunden. Als HSV-Vorstand müssten wir uns fragen, wie das funktionieren könnte.

Wie groß ist das Fußball-Potenzial in Hamm?

Graef: Es ist schwierig, das konkret an einer Liga festzumachen. Ich bin Jahrgang 1959 und kann mich gut erinnern, wie in den 70er-Jahren zu manchen Spielen 5000, 6000 Menschen ins Stadion kamen. Diese Zahlen werden wir in der Oberliga und auch eine Liga darüber nicht mehr erreichen. Aber eine größere Kulisse wäre schön und auch die Belohnung für gute Arbeit. Letztlich hängt der sportliche Erfolg aber von den Finanzen ab.

Am 10. März ist Jahreshauptversammlung. Werden Sie erneut als Präsident kandidieren? Es gibt Gerüchte, dass sie das nicht tun.

Graef: Das hätte sein können, ja. Aber ich stehe wieder zur Wahl. [Vizepräsident] Alexander Tillmann und [Finanzmanager] Magnus Schroer, mit denen die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren atmosphärisch toll, positiv und einvernehmlich war, wollen aus persönlichen Gründen leider nicht mehr kandidieren. Als Nachfolger stehen Dennis Kocker und Matthias Graf bereit – beide sind HSVer, jung und kompetent. Es würde mich freuen, wenn sie in den Vorstand gewählt würden.

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