Fußball

HSV-Neuzugang Andrei Lorengel erklärt die Gründe für den Wechsel

Andrei Lorengel (rechts) will nach seinem Abschied aus Wiescherhöfen bei der Hammer SpVg die Fäden ziehen
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Andrei Lorengel (rechts) will nach seinem Abschied aus Wiescherhöfen bei der Hammer SpVg die Fäden ziehen

Andrei Lorengel wusste nichts. Nicht, in welcher Liga die Hammer SpVg in der kommenden Saison spielen wird. Und auch nicht, wie das Team nach der desaströsen Spielzeit in der Fußball-Oberliga ohne einen einzigen Sieg im neuen Jahr aufgestellt sein wird.

Hamm - Und dennoch zögerte Andrei Lorengel Ende März keine Sekunde, als er das Angebot aus dem Hammer Osten erhielt, in der Zukunft im weinroten Dress der HSV aufzulaufen.

„Zum einen ist es für mich toll, dass ich weiter unter Steven Degelmann spielen kann. Zum anderen hat mich aus das Konzept der Hammer überzeugt, in Zukunft auf junge Spieler aus dem näheren Umfeld zu setzen. Da stehe ich voll hinter”, sagt der 26-Jährige, der sich mit seinem neuen Team bereits seit fast zwei Wochen im Training befindet und große Vorfreude auf die kommende Saison verspürt: „Wir haben eine junge Truppe, die richtig viel PS auf den Platz bringt. Ich habe da richtig Bock drauf.”

Damit wird Lorengel seinen zweiten Versuch starten, in der Oberliga Fuß zu fassen. Seinen ersten hatte er unternommen, als er aus der Jugend des TuS Wiescherhöfen zum SV Westfalia Rhynern gewechselt war und am Papenloh seine ersten Schritte im Seniorenbereich machte. „Ich hatte in der Jugend niemals höherklassig gespielt. Daher hatte ich damals in Rhynern einfach noch nicht die nötige Qualität”, sagt Lorengel, der nach zwei erfolglosen Jahren, in denen er es nicht geschafft hatte, sich einen Stammplatz im Oberligateam der Rhyneraner zu erkämpfen, wieder zurück an die Wielandstraße ging.

Leistungsträger an der Wielandstraße

Und dort entwickelte er sich schnell zu einem absoluten Leistungsträger, stieg mit dem TuS aus der Bezirks- in die Landesliga auf und war seitdem mit seiner starken Technik und seiner Übersicht im Spielaufbau aus der Wiescherhöfener Mannschaft nicht mehr wegzudenken. „Durch den Aufstieg, durch das Vertrauen von Steven und durch die guten Freundschaften, die sich beim TuS ergaben, habe ich einfach viel Selbstbewusstsein gehabt. Und außerdem habe ich in Wiescherhöfen anders als in Rhynern, wo ich mich selbst viel zu sehr unter Druck gesetzt habe, kaum Druck verspürt. Das alles hat sich sehr positiv auf meine Leistung ausgewirkt”, betont Lorengel.

Daher fühlt er sich nun auch bereit, noch einmal einen Versuch zu unternehmen, in der fünften Liga zu spielen. Bereits in den ersten Trainingseinheiten merkte er dabei, dass er mittlerweile über das Potenzial, die Handlungsschnelligkeit und über das nötige Tempo, das ihm mit Anfang 20 in Rhynern noch gefehlt hatte, verfügt. „Und ich habe inzwischen auch ein bisschen mehr Erfahrung, damals war ich noch recht grün hinter den Ohren”, sagt der Mittelfeldspieler, der in der Medizintechnik-Branche sein Geld verdient.

Mit fünf Jahren an Diabetes erkrankt

Dabei hätte er er seine Fußball-Karriere in jungen Jahren fast schon beendet – wenn es nach dem Willen seiner Eltern gegangen wäre. Denn im Alter von fünf Jahren war Lorengel an Diabetes erkrankt, so dass seine Eltern seine Fußballschuhe versteckten, damit er erst einmal mit seiner Krankheit, die ihn seitdem Tag für Tag begleitet, zurecht kam. Im-E-Junioren-Alter jagte er dann aber in Wiescherhöfen wieder dem Ball hinterher – und lässt sich durch seine Krankheit nunmehr nicht aus dem Konzept bringen. „Klar muss ich Rücksicht nehmen und immer meine Werte kontrollieren. Aber körperlich beeinträchtigt mich das nicht”, stellt er klar. Vor jeder Trainingseinheit und jedem Spiel nimmt er seine Insulinpumpe ab und stöpselt sie dann später wieder ein – dies ist für ihn genauso selbstverständlich geworden wie das Zubinden seiner Fußballschuhe.

Und die will er bei der HSV nicht binden, um auf der Bank zu sitzen. Sondern um im Mittelfeld die Fäden zu ziehen und dafür zu sorgen, dass der Traditionsverein aus dem Hammer Osten in der kommenden Spielzeit besser abschneidet als in der vergangenen.

„Wir wollen mehr als die fünf Zähler aus dem letzten Jahr holen, das ist schon mal ein gutes Ziel. Aber klar, primär geht es für uns darum, die Klasse zu halten”, sagt Lorengel. „Wir müssen zusehen, dass der Umbruch klappt und dass wir als Mannschaft eine Einheit werden. Und ich persönlich hoffe für mich, dass ich viel spielen werde. Ansonsten wäre ich mit meinen 26 Jahren nicht zur HSV gegangen.”

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