Fußball: Spielabbruch in Stockum

Deshalb gingen die Herringer Spieler vom Platz

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Sven Pahnreck, Trainer des SVF Herringen.

Eigentlich war die Partie der Fußball-Kreisliga A (1) zwischen dem SV Stockum und SVF Herringen ein unspektakuläres Mittelfeldduell. Bis Gästetrainer Sven Pahnreck nach 73 Minuten seine Spieler aus Protest gegen die Leistung von Schiedsrichter Haci Kilinc vom Platz holte.

Hamm - Zwei Elfmeter und vier Gelbe Karten gegen sein Team hatte Pahnreck bereits erduldet. Als Kilinc zum fünften Mal den gelben Karton gegen einen seiner Spieler zückte, war das Fass übergelaufen. Der Trainer des SVF Herringen beorderte seine Mannschaft in die Kabine. Spielabbruch beim Stand von 2:1 nach 73 Minuten.

„Der Schiedsrichter hat den Herringern eine Frist gesetzt, um die Partie fortzuführen“, sagt der Kreisschiedsrichter-Ausschuss-Vorsitzende Torsten Perschke, dem der Spielbericht vorliegt. Darin habe Kilinc angeführt, dass die Herringer nach einer Schwalbe einen Freistoß haben wollten, den sie nicht bekamen. Dann sei der Trainer auf den Platz gegangen und habe gesagt, sie spielen nicht weiter. Kilinc habe zwei Minuten gewartet, noch einmal SVF-Kapitän Phil Neuhaus gefragt, ob es weiter gehe, was dieser verneinte. „Abbrechen kann aber nur der Schiedsrichter – kein anderer“, zeigte Perschke wenig Verständnis für das Handeln der Herringer.

SVF-Sportchef Erwin Faros: "Wir haben uns verschaukelt gefühlt"

„Wir haben uns verschaukelt gefühlt“, sagt der Sportliche Leiter des SVF, Erwin Faros, nachdem sich die Gemüter 24 Stunden später wieder beruhigt hatten. „Der Schiedsrichter hat sich neutral zu verhalten – das haben wir vermisst.“

Eine Einschätzung, die Stockums Coach Zakaria Slimani, dessen Team ohne Verwarnung geblieben war, nicht teilen wollte: „Für mich waren das alles berechtigte Entscheidungen“, gab es für ihn keine Auffälligkeiten während der Partie, die nach Ansicht der Vertreter beider Vereine absolut fair verlaufen war. „Aus seiner Sicht kann ich das nachvollziehen“, sagt Faros, der seinen Unmut allein gegen den Unparteiischen richtet: „Es ging um nichts, die Spieler haben überhaupt keine Probleme miteinander gehabt. Es gab keine Diskussionen, keine unfairen Attacken. Es ging uns allein um die Schiedsrichter-Leistung.“

Dabei pfiff Kilinc einen der drei Strafstöße sogar für die Gäste. Und: „Den ersten Elfer für Stockum kannst du geben. Beim zweiten gibt es einen Pressschlag, bei dem unser Spieler sogar eher am Ball ist“, sagt Faros. „Aber es ging gar nicht so sehr um die Elfmeter. Es ging um das ganze Drumherum. Da waren etliche Situationen, die nicht abzupfeifen waren – das war nicht so glücklich, was da gelaufen ist.“

Faros will Trainer Pahnreck "nicht in den Rücken fallen"

Daher mag Faros auch nicht von einer Überreaktion Pahnrecks reden. „Ich werde unserem Trainer nicht in den Rücken fallen. Er hat allen Grund gehabt, sauer zu sein“, versicherte der Sportliche Leiter, der daher zumindest offiziell auch keine Sanktionen gegen den Coach verhängen wird. „Von unserer Seite wird es auf keinen Fall Konsequenzen für Sven geben. Auch wenn ich davon ausgehe, dass wir vor der Spruchkammer kein Recht bekommen werden und dass das Spiel für Stockum gewertet wird. Denn davon, dass sich der Schiedsrichter auch noch mit den Zuschauern angelegt hat, ist im Bericht ja nichts zu lesen.“

Staffelleiter Friedhelm Wittwer hat hat die Sache zunächst „an das Kreissportgericht weitergegeben. Daher muss ich erst einmal sehen, ob das da aktiv werden will. Wenn es nicht einschreitet, wüde ich das Spiel werten wie bei einem Abbruch. Also mit 2:1 und drei Punkten für Stockum. Aber da will ich nicht vorgreifen. Denn sobald die Spruchkammer Stellungnahmen anfordert, bin ich raus.“

Dass die Ereignisse von Stockum kein gutes Licht auf die Herringer werfen, ist Faros bewusst. „Ich weiß, dass es blöd für den SVF ist und bei anderen Vereinsvertretern kein Verständnis finden wird“, sagt er. „Aber das müssen wir so hinnehmen.“ So wie die Entscheidung der Spruchkammer. Denn einen offiziellen Protest hat der Verein nicht eingelegt, versichert Faros.

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