Neuzugang David Wiencek dabei

Zu spät aufgewacht: ASV verliert in Hüttenberg

Markus Fuchs war mit seinen sechs Treffern noch der torgefährlichste Hammer bei der 25:29-Auswärtsniederlage des ASV beim TV Hüttenberg.

HÜTTENBERG - Der ASV Hamm-Westfalen hat das Auswärtsspiel der 2. Handball-Bundesliga beim TV Hüttenberg mit 25:29 (11:19) verloren. Bester Hammer Werfer war Markus Fuchs mit sechs Treffern.

Von Frank Heidenreich

Als sich die Spieler des ASV Hamm-Westfalen nach der Partie beim TV Hüttenberg bei den mitgereisten Fans für die Unterstützung bedankten, sprachen die desillusionierten Blicke Bände. Nicht nur, weil die Mannschaft von Trainer Kay Rothenpieler ihre kleine Siegesserie in der 2. Handball-Bundesliga durch das 25:29 (11:19) beendet hatte. Sondern weil sie die Partie angesichts einer erschreckend schwachen ersten Hälfte vor 1010 Zuschauern förmlich hergeschenkt hatte.

„Wenn man so eine erste Halbzeit spielt wie wir, dann wird es schwer. Das war einfach schlecht. So darf man kein Spiel bestreiten“, meckerte Rothenpieler. Er hatte mit ansehen müssen, wie der ASV den Start in die Partie komplett verschlief. Vor allem die 6:0-Deckung kam überhaupt nicht auf Touren, war viel zu zahm und extrem löchrig.

Schon nach sechs Minuten nahm Rothenpieler die erste Auszeit – da lagen die Gastgeber bereits mit 6:3 vorne. Doch der Coach schaffte es nicht, sein Team aus der Lethargie zu wecken, ganz gleich, was er personell wie taktisch probierte.

Auch der 5:1-Abwehr mangelte es an Aggressivität, sie bekam ebenfalls keinen Zugriff und Torwart Tomas Mrkva keine Hand an den Ball. Er machte früh Platz für Maurice Behrend (11.), der Felix Storbeck (Verdacht auf Bänderriss) vertrat, aber ebenso wie der Tscheche im ersten Durchgang gerade einmal auf eine Parade kam.

Ihr Gegenüber Matthias Ritschel lief derweil zu Hochform auf, hatte am Ende des ersten Durchgangs elf – allerdings zum Teil unplatzierte – Würfe des ASV entschärft. Die Gäste wirkten im Angriff oft ratlos, agierten mit zu wenig Tempo. Auch hier reagierte Rothenpieler früh, indem er Neuzugang David Wiencek auf die Spielmacher-Position beorderte (20.).

Der 20-Jährige war in den letzten zehn Minuten des ersten Abschnitts zwar sichtlich bemüht, dem Hammer Spiel mehr Dynamik zu verleihen, doch insgesamt änderte sich an den Kräfteverhältnissen auf dem Parkett nichts: Der ASV wachte einfach nicht auf, auch die zweite Auszeit verpuffte wirkungslos (20.). Hüttenberg dominierte das Geschehen fast nach Belieben.

Gerade einmal drei Treffer gelangen den Hammern in den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs, sodass der TV von 14:9 auf 19:11 davonzog. „Es hat nichts gepasst“, sagte Rothenpieler mit Blick auf den ersten Abschnitt. „Wir hatten keine Einstellung, keine Begeisterung. Und Hüttenberg war zu stark.“

Gerade einmal elf Sekunden dauerte es nach der Pause, bis Daniel Wernig erhöhte – es deutete sich ein Debakel an. Doch nun biss sich der ASV in die Begegnung – und demonstrierte, was mit der passenden Einstellung möglich gewesen wäre. „Schlechter ging’s ja auch nicht mehr“, sagte Rothenpieler mit Blick auf die Steigerung. Die Abwehr stabilisierte sich, übte mehr Druck auf den TV-Rückraum aus, packte konsequenter zu. Und Mrkva (ab der 27. Minute zurück im Tor) steigerte sich deutlich.

So übernahmen nun die Gäste das Kommando, ließen in der Folge deutlich weniger zu und arbeiteten sich heran (22:18/44.) – auch wenn sie in der Offensive noch einige Möglichkeiten in Überzahl liegen ließen. „Wenn wir überhaupt noch eine Chance hätten haben wollen, hätten wir diese Gelegenheiten nutzen müssen“, meinte Rothenpieler.

Als Tim Dahlhaus den ASV gar auf drei Treffer heranbrachte (24:21/51.), schienen die Gäste dennoch den Rückstand wettmachen zu können – was indes des Guten zu viel gewesen wäre. Nach zwei Hüttenberger Toren musste Rothenpieler das Risiko erhöhen, öffnete die Deckung, setzte bei Angriff auf einen zusätzlichen Feldspieler – es reichte nicht. Kurz vor Schluss sah Lars Gudat nach hartem Einsteigen noch die Rote Karte (59.). 

Seit Mittwoch gehört David Wiencek, Bruder des deutschen Nationalspielers Patrick Wiencek, zum Aufgebot des ASV Hamm-Westfalen. Bei dem 20-jährigen Mittelmann von Drittligist Handball Lemgo II, dem Unterbau des Erstligisten TBV, greift das mit sehr überschaubarem Risiko für den ASV behaftete Prinzip, das sich auch bei Markus Fuchs bewährt hat.

Wiencek ist mit einem Zweitspielrecht ausgestattet worden – und soll nun in Hamm einen sportlichen Entwicklungsschritt vollziehen, der ihn für höhere Aufgaben qualifiziert. „Man darf aber keine Wunderdinge erwarten“, sagt Trainer Kay Rothenpieler mit Blick auf das 1,79 Meter große Talent, das die Rückennummer 23 trägt, gestern bereits zehn Minuten zum Einsatz kam und mit viel Dynamik zu Werke ging. „David hat das gut gemacht“, so Rothenpieler.

Eigentlich war der „Deal“, der aufgrund der guten Kontakte Rothenpielers zu Niels Pfannenschmidt, Trainer der Lemgoer Bundesliga-Herren, zustande kam, erst für das neue Jahr geplant. Doch da in der 3. Liga bereits der Spielbetrieb ruht, wurde die Maßnahme kurzfristig vorgezogen, zumal Alexander Auerbach derzeit verletzungsbedingt ausfällt.

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