Hausbesuche

Herringens Trainer Sven Pahnreck ist der Vielseitige

Auf seinem Motorrad kann Sven Pahnreck abschalten und den Kopf frei bekommen.
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Auf seinem Motorrad kann Sven Pahnreck abschalten und den Kopf frei bekommen.

Hausbesuche heißt die Serie im Lokalsport. Wir besuchen die Fußball-Trainer von der Kreisliga A bis zur Oberliga zuhause und reden mit ihnen über alltägliche Dinge, über skurrile Vorkommnisse, persönliche Erlebnisse und natürlich auch über Fußball. Diesmal: Sven Pahnreck vom SVF Herringen.

Hamm - Manchmal sind es Situationen, die er aus seinem Alltag so nicht kennt. Und trotzdem muss sich Sven Pahnreck diesen Gegebenheiten und Konstellationen stellen. „Das macht die Arbeit natürlich spannend”, sagt der 34 Jahre alte Coach des Fußball-A-Kreisligisten SVF Herringen und redet dabei nicht über sein Engagement an der Schachtstraße. Vielmehr berichtet er von seinem Job, mit dem er sein tägliches Brot verdient: Pahnreck arbeitet in Castrop-Rauxel als Beamter in einer Justizvollzugsanstalt und hat dort mit Klein- bis hin zu Schwerkriminellen zu tun.

Allerdings ist es keine geschlossene Anstalt, sondern die Inhaftierten sind in einem alten Berglehrlingsheim im offenen Vollzug untergebracht. Daher sind an den Fenstern auch keine Gitter installiert. Vielmehr gehen die Häftlinge innerhalb oder außerhalb des Hauses einer Arbeit nach und dürfen sich bis 22 Uhr frei auf dem Gelände bewegen. „Bei uns steht die Resozialisierung im Vordergrund. Wir bereiten die Häftlinge auf ihr Leben nach der Haft vor”, sagt Pahnreck, der nicht gedacht hatte, dass ihm dieser Job mal so gut gefallen würde. „Das ist eine Arbeit, die mich voll ausfüllt, die mir mittlerweile viel Spaß macht und mit der man der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.”

Engagement in der Politik kann ein Thema werden

Die Gesellschaft und das Miteinander haben für ihn aber nicht nur während seiner Arbeit, sondern rund um die Uhr einen hohen Stellenwert – vor allem in Hamm, in seiner Heimatstadt, in der er geboren sowie aufgewachsen ist. „Ich interessiere mich für Politik, bin aber noch nicht engagiert”, sagt er und erklärt auch gleich, was das Wörtchen „noch” zu bedeuten hat: „Momentan füllt mich der Job beim SVF Herringen schon enorm aus. Aber ich interessiere mich für die Stadt Hamm – und damit auch für die Politik in unserer Stadt. Daher kann das langfristig für mich ein Thema werden.” Bei der Wahl zum Oberbürgermeister im vergangenen Herbst hatte er schon Flagge gezeigt und sich – auch mit öffentlichen Beiträgen in sozialen Netzwerken – klar auf die Seite von Thomas Hunsteger-Petermann gestellt. „Ich bin mit ihm als Oberbürgermeister in Hamm aufgewachsen. Und er hat über Jahrzehnte meiner Meinung nach einen guten Job gemacht, viel für die Stadt getan. Daher hatte er meine Unterstützung”, erklärt der Fußball-Coach.

Ein weiteres Steckenpferd von Pahnreck, der seit einem Jahr in Rhynern lebt („Das ist nicht nur ein schöner Stadtteil, sondern auch von der Verkehrsanbindung für mich optimal.”), ist das Tennisspielen. Von Kleinauf jagt er die gelbe Filzkugel über das Netz und ist auch jetzt noch beim TuS 59 Hamm in der zweiten Herren-30-Mannschaft aktiv. „Ich finde, das ist ein sehr angenehmes Hobby. Man muss nur einen Kumpel anrufen, trifft sich mit dem auf der Anlage und kann loslegen”, meint er – und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Nach einem Match kann man noch schön zusammen sitzen und was trinken.”

Leidenschaft Motorrad

Seit zwei Jahren geht er auch noch einer weiteren Leidenschaft nach. Nach einem Urlaub in Südostasien hat er seinen Auto-Führerschein erweitert und darf nun mit einem 125-ccm-Motorrad unterwegs sein. „Das genieße ich total, wenn ich nach der Arbeit durch die Felder Richtung Möhnesee oder von Rhynern aus Richtung Soest fahren kann“, schwärmt er. „Da kann ich abschalten, den Kopf frei bekommen und ohne Handy das Leben genießen. Das hat was. Das ist wie Kurzurlaub für mich.“

Seine zeitintensivste Freizeitbeschäftigung ist aber ohne Frage der Fußball. 16 Jahre lang hatte er zuerst bei der Hammer SpVg gekickt. Sogar in der Oberliga-Mannschaft kam er unter der Regie des damaligen Trainers Wolfgang Sandhowe einmal in einem Auswärtsspiel beim SC Verl zum Einsatz. „Zu mehr hat es bei mir aber nicht gereicht. Das habe ich dann eingesehen“, sagt er.

Die schönste Zeit hatte er eh im Jugendbereich bei der HSV, spielte mit der A-Jugend sogar um den Aufstieg in die Bundesliga. Mit 28 Jahren beendete er seine aktive Zeit in der Reserve des SV Westfalia Rhynern und wurde Coach des A-Jugendteams am Papenloh. Da er aber schon seit seinem 16. Lebensjahr als Jugendtrainer aktiv gewesen war, fiel ihm der Wechsel an die Seitenlinie nicht allzuschwer. Von Rhyern aus zog es ihn dann zum TuS Uentrop, wo er die erste Mannschaft in der Kreisliga A betreute und hinter der übermächtigen IG Bönen Vize-Meister wurde. Nach seinem Ausstieg im Giesendahl wurde er schnell von Erwin Faros, damals Sportlicher Leiter beim SVF Herringen, kontaktiert. „Mit seinem Sohn Jan-Philipp habe ich bei der HSV zusammen eine Mannschaft trainiert und beim TuS Wiescherhöfen zusammen in der Ersten gespielt“, betont Pahnreck, der den SVF-Verantwortlichen schnell seine Zusage gab. „Der SVF hat eine superschöne Anlage, das Umfeld und die Strukturen im Verein waren gut und sind jetzt von uns nochmals optimiert worden, und Herringen hat extrem viel Potenzial nach oben. Das alles hat mich gereizt“, erklärt er. Zudem steht ihm mit Jan-Philipp Faros sein Freund aus Jugendzeiten als Co-Trainer zur Seite. „Das passt alles sehr gut beim SVF“, stellt er klar, zumal er im Laufe der Jahre gelernt hat, sich den Gegebenheiten der Kreisliga anzupassen und zu begreifen, dass in dieser Spielklasse der Fußball als Hobby betrieben wird.

Balance zwischen Ehrgeiz und Zurückhaltung

„Früher war ich ausschließlich auf Leistung fixiert“, verrät Pahnreck. Eben so, wie er es als Jugendspieler bei der Hammer SpVg kennen gerlent hatte. „Dort hatte ich immer sehr gute Ausbilder, aber es stand natürlich der sportliche Aspekt im Vordergrund. Jetzt habe ich den Breitensport erlernt“, betont Pahnreck. „Das hat zwar ein paar Jahre gedauert, aber ich habe mittlerweile eine gute Balance aus Ehrgeiz und meinen Ideen sowie einer gewissen Zurückhaltung gefunden. Wenn die Jungs zur Anlage kommen, wollen sie ihrem Hobby nachgehen – gepaart mit Leistung.“

Während er als Trainer Kompromisse eingegangen ist, geht er als Mensch seinen Weg. „Ich bin ein extrovertierter Typ“, meint er. „Ich bin kreativ, habe Energie und sorge für Impulse. Diese Eigenschaften mache ich mir zu Eigen, um meine Ideen umzusetzen. Ich treffe sicherlich nicht immer die richtigen Entscheidungen, aber ich treffe meine Entscheidungen wohl überlegt und stehe deswegen auch dazu.“

Der Job in der Vollzugsanstalt, das zeitraubende Traineramt in Herringen, der Tennissport beim TuS 59, das Interesse an der Politik und die Touren mit seinem Motorrad – das alles rückt allerdings in den Hintergrund, wenn Pahnreck von seiner fünf Jahre alten Tochter erzählt. Dann leuchten seine Augen, dann wird das Grinsen in seinem Gesicht immer breiter. „Früher war immer Fußball meine Nummer eins, aber das ist jetzt nicht mehr so. Meine Tochter ist das größte Geschenk in meinem Leben. Sie hat absolute Priorität”, sagt er.

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