Höhenflug in der 2. Handball-Bundesliga

ASV Hamm-Westfalen schafft mit drei Siegen in Serie die Stimmungswende

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Die ASV-Abwehr um Jan Brosch und Markus Fuchs (von rechts) arbeitet derzeit auf vollen Touren.

Hamm - Es hätte Anlässe genug für eine ausgelassene Feier gegeben. Doch dass die Spieler des ASV Hamm-Westfalen den Bus auf der stundenlangen Rückfahrt aus Süddeutschland in der Nacht zu Montag nicht in eine Partyzone verwandelten, hatte vor allem einen Grund: „Die Jungs waren ziemlich kaputt“, erzählt Niels Pfannenschmidt.

Kein Wunder, schließlich hatte es der erste Doppelspieltag in der 2. Handball-Bundesliga in sich gehabt für den ASV. Auf den bärenstarken Auftritt gegen Erstliga-Absteiger HC Erlangen folgte der Kraftakt inklusive weiter Anreise nach Neuhausen. Am Ende standen 4:0 Punkte, eine Serie von mittlerweile drei Siege in Folge, Tabellenplatz drei – vor allem aber ein kolossaler Stimmungsumschwung. „Da sieht man, wie schnell das manchmal geht“, sagt Pfannenschmidt.

Denn noch vor zwei Wochen waren Enttäuschung und Verärgerung bei den Hammern grenzenlos gewesen angesichts eines desaströsen Heimauftritts gegen Bad Schwartau. „Wir haben eine schwere Phase durchlaufen“, so Manager Kay Rothenpieler. „Es war klar, dass eine Reaktion kommt. Aber dass die so gut wird, ist echt super.“

Die jüngste Entwicklung freut den Manager enorm, wirklich überraschend kommt sie für ihn nicht. Die Gründe für den Stotter-Start (3:5 Punkte) waren schnell ausgemacht, vor allem die schwierige personelle Situation und die entsprechend eingeschränkte Arbeit in den Übungseinheiten hatte den Hammern zu schaffen gemacht.

2.Handball Bundesliga: ASV Hamm Westfalen - HC Erlangen 27:23

„Wir haben in der Woche vor dem Spiel gegen Bad Schwartau ja eigentlich zum ersten Mal zusammen trainiert“, sagt Pfannenschmidt. Entsprechend bewahrten er und die anderen Verantwortlichen die Ruhe. „Wir haben einfach ganz vernünftig weitergemacht“, erzählt der Trainer. „Und das hat sich ausgezahlt.“

Dass in Rostock direkt ein Sieg gelang, half bei der Aufarbeitung ungemein. „Das war vom Kopf her wichtig. Das hat ein bisschen Druck aus der Sache genommen“, so Pfannenschmidt, der anschließend selbst leicht verdutzt war angesichts der Darbietung gegen Erlangen: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon in der Lage sind, das Spiel zu gewinnen. Ich hatte den ganzen Prozess etwas holpriger erwartet.“

#SIEGERFOTOOOOOOOOOOOO!Das sind dann mal 3 Siege in Folge - DREI!!!! Mit einem 23:19 Sieg gehts 500km zurück nach Hamm. 󾌵

Posted by ASV Hamm-Westfalen on Sonntag, 27. September 2015

Doch der Prozess ist in einem Bereich bereits weit fortgeschritten: Die Deckung, seit seinem Amtsantritt im Juli Pfannenschmidts vordinglichstes Arbeitsfeld, erweist sich derzeit als großer Trumpf des ASV, wirkt sowohl in der 6:0- als auch in der 5:1-Variante bemerkenswert stabil. Und hat in dem austrainierten und coolen Tomas Mrkva einen herausragenden Rückhalt. „Wir haben da schon eine hohe Qualität“, sagt Pfannenschmidt. „Aber es gibt immer was zu verbessern.“

Vor allem will der Coach die Abwehrarbeit auf noch mehr Schultern verteilen. Derzeit sorgt aber alleine schon die „massive Mitte“ für Sicherheit. Jan Brosch und Markus Fuchs in der Zentrale blockten auch in Neuhausen zahlreiche Würfe, Jakob Macke ist – im 6:0 auf der Halbposition – der dritte Stabilisator. „Sie machen das richtig gut, halten den Laden zusammen. Da brennt nicht viel an“, lobt Pfannenschmidt.

Im Angriff passen derweil noch nicht alle Automatismen und Laufwege, auch deshalb tat sich der ASV gegen die offensive 3:2:1-Deckung Neuhausens schwer. Das nimmt Pfannenschmidt angesichts der bisherigen Betonung der Abwehrarbeit bewusst in Kauf, feilt aber nun intensiver an der Abstimmung – und freut sich auf den „Kracher“ am Samstag (19.15 Uhr) gegen GWD Minden, der den Auftakt zu drei Heimpartien in Serie bildet. „Das wird ein schönes Spiel“, sagt der gebürtige Mindener vor dem Duell mit seinem Heimatverein.

Er ist derweil abermals bemüht, die Stimmung in die richtigen Bahnen zu lenken. Nun allerdings eine euphorische. Dabei verweist er unter anderem auf die Tabelle. Nach Minuspunkten liegt der ASV als Dritter gerade einmal drei Zähler vor dem ersten Abstiegsplatz. „Wir sind jetzt wieder gut beraten, nicht durchzudrehen und in Ruhe weiterzumachen“, sagt Pfannenschmidt. Und auch Rothenpieler betont: „Wir freuen uns, haben Selbstvertrauen getankt. Aber wir müssen fokussiert bleiben.“

Beiden ist klar: Die Mannschaft ist jung, die nachhaltige Stabilität des Gesamtkonstrukts muss sich noch erweisen. „Ich will das nicht herbeireden, aber natürlich kann es passieren, dass es Rückschläge gibt“, sagt Pfannenschmidt. Und Rothenpieler ergänzt: „Die Liga ist wirklich verrückt. es kann immer Schwankungen geben.“

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