HANDBALL

ASV trennt sich von Trainer Kay Rothenpieler

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Kay Rothenpieler

Zweitligist ASV Hamm-Westfalen hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Trainer Kay Rothenpieler getrennt. Als Grund für die Beurlaubung nannte Geschäftsführer Franz Dressel die teilweise enttäuschenden Leistungen und Ergebnisse nach dem Jahreswechsel. 

Hamm – Nach einer schlaflosen Nacht hat Franz Dressel, Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, die Reißleine gezogen und mit sofortiger Wirkung Kay Rothenpieler von den Aufgaben des Cheftrainers entbunden. Die enttäuschende 27:32-Niederlage am Freitagabend beim abstiegsgefährdeten VfL Lübeck-Schwartau war der Auslöser dafür, dass Dressel keine andere Möglichkeit mehr sah, die drohende sportliche Talfahrt zu verhindern. „Ich bin danach nicht zur Ruhe gekommen und habe mir intensiv Gedanken gemacht. Die Entscheidung ist uns angesichts der großen Verdienste von Kay um den Verein nicht leicht gefallen. Ich habe Angst davor, dass wir in der Tabelle durchgereicht werden“, begründete Dressel den Schritt. Wie Dressel betonte, sei der ASV ein kleines Wirtschaftsunternehmen. „Wenn wir in der Kreisliga spielen würden, hätten wir die ganze Sache auch noch acht Wochen so laufen lassen können. Doch wir sind Profis und deshalb dazu verpflichtet, auch wirtschaftsorientiert zu denken.“ 

"Trainer ist das schwächste Glied"

Am Samstag um 17 Uhr trafen sich Dressel und Manager Thomas Lammers zum Gespräch mit dem Coach im Geschäftszimmer in der Westpress Arena. „Wir haben dann Kay mitgeteilt, dass wir leider keine andere Lösung sehen. So ist nun einmal das Geschäft. Der Trainer ist dabei das schwächste Glied. Kay hat zwei Jahrzehnte bei uns hervorragende Arbeit geleistet. Er hätte sicherlich einen besseren Abschied verdient gehabt.“ Die Spieler wurden noch am Samstagabend telefonisch informiert. Vorerst sollen nun Routinier Jakob Schwabe und Co-Trainer Christof Reichenberger die Übungseinheiten leiten. „Die Verantwortung wollen wir auf möglichst viele Schultern verteilen“, erklärte Dressel. „Spieler wie Sören Südmeier, Merten Krings, Markus Fuchs und Jan Brosch sollen dabei auf der Platte mit eingreifen.“ 

Die Entwicklung abwarten

Rothenpielers Vertrag wäre ohnehin am 30. Juni in Werries ausgelaufen. Für die kommende Saison hat der ASV bereits Michael Lerscht vom TuS Ferndorf als neuen Coach verpflichtet. Ihn vorzeitig von den Ferndorfern loszueisen, ist für Dressel allerdings keine Option. „Das wäre unfair. Außerdem ist Lerscht kein Mann, der die Ferndorfer jetzt im Stich lassen würde.“ Wie Dressel betonte, will der Hammer Zweitligist jetzt erst einmal die Entwicklung abwarten und sehen, wie sich die Mannschaft verhält. „Natürlich werden wir auch nach links und rechts gucken, was im Trainerbereich kurzfristig machbar ist. Doch das wäre in jedem Fall nur eine Interimslösung bis zum Saisonende“, versicherte Dressel.

"Nicht die halbe Mannschaft rauswerfen"

Der nimmt jetzt vor allem mit Blick auf das anstehende Heimspiel am Samstag (19.15 Uhr) gegen den TuSEM Essen das Team in die Pflicht. „Ich habe schon vor Wochen mit der Mannschaft geredet, als es nicht so wie gewünscht lief und mit Konsequenzen gedroht. Da wir danach keine Steigerung in der Leistung erkannt haben, mussten wir jetzt handeln. Wir können ja nicht die komplette Mannschaft rauswerfen“, betonte Dressel, der nun gegen den Tabellenzweiten eine entsprechende Reaktion erwartet. „Von Aufstieg wollen wir nach den letzten Ergebnissen nicht mehr reden, auch wenn wir mit einem Sieg über TuSEM wieder bis auf einen Punkt herankommen würden.“ Dressel will in den kommenden Wochen alles neu auf den Prüfstand stellen. „Wir werden genau beobachten, was die einzelnen Spieler machen. Auch die, die Verträge über die Saison hinaus haben, sollten sich nicht zu sicher fühlen“, kündigte der Geschäftsführer eine etwas härtere Gangart im Hammer Osten an.

Kein schönes Gefühl

„Es ist sicherlich kein schönes Gefühl, doch ich muss die Entscheidung akzeptieren“, erklärte Rothenpieler. „Der Verein hat sich nun einmal für diesen Weg entschieden.“ Der 49-Jährige erklärte, dass es zwischen ihm und der Mannschaft keine Probleme gegeben hätte. Seine eigene Zukunft ließ er offen. „Ich muss die ganze Sache jetzt erst einmal sacken lassen. Handball ist allerdings mein Leben. Deswegen werde ich irgendwann bereit sein, auch als Trainer eine neue Herausforderung zu übernehmen. Man lernt ja immer wieder dazu.“ 

Bereit für neue Aufgaben

2001 übernahm der frühere Nationalspieler Rothenpieler erstmals die Aufgabe des Trainers beim ASV und führte den Verein bis in die Bundesliga. Mit einigen kurzen Unterbrechungen übte er dieses Amt bis 2015 aus und übernahm anschließend Managerfunktionen. 2017 kehrte er wieder auf die Bank zurück. Dass seine Mission jetzt vorzeitig endet, sei im Sport nichts Ungewöhnliches. „Natürlich hätte ich gerne weiter gemacht, doch muss ich damit leben. Der ASV wird immer ein Teil von mir bleiben. Ich wünsche der Mannschaft jetzt alles Gute und hoffe, dass die neuen Impulse in Zukunft auch Wirkung zeigen

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