Zeit zum Durchschnaufen für den ASV Hamm-Westfalen

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ASV-Trainer Niels Pfannenschmidt (links) mit Rechtsaußen Lukas Blohme.

Hamm - Für Niels Pfannenschmidt wäre die Pause nicht unbedingt nötig gewesen. Rein sportlich gesehen. Schließlich war der Trainer des ASV Hamm-Westfalen mit seinem Team zuletzt von Erfolg zu Erfolg geeilt, sieben Siege in Folge hatte der Handball-Zweitligist gefeiert. Der Lohn: Rang fünf. Und zumindest Blickkontakt zum Tabellendritten Coburg, der fünf Zähler voraus liegt.

Der ASV hatte vor der nun anstehenden Meisterschafts-Unterbrechung wegen der Europameisterschaft Fahrt aufgenommen. Und zwar richtig. Aber der Coach weiß: Das zurückliegende halbe Jahr hat extrem an den Kräften gezehrt, die „Auszeit“ tut allen Beteiligten gut. „Die Jungs brauchen das jetzt einfach“, sagt Pfannenschmidt, der sich selbst auch ein paar Tage Urlaub mit der Familie gönnt.

Allzu lange dauert die „Schonzeit“ nicht. Schon am 9. Januar versammelt der Trainer seine Schützlinge wieder um sich – dann geht es zunächst einmal zum Skisprung-Weltcup nach Willingen. Zwei Tage später beginnt endgültig die Rückrunden-Vorbereitung. Und in der wartet einiges an Arbeit. Denn Pfannenschmidt sieht „in allen Bereichen Steigerungspotenzial“, auch wenn er mit der Entwicklung des Teams „zufrieden“ ist. Die Abwehr funktioniert, auch in Unterzahlsituationen „läuft es inzwischen richtig gut“ (Pfannenschmidt). Was zumeist auch für das Tempospiel gilt. Und da die Angriffsaktionen zuletzt immer flüssiger wurden, knackten die Hammer in den vergangenen vier Begegnungen jeweils die Marke von 30 geworfenen Toren. „Es ist toll zu sehen, welchen Weg die Mannschaft gegangen ist“, sagt der Coach.

Vor allem seit der deprimierenden Heimklatsche Mitte November gegen die HSG Nordhorn-Lingen (23:30), die in vielerlei Hinsicht ein Knackpunkt war. Ihr folgte eine interne Aussprache, eine klarere Rollenverteilung innerhalb des Teams, eine Feinjustierung. Seitdem gewann der ASV alle Partien, die Unruhe im Umfeld legte sich. Zumal auch die lange erschreckend schwache Heimbilanz mittlerweile deutlich aufpoliert worden ist. „Ich hatte immer gewarnt, dass es zunächst ein bisschen holpriger werden könnte“, sagt Pfannenschmidt, dem die Stimmung nach Niederlagen „manchmal zu negativ“ war.

Doch die hat sich gedreht. Und der Trainer, der betont, dass das Verhältnis zwischen ihm und der Mannschaft „immer tiptop“ war, will in der Vorbereitung dafür sorgen, dass die gute Laune im Umfeld möglichst lange anhält. Deshalb will er einige Baustellen abarbeiten. „Wir neigen in der Euphorie dazu, leichtsinnig zu werden. Dann geht die Disziplin verloren“, erklärt der 41-Jährige. „Auch in der Abwehr.“ Dass er dies besonders betont, kommt nicht von ungefähr. Die Deckung war das Prunkstück des ASV, in vielen Begegnungen der Schlüssel zum Erfolg. An ihr hatte der Coach in der Sommer-Vorbereitung intensiv gefeilt – was sich auszahlte. Zuletzt allerdings hatte Pfannenschmidt die angestrebte Variabilität zugunsten der Stabilität geopfert: Die Defensive agierte vornehmlich im 6:0-System und erwies sich darin als sehr kompakt und bissig. „In den nächsten Wochen werden wir jetzt auch wieder das 5:1 verstärkt einstreuen“, nennt der Trainer erneut die Abwehr als einen Schwerpunkt der Arbeit im Januar – was auch daran liegt, dass gleich zwei Mittelmänner fehlen. Ondrej Zdrahala ist fast bis Ende Januar bei der tschechischen Nationalmannschaft, für Björn Zintel beginnt die Grundausbildung bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr. Am 18. Januar geht es ins Trainingslager nach Kienbaum (bei Berlin), wo unter anderem ein Testspiel gegen Potsdam ansteht. Es folgen nach der Rückkehr – dann stößt Zdrahala wieder zum Team – weitere Freundschaftsbegegnungen gegen die Erstligisten TuS N-Lübbecke (26. Januar, Stein-Halle) und Bergischer HC sowie gegen den Ligarivalen Eintracht Hagen. Und nebenbei werden mit Manager Kay Rothenpieler die Personalien abgearbeitet. „Es wäre schön, wenn wir die Mannschaft weitgehend so halten könnten. Aber natürlich kann es Veränderungen geben“, sagt Pfannenschmidt. „Es weckt Begehrlichkeiten, wenn man gute junge deutsche Spieler hat oder mit den besten Torwart der Liga“, so der Coach mit Blick auf Akteure wie Tomas Mrkva, der auch für einige Tage bei der tschechischen Nationalmannschaft weilt, Joscha Ritterbach oder Marian Orlowski. Und da auch Zdrahala zuletzt wieder an die Vorjahres-Form anknüpfte, dürfte es auch nicht leicht werden, den Mittelmann zu halten.

Doch das Hauptaugenmerk gilt der Rückserie. Am 7. Februar geht es in Essen wieder los – und das Restprogramm bezeichnet Pfannenschmidt nicht ohne Grund als „hammerhart“. Allein schon, weil der ASV bei allen vier Top-Teams (Erlangen, Minden, Coburg, Friesenheim) antreten muss. „Das ist schon eine Nummer. Aber es wird auch sehr interessant sein zu sehen, wie weit wir sind“, sagt der Trainer des auswärtsstärksten Teams der Liga, der sich mit weiteren Prognosen bewusst zurückhält. „Es ist immer gut, wenn wir von Spiel zu Spiel gucken“, so Pfannenschmidt. „Wenn wir weiter mit dem Ehrgeiz und dem Willen trainieren, dann werden die Ergebnisse automatisch kommen.“

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