Schubert will bei der EM seine „Leistung abrufen“

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Sebastian Schubert startet bei der EM in Markkleeberg.

Leipzig - Eigentlich sind die Voraussetzungen perfekt. Sebastian Schubert hat wie seine beiden Teamkollegen Hannes Aigner und Alexander Grimm in Markkleeberg den Heimvorteil im Rücken. Noch dazu finden die Kanu-Slalom-Europameisterschaften auf einer Strecke statt, die Schubert normalerweise liegt. Doch wenn am Freitag die kontinentalen Titelkämpfe mit der Qualifikation beginnen, hält sich der 26-Jährige vom Kanu-Ring Hamm bei der Zielsetzung bewusst zurück.

„Für mich geht es in erster Linie darum, meine Leistung zu bringen“, sagt Schubert. „Natürlich wäre eine Medaille eine schöne Sache. Aber das kannst du nicht planen. Da kommt es auch auf die Tagesform an. Es muss wirklich alles passen.“

Denn die Konkurrenz ist bärenstark. Das Teilnehmerfeld bei den Europameisterschaften steht dem bei einer WM – die findet im September in London statt und bildet den zweiten Höhepunkt der Saison – in nichts nach. „Die Leistungsdichte ist enorm groß“, betont Schubert. „Die Besten sind dabei.“ Entsprechend lang ist die Liste der Favoriten, zu denen neben den Gastgebern unter anderem der amtierende französische K1-Weltmeister Boris Neveu, Olympiasieger Daniele Molmenti (Italien) oder der tschechische Titelverteidiger Jiri Prskavec, der sich 2013 in Krakau und ein Jahr später in Wien Gold gesichert und im März auch das Weltranglistenrennen vor den Toren Leipzigs gewonnen hatte. Doch die Aussagekraft derart früher Läufe ist für Schubert begrenzt. „Da weiß man nie, wer seine Karten schon aufgedeckt hat“, sagt der Heessener.

Dass er selbst seine Erwartungshaltung ein wenig dämpft, liegt aber nicht nur an der Konkurrenz. Auch der Kurs ist in diesem Jahr etwas anders gesteckt und hält für Schubert, der sich seit Montag in Markkleeberg vorbereitet, unerwartete Tücken bereit. „Auf die Strecke bin ich nicht ganz so gut zu sprechen“, so der Bronzemedaillengewinner der EM 2013. Der Wasserdruck sei nun geringer, dadurch „tue ich mich schwerer bei den Aufwärtstoren und damit, die Geschwindigkeit zu halten“, erklärt der zweimalige Weltcup-Gesamtsieger, der die vergangene Saison als Weltranglistenerster abschloss. Aber die leichten Probleme hofft Schubert bis zum Quali-Start in den Griff zu bekommen: „Es geht schon. Es fühlt sich halt nur nicht ganz so toll an, wie es sich anfühlen könnte.“

Dennoch will der Heessener die erste Hürde meistern – und das ohne einen zweiten Versuch. Denn in diesem Jahr gibt es bei der EM die Neuerung, dass die besten 20 Fahrer des ersten Qualifikationslaufs direkt das Ticket für das Halbfinale lösen. Die restlichen Teilnehmer haben im zweiten Rennen die Chance, einen der dann noch zehn freien Plätze für die Vorschlussrunde zu ergattern. „Der erste Lauf ist einen Tick wichtiger geworden“, sagt Schubert. „Das gefällt mir ganz gut. Denn das bietet auch die Möglichkeit, etwas Energie zu sparen.“

Die Kraftreserven sollen möglichst vor der Entscheidung am Samstag mit dem Halbfinale und dem Endlauf sowie der Team-Entscheidung, bei der Deutschland als Titelverteidiger an den Start geht, nicht unnötig angezapft werden. Bereits in den beiden Tagen vor dem EM-Auftakt fuhr Schubert die Belastung zurück, legte am Mittwoch nur noch eine Wildwassereinheit ein, eine weitere folgt am Donnerstag. Ansonsten stand die Regeneration im Vordergrund, „um richtig fit zu sein“. An seiner sportlichen Verfassung zweifelt Schubert ohnehin nicht, die ebenso schwierige wie wichtige Qualifikation für die Nationalmannschaft liegt nur wenige Wochen zurück. „Da kann man die Form gut konservieren“, betont Schubert, der zwischenzeitlich mit der Auswahl des Deutschen Kanu-Verbandes auch einen Lehrgang auf der WM-Strecke in London absolvierte.

Die Titelkämpfe dort rücken allerdings wie die im Sommer anstehenden Weltcup-Rennen erst einmal in den Hintergrund. Das EM-Spektakel vor heimischer Kulisse und das zu erwartende Zuschaueraufkommen lassen auch Schubert nicht kalt: „Das Interesse ist groß. Das macht richtig Spaß.“

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