Hausbesuch bei Michael Kaminski

„Hamm bietet mir alles“ - Rhynerns Trainer fühlt sich sehr wohl

Ausgiebige Radtouren stehen auf dem Freizeitprogramm von Michael Kaminski und Freundin Maria.
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Ausgiebige Radtouren stehen auf dem Freizeitprogramm von Michael Kaminski und Freundin Maria.

Zehn Jahre war Michael Kaminski für die Hammer SpVg aktiv, seit drei Jahren ist er beim SV Westfalia Rhynern. Er fühle sich sehr wohl in Hamm, sagt der 37-Jährige, der aus Oberaden stammt.

Hamm – Es war nur selten ein Fluch. Meist ein Segen. „Für mich gab es und gibt es nichts Schöneres“, genießt es Michael Kaminski, Trainer des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern, dass er mit Marco einen eineiigen Zwillingsbruder hat. Heutzutage sehen sie sich zwar nicht mehr jeden Tag, doch gerade zu Kinder- und Jugendzeiten traten sie immer im Doppelpack auf und fühlten sich nie alleine. Bis zu den B-Junioren spielten die Zwillinge sogar immer in der gleichen Mannschaft, ehe Marco zur Hammer SpVg wechselte und Michael bei Borussia Dortmund blieb. Zwei Jahre später trafen sie sich dann bei RW Ahlen wieder und jagten wieder gemeinsam dem Leder nach. „Der Fußball hat uns beide immer sehr verbunden“, sagte Michael Kaminski, der seinem Bruder nicht nur optisch, sondern auch in vielen anderen Bereichen und Eigenschaften sehr ähnlich ist: „Wir haben sogar das Abitur mit dem gleichen Notendurchschnitt abgeschlossen.“

Verwechslungsgefahr und große Verbundenheit

Doch es gab auch Tage, an denen das Zwillingdasein gestört hat. Zum Beispiel dann, wenn sie in der Schule oder auch von ihrem Trainer verwechselt und mit dem falschen Vornamen angeredet wurden. „Das ist einerseits lustig, andererseits auch nervig, wenn jemand uns nach vielen Monaten immer noch nicht auseinander halten konnte“, meint der Westfalia-Coach. Oftmals wurde er auch, wenn er später als Zuschauer die Spiele seines Bruders beim SC Verl verfolgte, von den Fans gefragt, warum er nicht spielen würde, ob er verletzt sei. „Ich habe dann immer gesagt, dass Marco doch auf dem Platz stehen würde. Da haben die meistens verblüfft aus der Wäsche geschaut.“

Auch jetzt ist die Verbundenheit noch sehr groß, doch jeder geht seinen eigenen Weg. Während Marco mittlerweile in Ostwestfalen beheimat ist und bereits ein Kind hat, wohnt Michael Kaminski mit seiner Freundin Maria im Hammer Osten, arbeitet als Physiotherapeut im Evenglischen Krankenhaus an der Werler Straße und trainiert jetzt im dritten Jahr als hauptverantwortlicher Coach den SV Westfalia Rhynern. „Hamm ist mein Lebensmittelpunkt. Zum einen liegt das zwischen Verl, wo Marco wohnt, und meinem Elternhaus Oberaden, sodass es von der Fahrerei einfach ist. Und zum anderen bietet Hamm mir alles, was ich brauche. Ich arbeite hier, habe hier meine Freundin kennen gelernt, bin schnell in den Lippeauen oder im Kurpark – ich fühle mich hier einfach sehr wohl“, stellt er klar.

Ausgiebige Radtouren mit Freundin Maria

Gerade die kurzen Wege ins Grüne haben für den 37-Jährigen einen hohen Stellenwert. Denn als Ausgleich zu seinen beiden Jobs im Krankenhaus und in Rhynern setzt er sich oft auf sein Fahrrad und unternimmt mit seiner Freundin ausgiebige Radtouren. „Werseradweg, Römerroute oder Alleenradweg – die haben wir schon alle abgefahren“, sagt er und ärgert sich manchmal, dass er für solche Unternehmungen nicht öfter Zeit hat. Zumal er auch noch gerne reist – am liebsten nach Mallorca, wohin es ihn in den Vor-Corona-Zeiten drei- bis viermal pro Jahr hingezogen hat. „Ein Trainer steht ja nicht nur sonntags für 90 Minuten an der Seitenlinie und leitet dreimal pro Woche das Training. Sondern man bereitet an den freien Tagen das Training vor, führt mit dem Co-Trainer Telefonate, tauscht sich mit anderen Coaches aus. Da ist schon viel zu tun“, betont er. „Langeweile habe ich jedenfalls keine.“

In der Jugend bei Borussia Dortmund

Doch Kaminski ist es von klein auf gewöhnt, dass seine große Leidenschaft Fußball ein zeitaufwändiges Hobby ist. Denn in der Jugend spielte er bei Borussia Dortmund, gehörte unter anderem zur gleichen Mannschaft wie der spätere WM-Held von 2006, David Odonkor, und war daher fast jeden Tag in Sachen Fußball unterwegs. „Klar hatte man anfangs auch Träume. Aber ich habe dann schon gemerkt, dass es bei mir nicht reicht“, erklärt er und verließ als A-Jugendspieler den BVB und wechselte nach Ahlen. „Das war dann da zwar eine Klasse tiefer, aber dafür hatte ich mehr Einsätze. Das war mir wichtiger“, meint der Linksfuß, der dann von RWA zur Hammer SpVg wechselte, wo er ingesamt zehn Jahre lang als Akteur in der ersten und Spielertrainer in der zweiten Mannschaft aktiv war: „Bis auf meine langwierige Schambeinentzündung und meinen Achillessehnenteilabriss bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden. Und der krönende Abschluss war natürlich der Aufstieg mit der U21 der HSV in die Landesliga.“

Als es für ihn im Hammer Osten im Sommer 2018 nicht weiterging, nahm er dankend das Angebot vom Ortsrivalen an, agierte zuerst als Co-Trainer an der Seite von Torsten Garbe, ehe er ein Jahr später zum Chef aufstieg und seitdem für die erste Mannschaft des SV Westfalia Rhynern hauptverantwortlich ist. „Ich habe bei der Hammer SpVg zehn Jahre lang Höhen und Tiefen erlebt. Aber danach war es einfach eine gute Gelegenheit, auch mal einen anderen Verein kennen zu lernen“, hat er seinen Wechsel bislang nicht bereut – auch wenn er ausgerechnet beim großen Kontrahenten der HSV gelandet ist und mit diesem Wechsel vor drei Jahren in Hamm für eine Menge Aufsehen gesorgt hatte: „Ich habe nie Probleme mit Rhynern gehabt, denn da ich ursprünglich nicht aus Hamm komme, habe ich auch diese Rivalität nicht so gesehen. Letztlich habe ich mich sportlich verbessert, vom Landes- zum Oberligatrainer.“

In Zukunft als Trainer noch weiter verbessern

Und auch in Zukunft würde er sich gerne noch weiter verbessern. So möchte er als Inhaber der B-Lizenz gerne die Jugend-Elite- und anschließend die A-Linzenz erwerben. Außerdem hätte er nichts dagegen, mit der Westfalia den Sprung in die Regionalliga zu schaffen und im neuen Stadion viertklassig unterwegs zu sein. „Das ist natürlich ein schwieriges Unterfangen. Aber träumen ist ja erlaubt. Unsere Jungs sind jedenfalls ehrgeizig genug und wünschen sich alle, mal in der Regionalliga vor einer anderen Kulisse als sonst immer in der Oberliga zu spielen“, erläutert der Coach, dem der Übergang von seiner Rolle als Spieler hin zum Coach nicht allzu schwer gefallen ist.

Denn bei der HSV-Reserve agierte er zuerst als Spielertrainer und war dann in Rhynern der „Co“ von Garbe, ehe er zum Chefcoach aufrückte und seitdem die Verantwortung rund um den Papenloh trägt. „Bei der Westfalia konnte ich ja Schritt für Schritt hineinschnuppern. Das hat mir den Einstieg schon enorm erleichtert“, sagt er. Außerdem hatte er in seiner Karriere als Spieler der Hammer SpVg viele Übungsleiter kommen und gehen sehen – und sich dort abgeschaut, wie er einmal auftreten will, wenn er das Sagen hat. Vor allem die Art und Weise von Lars Müller, wie dieser als Spielertrainer im Hammer Osten gearbeitet hat, hat ihm dabei imponiert: „Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass Lars auch auf der linken Seite gespielt hat – aber wie er das gemacht hat, fand ich gut. Er war als Mensch sehr sympathisch, und er hat nicht nur den Fußball gesehen.“ Und auch die sachliche und ruhige Art von „Mano“ Zielinski, dem „ewigen“ Co-Trainer der HSV, hat bei Kaminski Spuren hinterlassen. „Er hatte auch immer ein offenes Ohr für uns Spieler. So handhabe ich das auch. Aber ich erwarte von den Spielern auch einiges. Sie sollen ehrlich miteinander umgehen, Probleme offen ansprechen, pünktlich sein und respektvoll miteinander umgehen.“

Lernen, Niederlagen besser zu verarbeiten

Lernen muss er allerdings noch, eine Niederlage besser zu verarbeiten – auch wenn er als Trainer noch nicht allzu viele erlebt hat. Aber wenn es dann doch mal passiert, nimmt er so ein Frusterlebnis mit nach Hause und geht die Partie am Abend noch einmal durch. „Nach so einer Begegnung habe ich auch immer einen unruhigen Schlaf. Aber glücklicherweise ist das bislang noch nicht allzu oft vorgekommen“, sagt er und verrät, wie sehr er sich darüber freut, dass seine Familie fast jedes Spiel von ihm verfolgt. Das war früher so, als er noch selbst aufgelaufen ist. Und auch jetzt ist das so, wo er als Trainer agiert. „Das gibt einem ein schönes Gefühl von Zusammengehörigkeit“, meint er. So, wie er es eben auch von seinem Verhältnis zu seinem Zwillingsbruder her nur zu gut kennt.

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