Fußball

Vier heimische Schiedsrichter noch auf den Plätzen

Der Hammer Schiedsrichter Torsten Perschke  ist derzeit noch als Beobachter in der Regionalliga West unterwegs.
+
Der Hammer Schiedsrichter Torsten Perschke ist derzeit noch als Beobachter in der Regionalliga West unterwegs.

Auch die heimischen Fußball-Schiedsrichter leiden während der Corona-Zwangspause unter dem Hobby-Entzug. Immerhin vier Unparteiische aus dem Kreis Unna-Hamm sind aber auch aktuell am Wochenende noch auf den Plätzen - als Beobachter.

Hamm – Rund 250 Schiedsrichter sind im Fußball-Kreis 32 Unna-Hamm derzeit registriert. „Die meisten“, so Torsten Perschke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses, warten mit großer Vorfreude darauf, dass sie im Sommer wieder auf die Plätze dürfen.

Der Hammer ist einer der wenigen Privilegierten, die derzeit überhaupt noch ein Stadion besuchen dürfen. Perschke ist als Schiedsrichter-Beobachter in der Regionalliga West tätig, auch aktuell regelmäßig in Lotte, Wiedenbrück, Lippstadt, Rödinghausen, Dortmund oder Verl im Einsatz. „Und ich merke dabei immer wieder, dass sich auch die Unparteiischen wie Bolle darüber freuen, dass sie weiter auf den Rasen dürfen“, bestätigt Perschke, der die Anwesenheit vor Ort ebenfalls genießt.

Gerade einmal vier Personen aus dem heimischen Kreis sind auch während der Corona-Pandemie unterwegs. Lucas Sauer von TuRa Bergkamen wird als Linienrichter in der Regionalliga eingesetzt. Rene Kunsleben, wie Perschke von der TuS Germania Lohauserholz, beobachtet die Schiedsrichter in der 3. Liga. Und Simone Horn von der Hammer SpVg beurteilt die Leistungen der Unparteiischen in der 1. und 2. Bundesliga der Frauen.

Fußball nur am Fernseher

Die Mehrzahl der Mitglieder der Schiedsrichterkameradschaft langweilt sich derzeit daheim. Denn selbst die ansonsten üblichen Belehrungsabende fallen aus. „Wir haben einen Termin per Videokonferenz veranstaltet. Da haben sich immerhin 50 Leute eingewählt“, erzählt Perschke „Dabei wurde in erster Linie über einige Spielszenen und Entscheidungen diskutiert. Wichtig war, überhaupt einmal wieder miteinander geredet zu haben“, so der KSA-Vorsitzende.

Über leichte Entzugserscheinungen klagt derzeit auch Philipp Werner vom Hammer SC. „Derzeit bleibt mir ja leider nur der Fußball am Fernseher. Den betrachtet man als Schiedsrichter aber aus einem ganz anderen Winkel, wie man das ansonsten als Fan sehen würde“, erzählt Werner. „Bei der einen oder anderen Szene denkt man schon darüber nach, wie man selbst entschieden hätte.“

Der einzige aktuelle Oberliga-Schiedsrichter aus Hamm, der seit 2019 in der fünft-höchsten Liga pfeift, hatte seinen letzten Einsatz in der Klasse am 4. Oktober in Finnentrop/Bamenohl. Dort leitete er die Partie der gastgebenden SG gegen die zweite Mannschaft des SC Paderborn. „Das war ein absolutes Highlight“, erinnert sich der 28-Jährige, der in dieser Partie gleich zwei Rote Karten, eine Gelb-Rote Karte und zwei Elfmeter geben musste. Paderborn führte in dieser Partie bereits mit 4:1, kassierte aber mit nur noch acht Spielern in der sechsten Minute der Nachspielzeit das 4:5. „Da war natürlich einiges los“, erzählt Werner. „Das war ein absolutes Kampfspiel, in dem es von Anfang bis Ende richtig zur Sache ging.“

Werner hat noch Ehrgeiz

Doch Werner blieb ruhig. Schließlich ist er als Lehrer an der Friedensschule in Hamm im Umgang mit jungen Leuten bestens geschult. „Man hat in dieser Hinsicht als Schiedsrichter unheimlich viel gelernt, profitiert davon auch im Beruf“, erklärt der Hammer, der als Unparteiischer gerne noch etwas weiterkommen möchte. „Das wird aber schwer. Um in höhere Klassen aufzusteigen, ist man mit 28 Jahren fast schon zu alt“, erklärt der Unparteiische. „Ehrgeiz habe ich auf jeden Fall. Ich werde das mitnehmen, was noch möglich ist. Doch erzwingen kann man in dieser Hinsicht nichts.“

So wird es in diesem Jahr wie bei den Fußballern keinen Auf- und Abstieg bei den Schiedsrichtern geben. „Das wird nur in einigen wenigen Ausnahmefällen möglich sein. Schließlich melden sich auch Leute ab oder scheiden aus Altersgründen aus“, erklärt Torsten Perschke. „Und die einzelnen Ligen müssen natürlich wieder aufgefüllt werden, damit alle Spiele besetzt werden können“, betont der KSA-Vorsitzende. Zumindest die Altersbegrenzung wird im heimischen Kreis für ein Jahr ausgesetzt, Bisher lag die Altersgrenze in der Bezirksliga bei 55, in der Landes- und Westfalenliga bei 47 Jahren. „Alle Schiedsrichter, die eigentlich aus Altersgründen in diesen Ligen aufhören müssten, können, wenn sie denn wollen, auf eigenen Wunsch auch in der kommenden Saison in diesen Klassen pfeifen“, bestätigt Perschke.

Anwärterlehrgang im Juni

Immerhin, die Zahl der Abmeldungen hat sich trotz der Pandemie in den Kreisen der Unparteiischen nicht erhöht. „Abmeldungen hat es bei uns in jedem Jahr gegeben“, erklärt Perschke. „Doch ich habe bisher noch keinen gehört, der gesagt hat, er beendet seine Laufbahn wegen Corona.“

Im Juni wird übrigens wieder ein neuer Anwärterlehrgang starten. Vermutlich gemischt mit Präsenz- und Video-Schulungen. Immerhin zehn Interessenten haben sich dafür bereits angemeldet. Und das findet der KSA-Vorsitzende zu Pandemie-Zeiten durchaus bemerkenswert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare