Kanuslalom

Hengst ist bester Deutscher - und ärgert sich dennoch

Stefan Hengst belegte bei der Kanuslalom-WM Rang fünf.
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Stefan Hengst belegte bei der Kanuslalom-WM Rang fünf.

Fünfter Platz im Finale der Weltmeisterschaft. Und bester Deutscher. Stefan Hengst, Kanu-Slalom-Fahrer vom Kanu-Ring Hamm, hatte eigentlich genug Gründe, um mit seinem Abschneiden bei den Titelkämpfen in Bratislava mehr als zufrieden zu sein.

Bratislava - Doch schon bei seiner Zieldurchfahrt schlug sich der 27-jährige Heessener mit der Hand voller Frust gegen die Stirn. Und auch Stunden später war der Ärger noch nicht verraucht. „Vom Ergebnis her ist es natürlich echt gut. Aber es hängt in mir, dass da viel mehr drin gewesen wäre. Das regt mich auf“, sagte Hengst.

Recht glücklich hatte er sich im Halbfinale als Zehnter für den Endlauf der zehn besten Fahrer qualifiziert. An Tor neun hatte er sich zwei Strafsekunden eingehandelt und damit 3,50 Sekunden hinter dem Slowaken Jakub Grigar gelegen. Entscheidend war aber vielmehr, dass er einen Mini-Vorsprung von 0,05 Sekunden auf den Tschechen Jiri Prskavec hatte und er sich damit seinen angepeilten Platz im Finale ergattert hatte. „Da war ich recht glücklich, dass ich das geschafft hatte“, gab er zu.

Im Finale ging er, nachdem unmittelbar vor ihm seine Teamkollegin Ricarda Funk den Weltmeistertitel gewonnen hatte, als Erster ins Rennen. „Ich hatte vor, ich setze auf meine Vorstellung aus dem Halbfinale noch einen drauf und liefere einen soliden Lauf ab“, meinte Hengst. Doch schon an Tor drei waren alle Pläne über den Haufen geworfen. Zuerst benötigte er viel zu lange, um durch die beiden Stangen hindurchzukommen, dann berührte er auch noch eine der beiden Markierungen und handelte sich eine Zwei-Sekunden-Strafzeit ein. „Ich kann mir das selbst nicht erklären, was da passiert ist. Und wenn ich das mal so überschlage, habe ich da rund sechs Sekunden verloren. Natürlich weiß ich nicht, ob ich den Lauf danach auch so sauber runtergebracht hätte, aber wenn ich die sechs Sekunden abziehe, dann bin ich fast bei der Bestzeit“, ärgerte sich Hengst, der im Ziel 6,73 Sekunden Rückstand auf den Franzosen Boris Neveu, den neuen Weltmeister, hatte.

Vollgas nach dem Aussetzer

Nach seinem Aussetzer an diesem ominösen dritten Tor hatte Hengst seinen Kopf ausgeschaltet, Vollgas gegeben und jedes Risiko auf sich genommen. „Ich hatte mir gedacht, heiz‘ da jetzt einfach durch“, verriet er. Und dies gelang ihm in Perfektion. Während sich andere Mitfavoriten im unteren Teil der Strecke mehrere Strafsekunden einhandelten oder gar ein Tor verpassten, unterlief dem wie entfesselt fahrenden Heessener kein weiterer Fehler mehr. „Eigentlich liegt mir die Strecke in Bratislava auch sehr. Aber wie ich den Lauf dann nach Tor drei zuende gefahren habe, hat mich selbst überrascht“, sagte er.

Und daher zog er am Ende doch noch viel Positives und eine Menge Mut aus diesem WM-Finale, das ihm mit ein wenig Glück auf einen Treppchenplatz hätte bringen können. „Nächstes Jahr haben wir die Heim-WM in Augsburg. Da will ich Gas geben, das ist das große Ziel“, betonte er und fügte hinzu: „Ich bin eigentlich gut dabei, habe die Pace. Aber ich muss daran arbeiten, die Läufe fehlerfrei runterzubringen.“

Im Extreme-Slalom in der Qualifikation gescheitert

Letztlich fuhr Hengst in Bratislava sein bestes Ergebnis mit dem Kanuslalom bei dem Wettbewerb ein, bei dem er sich eigentlich die geringsten Chancen auf einen vorderen Platz ausgerechnet hatte. Denn im Extreme-Slalom, wo er 2019 Weltmeister geworden war, und im Team-Wettbewerb zusammen mit Noah Egge und Hannes Aigner hatte er sich deutlich mehr ausgerechnet. „Aber in der Quali beim Extreme habe ich es in der Rollzone verbockt. Und mit der Mannschaft habe ich uns durch den Wind die 50-Sekunden-Strafe eingefangen“, gab er zu. „Dennoch weiß ich, dass ich gut dabei bin.“

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